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Material

Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica), ein Neophyt
Japanischer Staudenknöterich (Reynoutria japonica), ein Neophyt

Neue Tiere und Pflanzen in der heimischen Natur

Die Einführung von verwildernden Tieren in Australien und Neuseeland ist hinlänglich bekannt. Hier soll aber die Einwanderung von Tieren und Pflanzen in der Natur in Deutschland vorgestellt werden. Einigermaßen bekannt sind noch die Einwanderung von "Schädlingen", z.B. vom Kartoffelkäfer, von der San-José-Schildlaus und der Reblaus, alle aus Nordamerika.

Definitionsgemäß sind "neue" Tiere (=Neozoa) und Pflanzen (=Neophyta) in der heimischen Natur wild lebende Arten, die nach 1492 (Entdeckung Amerikas) eingewandert sind. Als "wild lebend" bezeichnet man Arten, die seit wenigstens 25 Jahren und/oder seit 3 Generationen in der Natur frei lebend existieren. Der Fasan bspw. wurde schon im Mittelalter eingeführt und ist deswegen kein Neozoon.

Solche Einwanderer müssen sich in stabilen Lebensgemeinschaften behaupten, Voraussetzung für eine erfolgreiche Einwanderung sind daher:

  • Anpassungsfähigkeit, d.h. breite Reaktionsnorm
  • Hohe Vermehrungskapazität
  • Hohe Verbreitungsfähigkeit

Tendenziell drängen so euryöke eingewanderte Arten stenöke heimische Arten zurück und führen damit zu einem Rückgang der Biodiversität. Eine hohe Biodiversität wird dabei durch eine hohe Anzahl von standorttypischen Arten charakterisiert und nicht durch eine Maximierung der Artenzahl überhaupt. Schließlich scheint es eine allgemeine Tendenz zu sein, dass sich Neophyten und Neozoen v.a. in anthropogen gestörten Lebensräumen ausbreiten.

In Deutschland sind 18% (400 Arten) der Flora Neophyten (insgesamt 2147 Arten): Von der Gesamtheit der eingeführten Pflanzen (ca. 12 000 Arten) konnten sich damit ca. 2% dauerhaft etablieren (der Anteil an der Fauna beträgt ca. 0,4%).

Unbeabsichtigte Einschleppung

Häufig werden Pflanzen und Tiere zusammen mit Handelsgut verbreitet, so die oben erwähnten "Schädlinge". Schiffe transportieren blinde Passagiere mit dem Ballastwasser, z.B. die Wollhandkrabbe, als Aufwuchs an der Bordwand gelangte die Dreikantmuschel aus dem Baltikum in die Ostsee. Verkehrswege wie Bahnhöfe, Gleisanlagen, Straßen und Flughäfen sind Einfallspforten, z.B. für die Kanadische Goldrute (Solidago canadensis). Andere auffällige Pflanzen sind das Indische Springkraut (Impatiens glanduliflora) und aber auch das Kleinblütige Springkraut (Impatiens parviflora).

Beabsichtigte Einbürgerung

Einige Bäume sind auf diese Weise nach Deutschland gelangt, z.B. die Douglasie (Pseudotsuga menziesii) und die Robinie (Robinia pseudoacacia). Auch die späte Traubenkirsche (Prunus serotina) wurde aus forstlichen Gründen in vielen Ländern Mitteleuropas angebaut. Der einheimische Wildbestand wurde durch Einbürgerung von Mufflon und Damhirsch "bereichert", meist durch Revierinhaber oder Jagdgemeinschaften. Angler und Fischer führten die Regenbogenforelle, den Zander und den Amerikanischen Flusskrebs ein. Zwergwels (Ictalurus nebulosus) und Goldfisch (Carassius auratus) wurden aus privaten Aquarien ausgesetzt.

Einschätzung

In einer kleinen Umfrage an die Bundesregierung wurden folgende Einschätzungen gegeben:

"Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass von den 26 % in Deutschland vorkommenden einheimischen und archäophytischen Arten, die der Kategorie "ausgestorben oder gefährdet" zugeordnet werden, 43 Pflanzenarten vom Gefährdungsfaktor "Einführung von Exoten" betroffen sind. ..."

"Von den 300 in Deutschland vorhandenen Arten, die auf bewirtschafteten Flächen als Unkräuter von Bedeutung sind, sind etwa 10 % als neophytische Arten einzustufen. Genaue Erhebungen, in welchem Ausmaß sich diese seit ihrer Einschleppung bzw. seit den letzten 10 Jahren ausgebreitet haben, liegen derzeit nicht vor."

Quelle: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Cajus Caesar, Axel E. Fischer u.a. und der Fraktion der CDU/CSU "Bedrohung heimischer Biotope durch Invasionspflanzen" vom 05.12.2000 (BT-Drucks. 14/4559 und 14/4879).