Projektbeschreibung
Grundlagen
Kinder der Haupt- und Realschulen in den Klassen 5 und 6 können zukünftig gemeinsam unterrichtet werden. Ein entsprechender Modellversuch an 18 Standorten startete zum Schuljahr 2009/10. Der Schulversuch wird vom Landesinstitut für Schulentwicklung (LS) begleitet und ausgewertet. Die für den Modellversuch relevanten Teile der Rede vom damaligen Kultusminister Helmut Rau auf der Didacta 2008 können Sie im Folgenden nachlesen.Den vollständigen Redetext können Sie
Auszüge aus der Rede von Kultusminister Helmut Rau
…… „Bildungspolitische Schwerpunkte in Baden-Württemberg“ lautet mein Thema und wir haben vereinbart, dass ich dabei in der mir zur Verfügung stehenden Zeit einen Schwer punkt auf Fragen der Schulentwicklung, insbesondere der Zusammenarbeit von Haupschule und Realschule setzen werde……….……Rückläufige Schülerzahlen an den Hauptschulen sind das eine, was ich akzeptiere. Wichtiger ist jedoch, dass in den vergangenen Jahren immer mehr Schulabsolventen auf unterschiedlichen Wegen über alle allgemein bildenden Schulen und über die beruflichen Schulen höhere Abschlüsse erreicht haben. Das ist eine Erfolgsgeschichte! Da macht uns kein Land etwas vor! Uns ist es ernst mit den Aufstiegschancen auf allen Bildungswegen!
………Hier wollen wir nun etwas Neues beginnen: Im Rahmen eines Modellversuchs sollen sich Hauptschulen und Realschulen als Kooperationsschulen zusammentun und damit Kinder in den Klassen 5 und 6 gemeinsam unterrichten können: entweder indem Kindern aus dem Hauptschulbereich der Besuch des Realschulunterrichts in den Kernfächern Deutsch, Englisch und Mathematik offen steht oder sogar, indem in allen Fächern gemeinsam unterrichtet wird.
Das ist qualitativ ein großer Schritt in der Schulentwicklung und er muss mit großer Ernsthaftigkeit gegangen werden. Wir wollen auch bewusst zwei unterschiedliche Konzepte der intensiveren Kooperation ermöglichen, damit unterschiedliche Erfahrungen den Schulen und uns Orientierung geben. An den kooperierenden Schulen wird es liegen, ob sie eher die Einrichtung von
Mit dem Konzept der Niveaukurse können Hauptschüler bei vorhandener Eignung auch den Unterricht an der Realschule in einem, zwei oder allen Kernfächern besuchen und so testen, ob ein Wechsel der Schulart für sie wirklich zu schaffen ist.
Im teilintegrativen Unterricht werden die Schülerinnen mit Hauptschulempfehlung und mit Realschulempfehlung in der 5. und 6. Klasse gemeinsam den gleichen Unterricht besuchen. Dafür wurde vom Landesinstitut für Schulentwicklung ein gemeinsamer Kernplan mit differenzierenden Zusätzen auf der Grundlage der geltenden Bildungsstandards Hauptschule und Realschule erarbeitet.
…… Die Bildungsplangrundlagen für den Modellversuch sind bereits fertig gestellt. Im Mai werden die Information und die Ausschreibung an die Schulen erfolgen. Wir werden dann den Schulen Zeit geben, damit sie sich selbst gründlich informieren, austauschen und vorbereiten können. Besonders wichtig ist mir eine umfassende Information der Eltern, damit Chancen deutlich werden und eine fundierte Entscheidung für Kooperationsklassen getroffen werden kann.
Das Schuljahr 2008/09 ist für diese Vorbereitung vorgesehen, der Kooperationsunterricht wird im Schuljahr 2009/2010 starten.
Organisatorisch werden diese Erprobungen sicherlich mit dem geringsten Aufwand da zu verwirklichen sein, wo wir bereits Schulverbünde haben. Doch wollen wir die Möglichkeit des gemeinsamen Unterrichts generell auch Schulen eröffnen, die räumlich nicht direkt beieinander liegen. So wird keine Region des Landes aus dieser Entwicklung ausgenommen.
………Die Teilnahme an dem Modellversuch setzt dann eine enge Abstimmung der Schulen mit Ihnen als Schulträger und Ihre Mitwirkung voraus – wir werden dies in den Ausschreibungsunterlagen entsprechend deutlich machen.
Ich will aber deutlich sagen, dass es nicht zu einer Rückabwicklung der Realschulen in die Hauptschule kommt. Dazu sind unsere Realschulen mit ihrem Bildungskonzept zu erfolgreich und sie funktionieren nur ab einer bestimmten Größe. Realschülerinnen und Realschüler in kleiner Zahl an die vielen Hauptschulen zu verteilen wäre kein zielführendes Konzept – weder wenn es um die Qualität des Bildungsangebots, noch wenn es um den Erhalt gefährdeter Schulstandorte geht. Ziel der Erprobung ist, die bisherige Kooperation qualitativ auszuweiten und verschiedene Bildungswege offen zu halten.
Genauso wichtig ist es zu erproben, wie es gelingen kann, die schwächeren Schülerinnen und Schüler der Hauptschulen auch in den künftig gemischten Klassen erfolgreich zu fördern.
……. Zum einen muss jeder Hauptschüler die Option auf eine mittlere Reife haben, ob an seiner Hauptschule, in der beruflichen Schule oder durch einen Wechsel auf die Realschule. Das wird nur gehen, wenn wir zu Hauptschulstandorten gelangen, die über genügend Schülerinnen und Schüler verfügen, so dass ein solch differenziertes Bildungsangebot organisiert werden kann. Ich bitte, das bei allen Planungen zu Schulstandorten zu berücksichtigen.
……………… Ich halte aber nichts davon, die Illusion zu verbreiten, als ob künftig alle Schülerinnen und Schüler auf jeden Fall die mittlere Reife erwerben. Das ist bildungspolitische Scharlatanerie, mit der nur die Abschlüsse entwertet werden.
Um die Kooperation intensiver voranzubringen, habe ich mit Wirkung vom 15. Februar 2008 die Zuständigkeit und Verantwortlichkeit für Hauptschulen und Realschulen in einem Referat meines Hauses zusammengefasst.
