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2016/03/01

Kinder, so klingt die Welt - Geräusche lösen Gefühle aus

„Kinderohren sind offen für alles“, sagt der Kommunikationsakustik-Forscher Dr. Ercan Altinsoy. „Deshalb ist es wichtig, dass Kinder die ganze Welt der Geräusche möglichst früh für sich entdecken. Dabei können wir sie gezielt unterstützen, zum Beispiel wenn wir sie an schöne Klangfarben und die Geräusche der Natur heranführen“, empfiehlt er. Tatsächlich bestimmen heute meist technische Geräte unsere Geräuschkulisse im Alltag.

Von Anfang an lernen Kinder, die Töne ihrer Umwelt zu unterscheiden. Ob Angst, Glück oder Geborgenheit: Geräusche lösen bei Kindern und Erwachsenen Emotionen aus. Blitzschnell. Das war schon immer so. Unsere Ohren sind immer auf Empfang – selbst wenn wir schlafen. Das Gehör signalisiert herannahende Gefahren. Früher waren das zum Beispiel wilde Tiere, heute ist es der Straßenverkehr. Wir fühlen uns aufgehoben, wenn wir ruhige warme Stimmen hören und schöne Musik macht uns euphorisch. Einmal gespeichert, können diese Emotionen beim Erklingen des jeweiligen Geräusches ein Leben lang abgerufen werden. „Die Basis für den Hörgenuss, den wir als Erwachsene empfinden, wird im Kindesalter gelegt“, sagt Dr. Ercan Altinsoy.

Allerdings erleben viele Kinder heutzutage eine tägliche Dauerbeschallung. Zu Hause, auf der Straße, im Supermarkt: durchgehend läuft das Radio, der Fernseher. Die lustigen und schrillen Töne ihrer Tablets und Handys und viele Haushaltsgeräte sind immer präsent. „Meistens schicken wir unsere Kinder mit eher bösen Geräuschen wie dem Wecker und dem Straßenverkehr in den Tag“, sagt Dr. Altinsoy. „Unsere technisierte Welt ist laut. Bei der Produktentwicklung geht es heute deshalb sehr oft darum, Dinge leiser zu machen.“ An seinem Lehrstuhl wird aber auch daran geforscht, wie Sachen besser klingen könnten.
(AUDITORIX Link-Tipps: Den Geräuschen auf der Spur / Knistern und Klingen)

Sound Designer forschen wie Produkte klingen sollten
Auch der Sound von Geräten und Lebensmitteln kann bei uns positiv besetzte Gefühle auslösen. Müssen Autos zum Beispiel unbedingt laut aufheulen, um kraftvoll zu klingen? Und wie klappt es, die Cornflakes oder den Knusperriegel so zu produzieren, dass sie nicht nur „crispy“ schmecken, sondern sich auch so anhören - so ähnlich, wie wenn wir in einen knackig frischen Apfel beißen? In der Wirtschaft gewinnt das so genannte Sound Design immer mehr an Bedeutung. Derweil sehen wir im Straßenbild immer mehr Menschen mit Kopfhörern. Sie hören ihren eigenen Soundtrack und blenden die Außenwelt weitgehend aus. Dabei gibt es „unterwegs“ viel zu entdecken. Wie die Welt um uns herum klingt (oder klingen könnte), ist nicht nur für Kinder eine spannende Selbsterfahrung. Allein auf dem Weg zur Kita, zur Schule oder zur Arbeit gibt es da noch sehr viel mehr zu hören als die vorbeifahrenden Autos.
(AUDITORIX Link-Tipps: Hör-Clip: Gutes Hör-Gedächtnis, AUDITORIX-Arbeitsblätter: Wie klingt mein Schulweg, Unsere Hörgewohnheiten)

Ganz ruhig ist es fast nie. Wie es sich anhört, wenn man nichts hört, konnten Kinder beim Türöffner-Tag der „Sendung mit der Maus“ (WDR/ARD) in einem Schallraum erfahren. Geräusche von außen kommen hier nicht rein. Dafür machten die Kinder aber ganz schön viel Krach.

Dr.-Ing. habil. Ercan Altinsoy leitet den Lehrstuhl für Kommunikationsakustik an der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik der Technischen Universität Dresden