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2017/02/10

Themen des Jahres im Haus der Geschichte

Geflüchtete und 1960er Jahre im Fokus

Stuttgart (hdgbw) – Regional und zugleich international sind die zwei großen Ausstellungsthemen im Haus der Geschichte Baden-Württemberg 2017. Das Stuttgarter Museum widmet sich Geflüchteten sowie den 1960er Jahren. „Damit greift das Haus der Geschichte wieder Themen innovativ auf, die brandaktuell sind oder unsere Gegenwart in besonderer Weise beeinflussen“, sagte der Leiter des Hauses der Geschichte, Prof. Dr. Thomas Schnabel, bei der Jahrespressekonferenz 2017 am 7. Februar.

In der Diskussion über Eintrittspreise der staatlichen Museen zeigte Thomas Schnabel zwar Sympathie für den Vorschlag, die Dauerausstellungen kostenlos zu öffnen. Er betonte aber: „So weit sind wir gar nicht entfernt vom freien Eintritt. Schüler kommen bei uns bereits jetzt kostenlos ins Museum.“ Er verweist zudem auf den günstigen Tarif für Vollzahler (5 Euro) und erhebliche Ermäßigungen für Familien, Studierende und Rentner (halber Preis). 2016 nahmen etwa 125.000 Besucherinnen und Besucher die Angebote des Hauses der Geschichte wahr. Die Zahlen waren zurückgegangen (2015: 145.000 Besucher), weil das Museum wegen Brandschutzarbeiten zwei Drittel des Jahres keine Sonderausstellung zeigen konnte. Dafür ist die aktuelle Sonderausstellung „Carl Laemmle presents… Ein jüdischer Schwabe erfindet Hollywood“ erfolgreich gestartet. Allein während der Festwoche zu Laemmles 150. Geburtstag im Januar 2017 kamen mehr als 2500 Besucher. Auch nach Ausstellungsende am 30. Juli 2017 wird an die beeindruckende Persönlichkeit weiter erinnert werden: in seiner Geburtsstadt Laupheim im Museum zur Geschichte von Christen und Juden. Die dortigen Laemmle-Räume überarbeitet das Team des Hauses der Geschichte grundlegend. Sie werden neu gestaltet, inhaltlich erweitert und mit multimedialen Angeboten ergänzt. Neue Objekte bekommen derzeit die 26 Vitrinen im Eingangsbereich des Hauses der Geschichte in Stuttgart: Aus dem „Baden-Württemberg-ABC“ werden vom 19. Februar 2017 bis zum 8. April 2018 „Überlebensgeschichten von A bis Z“. Ausstellungsleiterin Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger erklärt: „Wir kehren die Perspektive um. Bisher waren typisch baden-württembergische Dinge zu sehen. Nun geht es darum, wie nach Baden-Württemberg Geflüchtete hier ankommen.“ Die neuen Ausstellungsstücke erzählen von den Gefahren der Flucht und von dem Ringen um ein Bleiberecht, aber auch von neuen Bildungsperspektiven und dem Miteinander in selbstorganisierten Gruppen. Mit den 1960er Jahren wird sich die nächste Sonderausstellung auseinandersetzen, die von Jahresende an im Haus der Geschichte zu sehen ist. „Eine junge Generation mit neuer Musik, neuer Mode, neuen politischen Ideen und neuen Protestformen ließ selbst ländliche Regionen Baden-Württembergs nicht unberührt“, sagte Paula Lutum-Lenger. Von den Filmausschnitten aus Jugendclubs bis zum signierten Jimi-Hendrix-Plakat reichen die Ausstellungsstücke aus der Zeit eines globalisierten Lebensgefühls. Der Arbeitstitel der Schau: „The Times They Are A-Changin‘“.


