Der Amerikanische Bürgerkrieg (Sezessionskrieg) 1861 - 1865
Übersicht
Der Amerikanische Bürgerkrieg (Sezessionskrieg) 1861 – 1865 fand zwischen den Nordstaaten (Union) unter Präsident
Abraham Lincoln und den aus der Union ausgetrenenen Südstaaten (Konföderierte Staaten, Konföderation) unter Präsident
Jefferson Davis statt. Er endete mit dem Sieg der Nordstaaten, mit der Wiederherstellung der staatlichen Einheit der USA und mit der Befreiung der schwarzen Sklaven. 620.000 Soldaten verloren ihr Leben.
1 Unterschiedliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Verhältnisse im Norden und Süden der USA
Wirtschaft und Gesellschaft im Norden und Süden der USA waren sehr unterschiedlich. Während im Norden kleine Farmer und Arbeiter vorherrschten und im Laufe des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung immer stärkere Fortschritte machte, blieb der Süden landwirtschaftlich ausgerichtet. Die dortige Plantagenwirtschaft, die von einer Pflanzeraristokratie beherrscht (
Fotos zur Pflanzerarsistokratie) und von Sklaven als billigen Arbeitskräften betrieben wurde, produzierte Baumwolle, Tabak und Zuckerrohr hauptsächlich für den Norden und für den Export. Die englische Textilindustrie war als Abnehmer der Baumwolle besonders wichtig (Transatlantischer Dreieckshandel
Karte,
Text). Der Süden beruhte im Kern auf Sklavenwirtschaft, daneben existierten arme weiße Bauern und Tagelöhner, die aber das Sklavensystem befürworteten. Er war Absatzmarkt für im Norden erzeugte industrielle Güter.
2 Übergewicht des Nordens
Im Norden wurde die Kritik an der Sklaverei immer stärker. 1803 erwarben die USA durch Kauf von Frankreich Louisiana (Louisiana Purchase
Karte,
Text), ein riesiges Gebiet westlich des Mississippi, nicht zu verwechseln mit dem Gebiet des heutigen gleichnamigen Bundesstaats. Im
Missouri- Kompromiss von 1820 wurde für diese Landmasse eine Linie festgelegt (nördlicher Breitengrad 36° 30'), von der ab im Norden die Sklaverei verboten war. Durch die weitere Ausdehnung der USA nach Westen verschob sich das Gewicht zwischen dem sklavenfreien Norden und den Sklaven haltenden Südstaaten zu Ungunsten letzterer immer weiter.
3 Der Austritt des Südens aus der Union (Sezession)
1860 wurde
Abraham Lincoln, der Kandidat der
Republikanischen Partei, die sich gegen die Sklaverei wandte, zum Präsidenten der USA gewählt. Das führte zum Austritt der Südstaaten aus der Union (Sezession), die die Konföderierten Staaten von Amerika bildeten. Deren Präsident wurde
Jefferson Davis. Sie verstanden die Union als freiwilligen Zusammenschluss, den man aufkündigen konnte, wenn die Situation das erforderte.
Da der Norden diese Rechtsauffasung und die Sezession des Südens nicht akzeptieren wollte, kam es zum Bürgerkrieg. Kriegsziel des Nordens war es, die Sezession rückgängig zu machen und die Anerkennung der US- Verfassung, wie sie sie verstanden, zu garantieren. Erst im September 1862 verkündete Lincoln die Emanzipation der Sklaven. Ab 1. Januar 1863 sollten demnach alle Sklaven in den Südstaaten „auf immer frei” sein. Die Sklavenbefreiung war die Konsequenz aus den freiheitlichen Grundsätzen der amerikanischen Verfassung.
4 Kriegsverlauf
Die Feindseligkeiten begannen mit dem erfolgreichen Angriff der Südstaaten auf Fort Sumter am 12. April 1861 (
Karte Bürgerkrieg). Weitere Anfangserfolge der Südstaaten folgten. Auf Dauer machte sich aber die Überlegenheit des Nordens an Bevölkerung und Wirtschaftskraft bemerkbar. Die Schlacht von Gettysburg vom 1. – 4. Juli 1863 leitete die Wende im Bürgerkrieg ein. Nach weiteren Erfolgen des Nordens (Fall von Vicksburg Juli 1863, Schlacht von Chattanooga 1863) mussten die Südstaaten unter General
Robert Edward Lee am 9. April 1865 in Appomattox Court House gegenüber dem Nordstaaten- General
Ulysses S. Grant kapitulieren. Am 23. Juni 1865 kapitulierten in Texas die letzten Konföderierten.
5 Das Ende der Sklaverei
Obwohl die Sklavenbefreiung am Anfang nicht im Mittelpunkt des Konflikts gestanden hatte, wurde sie im Verlauf des Konfliktes wichtiger. Immer mehr geflohene Schwarze kämpften in den Reihen der Union, insgesamt etwa 186.000 Soldaten. Mit der Befreiung der Sklaven konnte auch die Rüstungsindustrie der Südstaaten getroffen werden. Der rechtliche Status der Sklaven blieb anfangs aber noch ungeklärt. Erst in der
Emanzipationserklärung von 1862 (ehemalige Sklaven „auf immer frei“) und dann im
13. Zusatz (Amendment) zur US- Verfassung von 1865 (Abschaffung der Slaverei im gesamten Staatsgebiet der USA) wurde eine grundsätzliche Entscheidung zugunsten der Freiheit der ehemaligen Sklaven getroffen. Der
14. Zusatz zur Verfassung, der 1868 ratifiziert wurde, brachte eine Gleichbehandlungsklausel, das Recht auf ein ordentliches Gerichtsverfahren in den Bundesstaaten und legte die Grundlagen des Staatsbürgerschaftsrechts. Der
15. Zusatzartikel von 1870 verbot Rassenbeschränkungen bei den Wahlen.
Der Traum der Afroamerikaner von der völligen Gleichbehandlung wurde dennoch im 19. Jahrhundert noch nicht wahr. Das Urteil des Obersten Gerichtshof im Fall
Plessy gegen Ferguson von 1896 bestätigte durch die Formel "separate but equal" die Rassentrennung, die erst in den 1960er Jahren durch die
amerikanische Bürgerrechtsbewegung entscheidend durchbrochen werden konnte. Seither verbesserte sich die Situation noch weiter. Mit
Barack Obama wurde 2009 der erste nicht weiße Präsident der USA gewählt.
6 Reconstruction
Die Wiedereingliederung des Südens in die USA (Phase der „
Reconstruction“) dauerte bis 1877. Am Ende hatten sich die USA aber insgesamt gewandelt. Neben der in der Verfassung verankerten Sklavenbefreiung wurde die Macht des Bundes gegenüber den Einzelstaaten gestärkt, zum Beispiel durch eine erweiterte Zuständigkeit der Bundesgerichte. Die politische Vorherrschaft des Nordens wurde ausgebaut und die Macht der republikanischen Partei gefestigt. 1877 endete die Reconstruction.