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4.1 Die Werke im Weltkrieg

Mit Beginn des Weltkriegs hatte man beim Luftschiffbau ausgesorgt. Die Aufträge jagten sich nur so. Die Arbeiterzahlen allein des Luftschiffsbaus wuchsen sprunghaft ums 10-fache von 400 bis schließlich 4.000 bei Kriegsende.

Zwei weitere Hallen mussten neben der Doppelhalle von 1909 auf dem Luftschiffgelände erstellt werden und auch die Löwentaler Militärhalle wurde für den Bau von Luftschiffen benutzt.

Vom Einsatz der Luftschiffe erwarteten sich der Graf und eine kriegsbegeisterte Bevölkerung Wunderdinge. Der Graf selbst forderte massiv Flächenbombardements auf gegnerische Städte und kritisierte den zurückhaltenden Einsatz seiner Schiffe. Die Begeisterung drängt selbst noch 1925 in einem Buch des Friedrichshafener Lehrers Mayer durch: "Jubel herrschte in ganz Deutschland, als der schneidige Angriff eines Zeppelins auf Lüttich bekannt wurde. Luftkreuzer verfolgten die aus dem Elsaß abziehenden Franzosen und bewarfen sie wirksam mit Bomben. Im September 1914 wurde eine große Fernerkundigung gegen Boulogne unternommen. Am 20. März 1915 glückte der erste groß angelegte Angriff auf Paris, seine Wirkung war nicht gering. Ebenso hatte auch der Angriff am 31. Mai 1915 auf London vollen Erfolg, nachdem schon mehrere Vorstöße gegen die englischen Häfen vorausgegangen waren."

Dass diese auf andere herabgewünschten Bomben auch einmal auf einen selbst fallen konnten, zog man damals wie später ungern in seine Überlegungen ein. Die Bombenabwürfe durch einen französischen Flieger 1914 auf Friedrichshafen ernüchterten zwar die Gemüter etwas, aber offenbar vergaß und vergisst man solche Erfahrungen rasch wieder.

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich allerdings längst herausgestellt, dass die Zeppeline im Landkrieg nicht mehr eingesetzt werden konnten, da die gegnerischen Luftabwehrmaßnahmen ihnen kaum noch eine Chance ließen. Bis Kriegsende wurden die Schiffe jedoch von der Marine zu Aufklärungszwecken eingesetzt. Über 50 Zeppeline wurden im Krieg allein für sie gebaut und von ihr eingesetzt. Die Schlussbilanz des Krieges: Von über 70 insgesamt im Einsatz befindlichen Schiffen fielen 35 feindlichen Angriffen zum Opfer, 19 verunglückten ohne Feindeinwirkungen, 13 wurden abgewrackt und die übrigen 7 mussten nach dem Krieg an die Sieger abgeliefert werden.

Verdient hat der Luftschiffbau am Krieg immens. Das lässt der Verlauf der Gewinnkurve, der nur den Reingewinn nach allen Abzügen angibt, nicht ausreichend erkennen. 1915 konnten bereits dem Grafen Zeppelin 1 Million für all seine Aufwendungen und eingebrachten Erfahrungen vor Gründung der GmbH ausgezahlt werden. 1916 wurden alle Produktionsanlagen auf 1 Mark Buchwert und alle weiteren Investitionen während des Krieges jeweils im gleichen Jahr voll abgeschrieben. Außerdem wurden bereits Rücklagen für die Produktionsumstellungen nach dem Krieg angelegt. Dass der Luftschiffbau nach dem Krieg überhaupt überleben konnte, ist nur den Investitionen und Materialbeschaffungen während des Krieges zugeschrieben, mit denen noch jahrelang weiterproduziert werden konnte. Im übrigen waren die Gewinne des Luftschiffbaus kein Einzelfall. Daimler etwa zahlte 1916 Dividenden in Höhe seines gesamten Aktenkapitals an seine Aktionäre aus.

"Das Reich bezahlt alles", hieß es, aber es bezahlte auf Pump und in Hoffnung auf den Sieg und als der nicht eintrat, hatten mit der Inflation alle, auch die Friedrichshafener die Folgen dieses Krieges und dieser Kriegsfinanzierungspolitik zu bezahlen.

Der Graf als Militär setzte freilich voll auf den Sieg. Er ging in seinen letzten Lebensjahren (er starb 1917) ganz in seinen Eroberungsplänen auf. Seine lauthals geäußerten Annexionsforderungen nach ganz Belgien und Teilen von Frankreich gingen schließlich selbst der Reichskanzlei zu weit, so dass er 1916 eine Erklärung unterschreiben musste, dass er keine Äußerungen zu Kriegsfragen mehr öffentlich abgeben werde, die nicht die Zensur des Kanzlers passiert hätten.

