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Differenzierte Leistungsbewertung im kompetenzorientierten Geschichtsunterricht: das Beispiel Weimarer Republik

Sachanalyse

Im Zuge des kompetenzorientierten Geschichtsunterrichts kam es auch zur Etablierung offener Diagnoseverfahren, wie sie sich im Einsatz von Lernberichten, Portfolioarbeit und Themenmappen widerspiegeln. Innerhalb dieser Formate ist leistungs- und motivationsbezogene Differenzierung vielfältig möglich. Dies kann jedoch nicht über den Umstand hinwegtäuschen, dass die summative Lernzielkontrolle, auch Klassenarbeit genannt, nach wie vor das Hauptdiagnoseverfahren zur Leistungsbewertung im Geschichtsunterricht darstellt. Im Folgenden soll der - durchaus experimentell zu verstehende - Versuch unternommen werden, Überlegungen zu entwickeln, wie der Lernstand von Schülerinnen und Schülern über verschiedene Aufgabenformate und Hilfestellungen in leistungsbezogener Differenzierung ermittelt werden kann.

Lernstandsdiagnosebögen bilden die Basis einer differenzierten Lernzielkontrolle, indem ihnen zwei Funktionen zukommen. Zum einen ermöglichen sie den Schülerinnen und Schülern im Sinne eigenverantwortlichen Lernens ihr Können selbst einzuschätzen und machen ggf. Wiederholungsbedarf sichtbar. Zum anderen gewährleisten sie ein hohes Maß an Transparenz, da die Lernenden über die für eine mögliche Lernstandsdiagnose vorausgesetzten Inhalte informiert werden. Sie können daneben selbstverständlich auch eingesetzt werden, ohne in eine Lernstandsdiagnose zu münden, beispielsweise am Ende einer Unterrichtseinheit. Ein Vorteil dabei ist, dass sie neben den Inhalten auch die Kompetenzstufen, die sich (auch) in der Verwendung verschiedener Operatoren zeigen, abbilden können. Um maximalen Profit aus der Verwendung eines solchen Bogens zu ziehen, ist es daher essentiell, die verschiedenen Anforderungsbereiche, welche durch die Operatoren abgebildet werden, mit den Schülerinnen und Schülern kontinuierlich zu trainieren.

In der Lernstandsdiagnose wird die leistungsbezogene Differenzierung durch Einbezug dreier verschiedener Testformate erreicht. Aufgaben zum Anforderungsbereich 1 (Reproduktion) und Anforderungsbereich 2 (Reorganisation und Transfer) können durch die Verwendung der entsprechenden Operatoren leicht differenziert werden. Komplexere Aufgaben, klassischerweise Quellenanalysen, können durch die Bereitstellung von Arbeitshilfen, sogenannten Jokerkarten, entlastet werden. Eine besondere Herausforderung stellt sicherlich die Differenzierung produktorientierter Aufgabenformate dar, welche materialbasiert, historische Basis-Kompetenzen, z.B. Narrativierung, Perspektivenübernahme, etc. abbilden sollen. Hier bietet es sich an, die Binnendifferenzierung im unterschiedlichen Material anzulegen.

Besonders nach einer Lernstandsdiagnose, die differenzierte Leistungsniveaus beinhaltet, sollte eine Schülerreflexion angestrebt werden, da nur so die Selbsteinschätzungsfähigkeit der Lernenden gefördert werden kann. Individuelle Lernprozesse werden dadurch wahrnehmbar.


Umsetzungsvorschlag am Beispiel Weimarer Republik

1. Lernstandsdiagnose durch den Lernenden

Der beigefügte Diagnosebogen orientiert sich einerseits an den Vorgaben des Bildungsplanes und ist andererseits auf die Schwerpunktsetzung der Klassenarbeit konzipiert. Hieraus wird deutlich, dass die Konzeption im Optimalfall bereits vor der Einheit unter Adaption an das entsprechende Lehrbuch stattfinden sollte. Eine Besonderheit des Bogens stellt Item 11 dar, welches auf den Kompetenzbereich Narrativierung von Geschichte und historische Perspektivenübernahme abzielt. Auch hier gilt, dass dieses Aufgabenformat im Unterricht erprobt sein muss, damit die Lernenden wissen, was darunter zu verstehen ist.

