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2017/03/19

Greiser NS-Täter auf dem Hohenasperg

Vier neue Häftlingsbiografien, 24 neue Ausstellungsstücke und eine spannende Veranstaltungsreihe bietet das Museum „Hohenasperg – Ein deutsches Gefängnis“ in der Saison 2017. Erstmals gezeigt wird der Fall des Ghetto-Kommandanten Josef Schwammberger. Eine Lesung mit dem Gefängnisarzt und „Tatort“-Schauspieler Joe Bausch gehört zu den Höhepunkten des Programms „Innenansichten“.

Die Saison beginnt am Sonntag, 26. März 2017. Kuratorin Dr. Franziska Dunkel stellt mit einer Eröffnungsführung um 15 Uhr das Museum und die neuen Objekte vor.

Aus dem Nachlass des NS-Täters Josef Schwammberger ist unter anderem die Ablehnung eines Gnadengesuchs zu sehen. Der Südtiroler war Ghetto- und Lagerkommandant in Polen und für den Tod von vermutlich mindestens 710 Jüdinnen und Juden verantwortlich. Nach seiner Flucht 1948 lebte er in Argentinien und blieb dort bis 1987 unentdeckt. Nach Ermittlungen der Zentralstelle zur Aufklärung von NS-Verbrechen in Ludwigsburg wurde Schwammberger ausgeliefert und 1992 als „Exzesstäter“ verurteilt. Wegen der besonderen Schwere seiner Schuld wurden zwei Gnadengesuche abgelehnt. 2004 starb er im Alter von 92 Jahren im Justizvollzugskrankenhaus Hohenasperg.

Bewegend sind die Erlebnisse von Arthur D. Jacobs. Der US-Amerikaner wurde als Zwölfjähriger in eine finstere Zelle auf dem Hohenasperg eingesperrt und von den amerikanischen Wachen als „Nazi“ schikaniert. Der Grund: Sein Vater war 1928 als Deutscher in die USA ausgewandert und nach dem Zweiten Weltkrieg mit seiner Familie „repatriiert“ und interniert worden. Arthur D. Jacobs konnte 1947 in die USA zurückkehren und bekam 58 Jahre später bei einem Besuch den Schlüssel seiner früheren Zelle sowie Hohenasperger Stacheldraht überreicht.

Neu im Museum sind zudem die Biografien des „wilden Demokraten“ Gottlob Tafel (1801-1874) und des Wendehalses Heinrich Elsner (1806-1858), der sich vom radikalen Demokraten zum Erzkonservativen wandelte. Und dank eines der neuen Objekte wird ein Mann nun seinem Spitznamen gerecht: Ein Primatenpräparat aus dem Zoo des Stuttgarter Wirtes und 1848er Revolutionärs Gustav Werner macht diesen nun auch im Museum zum „Affen-Werner“.

Das Veranstaltungsprogramm 2017 greift eine der Fragestellungen im Museum auf und gibt unter dem Titel „Innenansichten vom Gefängnis“ Einblicke in die Gedanken und Gefühle von Häftlingen. Dazu gehört ebenso die Vorführung des preisgekrönten Films über das syrische Foltergefängnis „Tadmor“ im Ludwigsburger Scala am 23.Mai wie ein Fest am 25. Juni mit Führungen und Lesungen zum 200. Geburtstag von Theobald Kerner. Der Frage „Muss Knast anders werden?“ widmet sich eine Veranstaltung mit Joe Bausch am 17. September im Asperger Keltensaal. Der als Pathologe Dr. Joseph Roth im Kölner Tatort bekannte Schauspieler Joe Bausch ist hauptberuflich Gefängnisarzt in Werl und hat 2012 das Buch „Knast“ veröffentlicht.

Die vom Haus der Geschichte Baden-Württemberg eingerichtete Dauerausstellung im Museum widmet sich in eindrucksvoll inszenierten Räumen mit 23 Biografien den Gefangenen auf dem Hohenasperg, ihren Schicksalen und ihrer Zeit.

Der Eintrittspreis für das Museum beträgt 4 Euro (ermäßigt 2 Euro), Kinder und Jugendliche sind frei.

Die Öffnungszeiten (26. März bis 5. November 2017) des Hohenasperg Museums: donnerstags bis sonntags 10 bis 18 Uhr.

Wegen Bauarbeiten auf dem Hohenasperg ist der Zugang zum Museum bis zum 30. April 2017 an Werktagen eingeschränkt: Einzelpersonen können donnerstags und freitags nur zwischen 12 und 16 Uhr zum Museum gelangen. An Wochenenden hat das Museum regulär von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Weitere Informationen zum Museum und den Veranstaltungen finden sich im Internet unter
externer Link www.hohenasperg-museum.de