Seine Luftschiffe interessierten ihn zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr. Da er wohl eingesehen hatte, dass die Zeppeline als Angriffswaffe bald überholt sein sollten, konzentrierte er sich nun ganz auf den Flugzeugbau. Mehrfach äußerte er zu Dornier und Maybach, ihm sei gleichgültig, was aus seinen Luftschiffen werde.

Schon in den ersten Kriegstagen hatte er vom Luftschiffbau gefordert, den Bau von Riesenflugzeugen aufzunehmen, mit denen er Riesenbomben in englische Häfen werfen wollte, um sämtliche Schiffswände einzudrücken. Der Gedanke war irrig, weil der Druck auf kürzestem Wege, also nach oben, entweicht. Dennoch wurden die Riesenflugzeuge gebaut, aber nicht in Friedrichshafen, sondern zunächst in Gotha, dann ab 1915 in der Flugzeugwerft Berlin-Staaken. Insgesamt entstanden dort etwa 50 Flugzeuge.

Gleichzeitig mit dem Beginn des sogenannten R-Flugzeugbaus erhielt Claude Dornier von Zeppelin den Auftrag, ein Wasserflugzeug größeren Ausmaßes ebenfalls für den Bombenabwurf zu bauen. Dornier war bis dahin schon einige Jahre mit dem Bau eines Stahlluftschiffes für eine Amerika-Fahrt befasst, für das sehr große Mittel aufgewendet wurden, das aber bei Kriegsbeginn aufgegeben werden musste. Zum Bau der Flugboote Dorniers wurden dann in Seemoos eine Halle und Werkstatt errichtet, wegen des Arbeitermangels in Friedrichshafen aber das Hauptwerk nach Reutin bei Lindau verlegt. Die "Abteilung Flugzeugbau des Luftschiffbaus Zeppelin" erhielt deshalb bei ihrer Ausgliederung auch zunächst den Namen "Zeppelin-Werk Lindau GmbH". Mehr als einige Prototypen der Flugboote konnten jedoch während des Krieges nicht mehr gebaut werden.

Daneben produzierte in Manzell die Flugzeugbau Friedrichshafen GmbH ihre Wasser- und ab 1918 auch Landgroßflugzeuge. Ein Drittel der gesamten deutschen Flugzeugproduktion des 1. Weltkrieges soll hier entstanden sein. Das Wachstum dieses Werkes übertraf das des Luftschiffbaus noch. 3000 Beschäftigte zählte das Werk bei Kriegsende, in dem bei Kriegsbeginn nur 100 arbeiteten. Ein Neu- und Umbau folgte dem anderen dann auf dem Werksgelände während des Krieges. Die alte Luftschiffhalle von 1904 brannte 1918 ab, so dass nun nichts mehr an die Anfänge des Luftschiffbaus in der Bucht erinnerte.

In ähnliche Zahlendimensionen wie der Flugzeugbau stieß mit seinen Beschäftigten der Motorenbau, dessen Firmenbezeichnung 1918 der Name Maybach vorangestellt wurde. Dies war die zwangsläufige Folge der enorm gestiegenen Luftschiff- und Flugzeugproduktion im Umfeld des Konzerns, die mit Motoren versorgt werden musste.

Die Probleme mit der Kraftübertragung des Motors auf die Propeller hatten schon früh zu Verbesserungsversuchen und um 1910 zur Gründung einer Versuchsabteilung für diese Gebiete geführt. Ein in der Schweiz entwickeltes Verfahren brachte hier die Lösung und 1915 kam es zusammen mit der Züricher Firma Maag zur Gründung einer konzerneigenen Zahnradfabrik.

1916 wurde in provisorischen Holzbauten bei Löwental die Produktion aufgenommen. Mit wachsender Nachfrage vor allem für den Flugzeugbau wuchs auch diese neue Tochterfirma auf 400 Beschäftigte an und bezog noch ein neues Fabrikationsgebäude kurz vor Kriegsende. Allerdings kam diese Firmengründung zu spät, um noch an den Kriegsgewinnen teilhaben zu können. Sie kam deshalb nach dem Krieg in große Schwierigkeiten. Dennoch hat dieser letzte Zweig am Konzernbaum schließlich im alten Stiftungszusammenhang bis heute am besten überlebt.