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Das Internet der Dinge – eine Vorstellung von schülerzentrierten Museumsaktivitäten am Beispiel von Exponaten im Landesmuseum Württemberg (Altes Schloss, Stuttgart)

Bei einem Museumsbesuch sollte idealerweise der Fokus auf dem Museum und dessen Exponaten liegen. Ginge es nur darum, grundsätzlich etwas über das Thema des Museums oder einer speziellen Ausstellung zu erfahren, dann hätte man sich auch in der Schule einen Text durchlesen, einen Videofilm ansehen oder das Internet durchforsten können. Museen leben von ihren Exponaten und dem Rahmen, der ihnen gegeben wird. Daher sollen diese Exponate im Zentrum des Interesses stehen und zum Sprechen gebracht werden.

Allerdings existieren Exponate nicht in Isolation. Sie sind immer Teil eines Netzes anderer Objekte, die aus demselben Kontext stammen. Daher ist auch auf die Beziehung der Objekte untereinander zu achten. Objekte geben sich gegenseitig Bedeutung, verweisen aufeinander. So entsteht das "Internet der Dinge". Obwohl dem Modul ein Besuch im Landesmuseum in Stuttgart zu Grunde liegt, lässt es sich auf jedes andere historische Museum übertragen. Dieses Modul basiert auf einem dreiteiligen Vorgehen: Aktivitäten vor, während und nach einem Museumsbesuch - entsprechend der didaktischen Unterteilung bei der Erarbeitung von Materialien in eine Pre-, While- und Post-Reading-Phase.

Der dreiteilige Gesichtshelm zählt zu den besterhaltenen seiner Art.

Gesichtshelme wie dieser wurden nicht im Kampf, sondern von römischen Reitersoldaten bei Paraden und Turnieren getragen.

Er stammt aus Pfrondorf (Lkr. Calw), 2. Jh. n. Chr.

Landesmuseum Württemberg (Altes Schloss, Stuttgart)


Manche Museen besitzen ein Recht an den ausgestellten Objekten und Bildern davon (bzw. der Ausstellungskonzeption), auch wenn sie von den Besuchern selbst fotografiert wurden. Wenn man in der Schule als Nachbereitung des Museumsbesuchs selbst eine kleine Ausstellung einiger eindrücklicher Exponate gestalten möchte, so könnte man mit Skizzen der Objekte arbeiten. Damit vermeidet man Copyrightprobleme und macht die eigene Ausstellung dadurch sogar kreativer und origineller.


 1. „Draußen vor der Tür“: Aktivitäten vor dem Museumsbesuch

  • Die Schüler und Schülerinnen äußern Vermutungen, was sie im Museum erwartet. Während des Besuchs können sie dann ihre Hypothesen verifizieren.
  • Die Schüler und Schülerinnen überlegen sich, welcher architektonischen Rahmen am besten zu einem Museum solchen Namens passen würde bzw. – so sie bereits wissen, welche Art von Exponaten dort gezeigt werden – in welchem Rahmen sie die Exponate am besten präsentieren würden. Im besuchten Museum gleichen sie dann ihre Ideen mit der realen Lokalität und dem Ausstellungskonzept ab.
  • Die Schüler und Schülerinnen stellen im Voraus Fragen, welche sie vom Museumsbesuch beantwortet haben möchten. Am Ende des Museumsbesuchs bzw. bei dessen Nachbereitung werden diese Fragen und ihre Antworten besprochen.
  • Museum to go: Die Schüler und Schülerinnen sollen Exponate ‚mit nach Hause nehmen‘, indem sie welche a) fotografieren oder b) abzeichnen. Ferner fügen sie ihrem Souvenir eine Beschreibung bei. Ziel ist es, zurück in der Schule eine kleine Dépendance des besuchten Museums in Form einer Mini-Pinnwandausstellung einzurichten. Die Parallelklasse oder Eltern am Elternabend könnten dann eine kurze Führung durch dieses Museum erhalten.
  • Rocky Horror Exhibited Picture Show: Die Schüler und Schülerinnen geben vor dem Besuch ihren größten Befürchtungen Ausdruck („Das wird total langweilig, weil …“.). Nach dem Museumsbesuch wird dann nachgehakt, ob das Museum die Negativerwartungen voll erfüllt hat. Die Schüler und Schülerinnen sollen als Beleg die größte „Sehensunwürdigkeit“ nennen und erklären, warum sie glauben, dass dieses Objekt diesen hart umkämpften Titel verdient.

 

Die keltische Sitzbank von Hochdorf zur Aufbahrung des Toten

Eberdingen-Hochdorf, Lkr. Ludwigsburg, ca. 530 v. Chr.

Landesmuseum Württemberg (Altes Schloss, Stuttgart)


2.  “indoor activities“: Aktivitäten im Museum

Die Schüler und Schülerinnen...

