Optisches Museum, Oberkochen

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Wie das Mercedes-Benz Museum in Stuttgart ist auch das Optische Museum, Oberkochen ein Firmenmuseum - ein Museum der Carl Zeiss AG.
Ein weiteres Museum ähnlicher Art gibt es auch noch in Jena / Thüringen.

Das Optische Museum ist im Hochhaus der Carl Zeiss Werke in Oberkochen (Ostalbkreis) zu finden.
Im Foyer rechts geben zunächst einige Exponate einen Einblick in die Tätigkeitsfelder der Carl Zeiss AG heute, bevor man in den eigentlichen Museumsbereich gelangt, der vor allem historische optische Exponate zeigt.


Das eigentliche Museum

Brillen

Die Erfindung der Brille wurde wahrscheinlich eher zufällig gemacht. Lichtdurchlässige, kugelförmige Materialien kommen schon in der Natur vor. Irgend jemand hat dabei entdeckt, dass Dinge vergrößert werden, wenn man einen solchen "Lesestein" (Beryllus) auf einen Gegenstand legt. Das ist - im Prinzip - die Funktion einer Lupe.

reich verzierte Monokel

In Oberkochen sind zahlreiche Sehhilfen ausgestellt, die man im weitesten Sinne als "Brillen" bezeichnen könnte:

  • Monokel, (mono - eins , oculus - das Auge)
    Linsen, die man vor ein Auge hält, um etwas damit genauer betrachten zu können
  • Scherenbrillen,
    sie erinnern der Form nach an eine Schere, bei der die Öffnungen, durch die man bei der richtigen Schere Daumen und Zeigefinger führt, mit Linsen gefüllt sind.
  • Zwicker,
    zwei durch einen Metallbügel verbundene Brillengläser die man sich auf die Nase klemmte (=zwickte).
  • Brillen,
    die mit Bügel hinter dem Ohr gehalten werden, gibt es erst seit weniger als 100 Jahren.

Die Ausstellung in Oberkochen zeigt auch reich verzierte Brillen, bei denen die Fassung die gesellschaftliche Stellung des Trägers unterstrich. So war es früher in Japan "in" eine Brille zu tragen um so gebildeter und intellektueller zu wirken, auch wenn die Brillengläser nur aus "Fensterglas" und ohne jede Wirkung waren.

Auch ganz besondere Brillen gibt es in Oberkochen zu sehen:
die Brille des Dichters Eduard Mörike, die Brille von Kaiser Franz Josef von Österreich und eine Scherenbrille des französischen Politikers Kardinal Richelieu sind besondere und wertvolle Exponate.

Brille von Kaiser Franz Josef
Brillen mit mehreren Linsen

Die Ausstellung zeigt auch Brillen, bei denen die Brennweite durch Herunterklappen einer zweiten Linse verändert werden konnte, und frühe Bifokalbrillen, die Vorgänger der heutigen Gleitsichtbrillen.

Die Carl Zeiss AG hat sich aus dem Brillengeschäft zeitweise ziemlich zurückgezogen. Heute werden aber wieder Brillengläser von Zeiss in Aalen (Ostalbkreis) produziert.

Operngläser und Fernrohre

Ordnet man zwei Linsen nicht nebeneinander sondern hintereinander an, so erhält man ein Fernrohr.
Man unterscheidet terrestrische Fernrohre und astronomische Fernrohre.

  • Terrestrische Fernrohre verwenden eine Zerstreuungslinse als Objektivlinse.
    Deren virtuelles (aufrechtes, seitenrichtiges) Bild wird mit einer Sammellinse als Lupe betrachtet.
    Das Bild ist also aufrecht.
    Durch die Kombination von Zerstreuungs- und Sammellinse ist die Vergrößerung nicht besonders üppig. Dafür ist ein solches Fernrohr aber sehr kompakt und kann in der Hand gehalten werden.
    Solche Fernrohre werden vor allem als Operngläser verwendet.
  • Astronomische oder Kepler-Fernrohre verwenden eine Sammellinse als Objektivlinse.
    Sie erzeugt ein vergrößertes, reelles (auf dem Kopf, seitenverkehrtes) Bild. Dieses Bild wird mit einer zweiten Sammellinse als Lupe betrachtet.
    Diese Fernrohre vergrößern stark, benötigen aber einen langen Tubus und haben den Nachteil, dass das Bild auf dem Kopf steht, was in der Astronomie aber wenig stört.
verschiedene Fernrohre

Solche Fernrohre lassen sich handlicher machen, indem man den langen Tubus durch mehrfaches Umlenken in Umlenkprismen verkürzt, dabei kann man u.U. sogar das Bild seitenrichtig machen. Es entsteht so ein Fernglas, das seine Anwendung in der Naturbeobachtung, der Jagd und im militärischen Bereich hat.

Bei Ferngläsern wackelt das Bild relativ stark, weil schon geringe Bewegungen der Hand das Bild stark verschieben. Im Optischen Museum, Oberkochen ist ein Fernglas ausgestellt, bei dem die Elemente - rein mechanisch - einen Ausgleich gegen Verwackeln schaffen, so dass ein ruhiges Bild entsteht.