Perspektiven von Geflüchteten: „Überlebensgeschichten von A bis Z“

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg blickt aus der Perspektive von Geflüchteten auf das Land: Aus dem „Baden-Württemberg-ABC“ werden vom 19. Februar 2017 bis zum 8. April 2018 „Überlebensgeschichten von A bis Z“. Bisher empfing das Stuttgarter Museum seine Besucher mit 26 Vitrinen, die Objekte zu typisch baden-württembergischen Eigenschaften, Klischees und Besonderheiten enthielten. Nun sind 26 Stücke mit beeindruckenden Geschichten vom Fliehen und Ankommen vor dem Gebäude und im Foyer ausgestellt – von A wie Angst bis Z wie Zulassung. (Icon externer Link www.ueberlebens-abc.de)
Das Projekt stellt die Frage: Wie begegnet Baden-Württemberg Menschen, die vor kurzem in den Südwesten geflohen sind? Das Land bietet aus Sicht der Neuangekommenen Sicherheit und neue Lebensmöglichkeiten. Im zähen Kampf um Bleiberecht und Mitwirkungsmöglichkeiten begegnet der Südwesten Geflüchteten aber auch bisweilen abweisend oder gar feindselig. Die Vitrine „B“ wie Barriere etwa erzählt von Siba Naddafs Isolation in der ersten Zeit im Land. Der Rollstuhl der jungen Frau ist auf der Flucht aus Syrien zerstört worden. In Karlsruhe beschaffte ihr ein ehrenamtlicher Unterstützer zwar Ersatz. Aber weil die Gemeinschaftsunterkunft nicht barrierefrei ist, konnte sie ihr Zimmer im ersten Stock nicht verlassen. Schmerzhafte Erinnerungen enthält die Vitrine „M“ wie Marsch: ein Paar Schuhe, das eine junge Irakerin auf dem gesamten Weg nach Deutschland trug. Seit ihrer Ankunft in Baden-Württemberg trägt sie die Schuhe nicht mehr, die Teil der Schuluniform im Irak waren. Doch sie ist nicht bereit, die Schuhe wegzuwerfen. Denn die Erinnerung an die Flucht und die anfängliche Einsamkeit bleiben wichtig für sie. Menschen auf der Flucht begegnen uns in aktuellen Berichten in großen anonymen Gruppen. Sie haben keine Namen und keine Stimme. Selten werden uns Geflüchtete als selbstständig Handelnde vorgestellt. „Überlebensgeschichten von A bis Z“ will Geflüchteten Stimme und Raum für ihre Sichtweisen geben. In Workshops an verschiedenen Orten des Landes, in Unterkünften, Frauencafés, Sprachkursen, Schulen oder im Museum selbst haben Geflüchtete miteinander oder allein erarbeitet, welchen Teil ihrer Lebensgeschichte sie vorstellen wollen. Dabei stehen wie im Vorgänger-ABC Objekte im Mittelpunkt, die Geschichten erzählen. Es werden keine vollständigen Biographien ausgestellt, die Menschen auf ihren Fluchtstatus reduzieren. Die Vielstimmigkeit der Ausstellung und ihr Begleitprogramm sollen zu Gesprächen zwischen Neuangekommenen und Alteingesessenen einladen. Die Ausstellung wird am Sonntag, 19. Februar, um 14 Uhr eröffnet. Der Zutritt zu den „Überlebensgeschichten“ vor dem Haus der Geschichte und im Museumsfoyer ist frei. Ein Begleitprogramm mit Workshops, Vorträgen und Musik ist in Arbeit.

Ausstellungsleitung: Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger
Konzept: Dr. Caroline Gritschke, Natalie Kot, Sophie Reinlaßöder


