Hier finden Sie Informationen zu den Bildungsplänen im Fach Geschichte, außerdem Unterrichtsmaterialien, Linksammlungen, Werkzeuge zur Eigenrecherche und Hinweise auf außerunterrichtliche Lernorte.

Der 9. November 1918 im Spiegel der Tagespresse

Vor 100 Jahren fand im Deutschen Reich eine Revolution statt. Aus der Monarchie wurde eine Republik. Am 9. November überschlugen sich dann die Ereignisse: Der Kaiser wurde abgedankt und eine neue politische Führung, bestehend aus Sozialdemokraten, übernahm die Regierungsgeschäfte. Ganz eng hängen diese Umwälzungen natürlich mit dem Ende des Kriegs und der Niederlage des Deutschen Reiches zusammen.

Wie wurden diese Veränderungen in der zeitgenössischen Presse dargestellt? Wie haben die Zeitungen berichtet? Und wie haben sie die Veränderungen bewertet? Die Schülerinnen und Schüler sollen in diesem Modul selbst erforschen, wie in verschiedenen Zeitungen bestimmte Einschätzungen über die Situation gegeben wurden. Für dieses Modul wurden Artikel aus einigen repräsentativen Zeitungen ausgewählt, mit denen die Schülerinnen und Schüler arbeiten sollen. Dies ist möglich, weil eine ganze Reihe von Presseerzeugnissen aus der Zeit inzwischen als Digitalisat vorliegt.

Kurz vor Ausrufung der Republik spricht Philipp Scheidemann von einem Fenster der Reichskanzlei aus zur Berliner Bevölkerung

(9. November 1918)

 

Natürlich kann man das Thema auch als Projekt noch weiter fassen und die Schüler selbst in den Zeitungen stöbern lassen. Hierzu ist eine Liste mit Links zu digitalisierten Zeitungen angefügt. Damit ist man auch nicht auf den 9. November beschränkt, sondern kann die Untersuchung auch noch ausweiten, z.B. auf einige markante Ereignisse der Folgezeit. Genannt seien hier nur:

  • die gewaltsamen Ausschreitungen in Berlin am 6. Dezember 1918
  • Sturmangriff auf das Stadtschloss am 24. Dezember 1918
  • die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht im Januar 1919
  • die Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar 1919
  • der Märzaufstand in Berlin ab dem 3. März 1919.

9.11.1918: Philipp Scheidemann ruft auf dem Westbalkon (zweites Fenster nördlich des Portikus) des Reichstages die Republik aus. 

Nach dem Einstieg über zwei ikonische Bilder zur Ausrufung der Republik soll mit den Schülerinnen und Schülern die Frage aufgeworfen werden, wie die Nachricht von der Republikausrufung weiter verbreitet wurde. Sehr schnell werden die Schülerinnen und Schüler darauf kommen, dass es ohne Radio, Fernsehen oder Internet die Presse gewesen sein musste, die im Jahr 1918 zweifellos das wichtigste Medium darstellte.

In der Arbeitsphase werten die Schülerinnen und Schüler die Zeitungsausschnitte aus und versuchen zwischen Ereignisdarstellung und Einschätzungen und Bewertungen andererseits zu unterscheiden. Dadurch kann ein breites Spektrum von Meinungen, ein pluralistisches Meinungsbild zur Situation am 9. November 1918 entstehen.

Mögliche Detailfragen:

  • Wird die Abdankung des Kaisers bzw. die Republik begrüßt?
  • Wo sehen die Berichte und Kommentare die Hauptprobleme, die nun anstehen?
  • Wo werden, wenn überhaupt, Lösungen für diese Probleme vorgeschlagen?
  • Hängt die Einschätzung mit der grundsätzlichen Ausrichtung der Zeitung zusammen?

Im Anschluss können die Schülerinnen und Schüler untersuchen, welche Konzepte durch den Rat der Volksbeauftragten und die erste Weimarer Regierung weiterverfolgt wurden, indem sie diese offen Anfangssituation als Folie für die anstehenden Entscheidungen nehmen.


Unterrichtsdesign:

1. Einstieg: Ausrufung der Republik

Menschenmassen in Berlin – aber wie erfährt die reichsweite Öffentlichkeit hiervon?

Rolle der Zeitungen vor 100 Jahren

Leitfrage: Wie wird der Übergang von der Monarchie zur Republik in den Zeitungen dargestellt?

 

2. Erarbeitung: Zeitungslektüre vom 10.11.1918

Untersuchen Sie die Zeitungsartikel auf ihre Darstellung der politischen Veränderungen.

Alle Zeitungsausschnitte als pdf-Datei zum Ausdrucken.

Detailfragen:

  • Wird die Abdankung des Kaisers bzw. die Republik begrüßt?
  • Wo stellen die Berichte und Kommentare Hauptprobleme dar, die nun anstehen?
  • Wo werden, wenn überhaupt, Lösungen für diese Probleme vorgeschlagen?
  • Hängt die Einschätzung mit der grundsätzlichen Ausrichtung der Zeitung zusammen?

3. Methodik: Fraktur lesen

Fraktur OCR: Anleitung für kostenlose Programme 

4. Vergleichende Präsentation der Ergebnisse

5. Vertiefung: Der politische Ort der Zeitungen (und als pdf-Datei)

"Eine politisch relevante Zeitung, die nicht an eine Partei oder eine parteipolitische Tendenz gebunden gewesen wäre, war im 19. und frühen 20. Jahrhundert kaum denkbar, geschweige denn realisierbar oder verkäuflich." (Ute Daniel)

Untersuche, welche politische Richtung die Zeitungen vertreten.

Die Situation des Berliner Anzeigers/Der roten Fahne ist außerordentlich, wie aus der folgenden Meldung in eigener Sache vom 11.11.1918 hervorgeht.

6. Problematisierung: Der 9.11.1918 – eine Epochenzäsur?

            Von den Zeitgenossen als solche wahrgenommen?

7. Ausblick: Wie geht die Revolutionsregierung mit den anstehenden Problemen um? (Weitere Informationen bei LeMo-dhm)


Differenzierung: Übersicht über weitere digitalisierte Zeitungen