  • ... werden Patinnen und Paten eines Exponats, welches sie entweder besonders beeindruckt oder welches sie für besonders aussagekräftig für die Thematik der Ausstellung halten. Dieses Objekt sollen sie a) fotografieren (in möglichst vorteilhafter oder aussagekräftiger Perspektive) oder b) skizzieren. Skizzieren ist dem reinen Ablichten vorzuziehen, weil man sich viel eingehender mit dem Objekt beschäftigen muss. Zusätzlich sollen die Schüler und Schülerinnen die Objektbeschreibung übernehmen und kurz formulieren, warum sie dieses Objekt beeindruckend finden oder weshalb sie es im Rahmen der Ausstellung für besonders aussagekräftig halten.
  • ... können auch einen Monolog des von ihnen ausgewählten Exponats schreiben, in welchem sich dieses vorstellt: „Ich bin eine Amphore. Ich bin aus Ton … Man verwendete mich, um …“
  • ... stellen dann ihren Mitschülern und -schülerinnen ‚ihre‘ Objekte vor (Schüler führen Schüler). Eine Alternative ist, dass die Schüler und Schülerinnen ihre Objektbeschreibungen / die Monologe der Exponate vorlesen und die Mitschüler und -schülerinnen die dazu passenden Objekte finden müssen.
  • ... wählen sich ein Exponat aus bzw. bekommen von der Lehrkraft eines zugewiesen und sollen nun überlegen, was sie alleine aufgrund dieses einen Objekts über die Herkunftskultur / die Herkunftszeit / die Hersteller / die Künstler usw. sagen können.
  • ... bekommen zwei Exponate genannt und sollen möglichst viele Verbindungen zwischen diesen beiden Exponaten finden (z.B. vom selben Ursprungsort, selber Stil, selbes Material, vergleichbarer Wert für die Forschung, aus selbem Fund, aus selber Werkstatt, ein Objekt wird zur Produktion des anderen gebraucht, usw.).
  • ... schauen sich einen Raum einer chronologisch aufgebauten Ausstellung im Detail an und sollen dann herausfinden, was sich im Vergleich zum Raum (d.h. dem Zeitabschnitt davor) und dem Raum danach (d.h. dem späteren Zeitabschnitt) geändert hat: z.B. vergleichen sie die Römerabteilung mit der der Kelten (‚davor‘) und der der Alemannen (‚danach‘).

Weitere Anregungen:

  • Objektketten erstellen: Wie komme ich von einem Objekt zum anderen (z.B. kommt in der Römer-Abteilung die Weinamphore aus Südfrankreich zum Legionshelm (der stellvertretend für einen Soldaten am Neckar steht) über die ausgestellte antike Landkarte und über die ausgestellten und für den Wein ausgegebenen Münzen)?
  • In Ausstellungen zu einer Person / Persönlichkeit: Das Leben und der soziale Status einer Person sollen aus den Exponaten, die aus ihrem Leben stammen und ihr direkt zugeordnet werden können, rekonstruiert werden: z. B. der soziale Status des ‚Keltenfürsten von Hochdorf‘ wird aus den Grabbeigaben und den Angaben zum Fundort rekonstruiert. Wichtig ist hier, dass jedes Objekt auch der Person zugeordnet wird. Wenn die Schüler und Schülerinnen die Person schon vor dem Museumsbesuch ganz gut kennen (z.B. einen der württembergischen Könige in der Ausstellung zu Württemberg im 19. und frühen 20. Jahrhundert), kann man am Ende fragen, was aus deren Leben in der Ausstellung über sie fehlt. Oder man kann sich überlegen, was sich am Bild, welches die Ausstellung von der Person vermittelt, ändern würde, wenn man eines der Exponate entfernen würde. 
  • Ohne die Texttafeln, computerbasiertes Material oder Videofilme aus der Ausstellung mit einzubeziehen, sollen die Schüler und Schülerinnen (z. B. in Form einer Mindmap) eine Beschreibung der Kultur / der Epoche / des Stils usw. geben, welche / welcher in einem Raum der Ausstellung präsentiert wird.

Die römischen Kaiserbüsten zeigen von links nach rechts:

Augustus, Livia, Tiberius, Germanicus und seinen Sohn Nero Germanici

Landesmuseum Württemberg (Altes Schloss, Stuttgart)


3.  „Hinterher ist man immer klüger?“: Nachbereitung 

  • Zurück in der Schule wird mit Fotos oder besser noch mit Skizzen, die beim Museumsbesuch angefertigt worden sind, eine kleine Dépendance des Museums (an einer Pinnwand) eröffnet.
  • Auf der Webseite der Schule wird über den Museumsbesuch berichtet. Bei Verwendung von Bildmaterial ist auf das Copyright zu achten. Manche Museen besitzen ein Recht an den ausgestellten Objekten und Bildern davon (bzw. der Ausstellungskonzeption), auch wenn sie von den Besuchern selbst fotografiert wurden. Dieses lässt sich dadurch umgehen, dass selbst angefertigte Skizzen verwendet werden.
  • Die Schüler und Schülerinnen erstellen mit Fotos / Skizzen eine Mindmap, welche die Beziehungen unter den Exponaten zum Ausdruck bringt.
  • Die Schüler und Schülerinnen erstellen mit Fotos / Skizzen auf einer Pinnwand oder mit Magneten an der Tafel eine Mindmap, welche die Beziehungen unter den Exponaten zum Ausdruck bringt.
  • Die Schüler und Schülerinnen suchen im Internet nach Museen mit ähnlichen Ausstellungsschwerpunkten und vergleichen diese mit dem besuchten Museum.
  • Die Schüler und Schülerinnen vergleichen die gesehenen Objekte mit denen, die im Schulbuch zu dem Thema abgebildet sind.
  • Für bilinguale Klassen: Die Schüler und Schülerinnen gestalten einen englischen / französischen guide durch die Ausstellung.

Die Vorschläge als pdf-Datei zum Ausdrucken.


Wenn Sie sich einen digitalen Überblick über den Bestand des Landesmuseum Württemberg machen wollen, finden Sie hier den digitalen Katalog.

Außerdem lädt das Landesmuseum Württemberg auch zu virtuellen Rundgängen ein:


Dieses Modul geht auf eine Idee und ein Konzept von Dr. Jan Kulok (SSDL Stuttgart) zurück.