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Karls Feldzug gegen die Sarazenen in Spanien

Wer einen Krieg führt, braucht gute Gründe dazu. Nicht erst in der Gegenwart ist die Legitimation eines Krieges zentral dafür, wie eine kriegerische Auseinandersetzung bewertet wird: Ein Verteidigungskrieg ist leichter zu legitimieren als ein Angriffskrieg - ein Befreiungskrieg wird von der Öffentlichkeit eher akzeptiert als ein Eroberungskrieg. Auch im Frühmittelalter liegen uns für kriegerische Auseinandersetzungen begleitende Erklärungen vor, die - meist im Nachhinein - erklären, begründen und legitimieren sollen, warum es zu einem bestimmten Zeitpunkt zum Krieg kam.

Karl der Große wird in unseren Schulbüchern als erfolgreicher Feldherr dargestellt - seine vielen Kriegszüge gegen die Aquitanier, die Langobarden, die Sachsen, die Bayern und viele mehr haben nicht nur sein Ansehen bei den Franken vermehrt, sondern durch seine Eroberungen wurde auch sein Reich erheblich erweitert.

Das Reich Karls des Großen
Das Reich Karls des Großen
1400x1180 Pixel Foto: wolpertinger/CC-BY-SA-3.0 Quelle

In diesem Modul soll, ausgehend von der offiziellen karolingischen Geschichtsschreibung in den sog. Annales regni Francorum, untersucht werden, wie es zu parallel existierenden und doch voneinander abweichenden Begründungen kam, als Karl der Große im Jahre 778 einen Kriegszug gegen die Sarazenen in Spanien führte: Handelte es sich um einen Religionskrieg? Um einen kreuzzugsähnlichen Befreiungskrieg? Um einen Verteidigungskrieg gegen die bedrohlichen Muslime? Oder um einen Eroberungskrieg? Diese Frage soll mithilfe von mehreren Quellen untersucht werden. Neben der vergleichenden Quellenanalyse vertiefen die Schüler vor allem die Praxis der Urteilsbildung. Abschließend werden die Schüler mit mehreren Forschungsthesen konfrontiert.

Alle folgenden Arbeitsblätter als zip-Datei (0,5 MB)


1. Einstieg: Karl der Große in Spanien - die Tafel von Roncesvalles-Tafel im historischen Kontext

Erinnerungstafel an die Schlacht von Roncesvalles 778
Erinnerungstafel an die Schlacht von Roncesvalles 778
Foto: wivoelke CC-by-sa 3.0 Quelle

778 zieht Karl mit einem Heer aus seinem Reich über die Pyrenäen, belagert die von den Sarazenen beherrschte Stadt Saragossa (Caesaraugusta) und zerstört Pamplona; auf dem Rückweg über die Pyrenäen wird die Nachhut seiner Truppen angegriffen und vernichtet.

Zur Vertiefung: Kartenausschnit mit der spanischen Mark zur Zeit der Karolinger

2. Leitfrage: Mit welcher Begründung lässt sich im Frühmittelalter ein Krieg führen?
Die Schüler stellen verschiedene Hypothesen auf.
Mögliche Ergebnisse: Eroberungskrieg, Verteidigungskrieg, Religionskrieg/Krieg gegen Ungläubige, Unterstützung Verbündeter, Präventivkrieg.

3. Arbeitsphase: Welche Art von Krieg führen die Karolinger in Spanien?
Untersuche eine der Quellen auf Belege für eine der Hypothesen. Berücksichtige auch die Informationen zur Entstehung des Quellentextes.

4. Auswertung in kooperativen 5er-Gruppen: Kategorisierung
Informiert euch gegenseitig über den Inhalt und Entstehungskontext eurer Quellen.
Einigt euch auf eine Kategorisierung: Um welche Art von Krieg handelt es sich?
Wenn ihr euch nicht einigen könnt, solltet ihr erklären, woran das liegt.

5. Urteilsbildung: Ausgewählte Thesen von Prof. Achim Thomas Hack zum Spanienfeldzug Karls
Sucht euch eine These aus, die ihr verteidigen, und/oder eine, die ihr kritisieren möchtet. Diese html-Seite als pdf-Datei zum Download.


Der Tod des Roland
Der Tod des Roland, Jean Fouquet (1420-1480)
Wikimedia Commons by Jean Fouquet

Differenzierung: Rolandslied
Untersuche, wie die Geschehnisse auf dem Rückzug im Rolandslied dargestellt werden.
Dazu Achim Thomas Hack, Karl, S. 54: "Die Genese des Roland-Stoffes schließlich zeigt, wie eine zunächst marginale Figur auf dem Spanien-Feldzug im Laufe der (Rezeptions-)Geschichte in das Zentrum des Interesses zu treten vermag. Erst in diesem Stadium wird Karls „spanisches Abenteuer" zur Weltliteratur."
Wie lässt sich Rolands Sonderstellung im Nachhinein erklären?