The Times They Are A-Changin‘

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg widmet sich mit seiner nächsten Sonderausstellung einem Jahrzehnt des Aufbruchs: den 1960er Jahren. Ob E-Gitarre, Protestplakat oder Minirock – was heute Alltag ist, waren damals Symbole eines neuen Lebensgefühls; und dafür, dass Lebensentwürfe von Generationen mit Wucht aufeinander prallten. „The Times They Are A-Changin‘“ (Arbeitstitel) ist vom Jahresende an in Stuttgart zu sehen – und bietet Zeitzeugen aus dem Land Gelegenheit, mit ihren Stücken, ihren Geschichten Teil der Ausstellung zu werden. „Was war und was bleibt?“ fragt das Kuratorenteam. Sebastian Dörfler und Katja Nagel suchen aus dem Baden-Württemberg der 1960er Alltagsgegenstände, Fotos oder Konzertkarten. An Kleidungsstücken, die sich mit einer besonderen Geschichte verbinden, sind sie ebenfalls interessiert – etwa Miniröcke, Jeans oder Pelzwesten. Im Visier haben sie auch Transparente, Fahnen oder andere Stücke, die bei Demos, Konzerten, Kundgebungen, Festivals oder Teach-Ins dabei waren. Kontakt: katja.nagel@hdgbw.de oder Tel. 0711/212-3964.
Die Ausstellung zeigt, wie die Veränderungen – der Protest, die Popkultur, die Kunst der jungen Generation – auch den deutschen Südwesten prägten. Der Vietnamkrieg, die Tötung von Benno Ohnesorg und das Attentat auf Rudi Dutschke trieben in Heidelberg, Freiburg, Tübingen und Konstanz die Studenten auf die Straße. Beatbands sprossen auch in Kleinstädten wie Pilzköpfe aus dem Boden. Und allerorten stritten Jung und Alt, Rechts und Links, Obrigkeit und Alternative oft bis zur Eskalation um Politik und Geschichte, Musik und Mode, Benehmen und Lebenswandel.
Die junge Generation eroberte Räume – wortwörtlich: bei der Party zuhause, im Jugendclub, beim Beatkonzert in der Stadthalle, auf der Straße. Die Ausstellung im Haus der Geschichte wirft den Blick hinein in politische und unpolitische Clubs. Film- und Tonaufnahmen zeigen, wie in der Cannstatter Diskothek „Conny“ getanzt und gefeiert wurde. Fotos dokumentieren, wie der österreichische Aktionskünstler Otto Muehl bei der Eröffnungsveranstaltung der „Bastion“ in Kirchheim/Teck für einen Skandal sorgte. Die SDR-Nachrichten von 1969 berichteten, wie die Polizei den „Roten Turm“ in Karlsruhe räumte.
Raritäten wie eine Aufnahme vom Jimi-Hendrix-Auftritt in der Stuttgarter Liederhalle und Singles von Joy and the Hit Kids liefern den Sound, Ausschnitte von Amateur- und Nachrichtenfilmen die bewegten Bilder eines bewegten Jahrzehnts. Plakate, Flugblätter und Zeitungsartikel illustrieren die politischen Auseinandersetzungen. Und sie zeigen zusammen mit anderen Objekten, was folgte und blieb: Für eine vielfältiger werdende Gesellschaft, Bürgerinitiativen oder die Frauen-, Friedens-, Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegung wurde der Boden in den 60er Jahren bereitet.

The Times They Are A-Changin‘ – Jugend. Kultur. Protest. Die 60er im Südwesten (Arbeitstitel)

Sonderausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg vom 22. Dezember 2017 bis zum 24. Juni 2018

Ausstellungsleitung: Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger

Kuratoren: Dr. Sebastian Dörfler, Dr. Katja Nagel


Büste von Erwin Teufel für das Haus der Geschichte

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg hat eine Büste des früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel geschenkt bekommen. Den Bronzeguss fertigte der französisch-deutsche Bildhauer Serge Mangin. Spender ist die Karl Schlecht Stiftung. Das Kunstwerk wurde am Dienstag, 7. Februar, vorgestellt. Der Stifter Karl Schlecht betonte, es sei ihm wichtig, Erwin Teufel zu Lebzeiten mit einer Büste zu ehren: „Er lebt in hohem Maße Werte und Tugenden vor, die für die Entwicklung unseres Landes entscheidend waren und nach wie vor sind.“ Erwin Teufel und Karl Schlecht sind Kuratoriumsmitglieder der Tübinger Stiftung Weltethos. Museumsleiter Thomas Schnabel dankte dem Stifter: „Wir freuen uns über ein Porträt der Persönlichkeit, mit der die Entstehung unseres Hauses eng verknüpft ist.“ Erwin Teufel hatte als Ministerpräsident den Bau des Museums an der Konrad-Adenauer-Straße in Stuttgart initiiert und realisiert. Der Unternehmer Karl Schlecht, Gründer der Firma Putzmeister und seit 1998 mit seiner gemeinnützigen Stiftung aktiv, ist Gründungsmitglied des Fördervereins des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg. Er beauftragte Serge Mangin, der etwa ein halbes Jahr an der Teufel-Büste arbeitete. Der Bildhauer hatte zuvor bereits Persönlichkeiten wie Ernst Jünger, Luciano Pavarotti, Michail Gorbatschow, George Bush Senior und Helmut Kohl porträtiert. Mangin wurde 1947 in Paris geboren und lebt seit 1968 in Deutschland.


Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Kommunikation
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