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2016/03/18

Schwäbisch Hall - Ausstellung in Zwangsarbeiterbaracke eröffnet

In der deutschlandweit einzigen Zwangsarbeiterbaracke in einem Freilichtmuseum wird am Sonntag, 20. März 2016, in Schwäbisch Hall-Wackershofen eine Ausstellung des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg eröffnet: Sie zeigt die bewegenden Schicksale der ausländischen Arbeitskräfte, die dort einquartiert waren, und das Verhältnis der einheimischen Bevölkerung zu ihnen. Der Wiederaufbau der Baracke, die einst in Schwäbisch Hall-Hessental stand, und die Einrichtung der Ausstellung kosteten rund 150.000 Euro. Ermöglicht wurde das Projekt vor allem durch die Förderung der Baden-Württemberg Stiftung sowie des Freundeskreises des Hauses der Geschichte, der Wüstenrot-Stiftung und durch die Würth KG.
„Wir wünschen uns, dass mit unserer Ausstellung die Erinnerung an dieses Kapitel deutscher Geschichte wachgehalten wird“, sagte Prof. Dr. Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte, bei einem Pressegespräch am 17. März 2016. „Es zeigt, wie groß selbst in einer Diktatur die Möglichkeiten Einzelner sind, ausgegrenzte Menschen entweder anständig zu behandeln oder zu schikanieren.“ Christoph Dahl, der Geschäftsführer der Baden-Württemberg Stiftung, blickte aus heutiger Perspektive auf die Ausstellung: „Es wird nicht nur zur Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus aufgerufen. Der Ansatz der Ausstellung, die gemeinsame Geschichte von Einheimischen und Fremden zu erzählen, ist aktueller denn je. Die Baden-Württemberg Stiftung fördert das innovative Projekt sehr gerne, da es in Deutschland einmalig ist.“
„Mit dem Gebäude der einstigen Fassfabrik Kurz vermitteln wir nicht nur ein Stück Schwäbisch Haller Geschichte“, betonte die Ausstellungsleiterin des Hauses der Geschichte, Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger. „Es ist die Aufgabe der Ausstellung, prinzipielle Fragen zu stellen: Wie reagierte die Bevölkerung auf die Fremden? Wie ging man unter diesen extremen Bedingungen miteinander um? Gab es Unterschiede zwischen den Nationalitäten der Barackenbewohner?“

Die Ausstellung erklärt, dass der Status der Zwangsarbeiter sehr ungleich war. Je „arischer“ sie waren, umso besser wurden sie behandelt. „Auf fliehende Russen ist sofort zu schießen, mit der festen Absicht, zu treffen“, lautete eine Anordnung der Gestapo Stuttgart. Französinnen und Franzosen dagegen standen in dieser Rangordnung weit oben. Ein Teil der 69 Porträtfotos von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern in der Ausstellung macht die Unterschiede augenfällig. Wie verschieden die Einheimischen mit den Zwangsarbeitern umgingen, wird in der Museumsbaracke ebenfalls deutlich. Die einen halfen, steckten den Ausgebeuteten Essen zu, obwohl es verboten war. Andere diffamierten und misshandelten sie.
Die Geschichte der Zwangsarbeiter, die eingeengt in der schmutzigen und stickigen Baracke bei oft extremen Temperaturen ihr Dasein fristeten, steht im Mittelpunkt der Ausstellung. Sie informiert aber auch über die massenhafte Produktion des Gebäudetyps, der ein zentrales Mittel der menschenverachtenden Effizienz der Nationalsozialisten beim Einsatz von Zwangsarbeitern war. Und sie beschäftigt sich mit der Fassfabrik und der Nutzung der Baracke nach dem Zweiten Weltkrieg als Unterkunft für Heimatvertriebene und Gastarbeiter.
Die RAD-Baracke steht unmittelbar neben dem Eingang des Hohenloher Freilandmuseums. „Sie entspricht so gar nicht den gängigen Vorstellungen von Gebäuden, die im Freilandmuseum ihren Platz finden“, sagte Museumsleiter Michael Happe. „Die Baracke aus Hessental soll dazu beitragen, dass die Geschichte der Menschen nicht vergessen wird, denen in der jüngeren Vergangenheit großes Unrecht widerfahren ist.“