AB 1: Lernstandsdiagnose durch den Lernenden als Word.doc  


2. Differenzierte Formate: Operatorendifferenzierung

Im Folgenden wird eine Auswahl möglicher operatorendifferenzierter Aufgabenstellungen geboten, die versucht, die Kernthemen einer Einheit zur Weimarer Republik zu berücksichtigen.

AB 2: Operatorendifferenzierung als Word.doc   


3. Differenzierte Formate: Bereitstellung von Arbeitshilfen

Besonders komplexe, methodische Aufgabenstellungen lassen sich gut durch die Bereitstellung von Arbeitshilfen differenzieren. Die Karten beziehen sich dabei zum einen auf das methodenspezifische Vorgehen, indem den Lernenden die einzelnen Beobachtungsaspekte an die Hand gegeben werden, darüber hinausgehend werden jedoch auch konkrete Auflösungen zu einzelnen Aspekten der Karikatur geboten. So wird gewährleistet, dass auch schwächere Schülerinnen und Schüler zu einer eigenen Beurteilung der Karikatur gelangen können und nicht in Ermangelung historischen Kontextwissens auf der Sachebene verharren

AB 3: Bereitstellung von Arbeitshilfen als Word.doc  


4. Differenzierte Formate: Materialbasierte Differenzierung

Dieses Format beinhaltet eine Quellenanalyse mit anschließendem offenem Aufgabenformat zur historischen Perspektivenübernahme . Während Aufgabe 1 eine deutsche Perspektive zum Versailler Vertrag beinhaltet, fordert Aufgabe 2 die Übernahme einer Fremdperspektive, was materialbasiert durch kurze Darstellungstexte unterstützt wird. Während die Perspektive Frankreichs (niedriges Niveau) durch die - gut nachvollziehbare - unmittelbare Kriegsbetroffenheit bestimmt ist, wird Großbritanniens Haltung (mittleres Niveau) ergänzt um eine politische Dimension. Die US-amerikanische Sichtweise (anspruchsvolles Niveau) erfährt durch ihre ideologisch, politische Differenziertheit den höchsten Anspruchsgrad und ist somit schwierig zu narrativieren.

AB 4: Materialbasierte Differenzierung als Word.doc  


5. Lernstandsdiagnose

Inhalt einer Lernstandsdiagnose sollten die im Unterricht erarbeiteten Schwerpunkte unter Berücksichtigung des Bildungsplanbezugs sein. Der folgende Vorschlag stellt eine mögliche Kombination der oben ausgeführten Formate dar. Sie strebt neben einer breiten thematischen Streuung eine Mischung der drei Anforderungsbereiche an.

AB 5: Lernstandsdiagnose als Word.doc   


6. Formative Beurteilung über Schüler-Reflexionsbogen

Der beigefügte Reflexionsbogen  zielt auf eine Förderung des persönlichen Lernbereichs ab, indem die Schülerinnen und Schüler metakognitiven Strategien ihres Lernens reflektieren. Vorbereitung, Durchführung der Lernstandsdiagnose und etwaige Schwierigkeiten sowie Entwicklung von Strategien zur Verbesserung des Lernens werden hierbei reflektiert. Der Bogen kann selbstverständlich auch in Kooperation mit der Lehrkraft bearbeitet werden, um so eine Rückmeldung bezüglich der Schülerselbsteinschätzung zu erreichen.

AB 6: Schüler-Reflexionsbogen als Word.doc   


Weiterführende Literatur

  • Adamski, Peter: Historisches Lernen diagnostizieren. Lernvoraussetzungen – Lernprozesse – Lernleistungen, Schwalbach/Ts. 2014.
  • Kühberger, Christoph: Leistungsfeststellung im Geschichtsunterricht. Diagnose – Bewertung – Beurteilung, Schwalbach/Ts. 2014.

Alle obigen Arbeitsblätter als  zip-Datei (2,3 MB).