Sextanten, Seefahrt und Vermessungstechnik

Hier sollte noch was rein.....

Mikroskope

frühes Mikroskop von Zeiss

Carl Zeiss betrieb um 1846 in der thüringischen Universitätsstadt Jena eine mechanisch-optische Werkstätte und hatte sich als Hersteller von Mikroskopen einen Namen gemacht. Linsen mit genau geforderten Eigenschaften herzustellen, war damals aber schwierig. Es fehlte an genügenden mathematischen und physikalischen Kenntnissen und an der Möglichkeit, Gläser mit entsprechenden genauen optischen Eigenschaften herstellen zu können.
Erst die Kooperation von Carl Zeiss mit dem Physiker und Mathematiker Ernst Abbe und mit dem Glasspezialisten Otto Schott begründete den Weltruf von Zeiss Linsen. So waren lange Zeit auch die Zeiss-Werke eng mit den Glaswerken Schott in Mainz ("Jenaer Glas") verbunden.

Abbe, Zeiss und Schott

Objektive und Kameras

Schnitt durch ein Linsensystem

Zeiss Objektive haben einen Weltruf, was die optische Güte der Linsensystemen anbelangt. Anfangs baute Zeiss auch Kameras, später beschränkte man sich darauf, Linsensysteme für hochwertige Kameras, etwa von Leitz in Wetzlar zu liefern.

Das nebenstehende Bild eines Distagon Mehrlinsensystems zeigt wie komplex solche Systeme sein können.

Auch heute noch kann man hochwertige Zeiss Objektive - sogar in einem Online Shop - kaufen. Die Preise bewegen sich dabei von 700 Euro aufwärts - Qualität hat ihren Preis.

Eine Kooperation von weitreichender Bedeutung bestand auch mit dem schwedischen Kamera Hersteller Hasselblad. Auch die Astronauten, die mit der Apollo 11 erstmals die Mondoberfläche "vor Ort" fotografierten verwendeten eine Hasselblad Kamera mit Zeiss Objektiv.
Die Kameras von dieser Mission können ebenfalls im Optischen Museum in Oberkochen bewundert werden.

Auch in Spiegelreflex Filmkameras der Münchner Firma Arri ("Arriflex") wurden Zeiss Objektive eingesetzt. Damit wurden viele berühmte Filme der Filmgeschichte gedreht.

eine Mondkamera mit Zeiss Objektiv

Tätigkeitsfelder von Zeiss heute

Im Foyer geben zahlreiche Exponate einen Eindruck von den vielfältigen Tätigkeitsfeldern, auf denen sich die Carl Zeiss AG heute engagiert. Dabei werden die unterschiedlichen Anwendungen heute in Oberkochen, in Jena und an anderen Standorten gefertigt.

Forschungs- und Operationsmikroskope

Sie ermöglichen den Chirurgen eine stark vergrößerte Ansicht der Operationsgebietes. Dabei erfolgt die Beleuchtung über Glasfaserleitungen um die Operationsstelle nicht zu sehr zu erwärmen. Moderne Operationsmikroskope lassen sich nicht nur über Fernbedienung in alle Richtungen steuern und zoomen, sondern verfügen teilweise auch über eine Sprachsteuerung, so dass der Operateur z.B. zoomen kann, ohne die Hände vom Operationsbesteck zu nehmen!

Forschungsmikroskope übertragen ihre Bilder über das Internet und sind ebenfalls über das Internet steuerbar. So kann ein Forscher in München ohne Probleme gemeinsam mit einem Kollegen in San Francisco ein Mikroskop fernbedienen, das eigentlich in einem Laboratorium in Australien steht.

modernes Forschungsmikroskop

Planetariumsprojektoren

Der Ruf von Zeiss als Hersteller von Projektoren für Planetarien weltweit ist legendär. Die nach allen Richtungen dreh- und schwenkbaren Projektoren erzeugen dabei ein so realistisches Abbild des Weltraums, dass man damit sogar Astronauten schulen kann.

Lasergestützte Vermessung von Werkstücken

Vermessungsgeräte und Portal-Messgeräte der Firma Zeiss lassen genaueste Vermessung von Werkstücken zu. Dies ist vor allem bei der Produktion von Motorenteilen von großer Bedeutung, wo es auf Werkstückgenauigkeiten im Mikrometerbereich ankommt.

Belichtungsgeräte für die Halbleiterproduktion

Belichtung in der Chipproduktion

Bei der Produktion von Halbleiterchips wird die Struktur der Leiterbahnen von einer entworfenen Maske verkleinert auf die Chips belichtet. Dabei lassen sich heute mit UV Licht der Wellenlänge 193 nm Auflösungen von bis zu 60 nm realisieren. Dies entspricht in etwa 1/1000 der Dicke eines menschlichen Haares!
Dass es dabei auf ganz hochwertige und präzise Optik ankommt, versteht sich von selbst.

Von den 20 wichtigsten und größten Halbleiterproduzenten weltweit arbeiten 16 mit "Wafer-Steppern" der niederländischen Firma ASML (Veldhoven, Niederlande).
Mit diesen Wafer-Steppern ("Wafer" -Waffel) werden die Silizium-Scheiben, auf denen die Chips entstehen, punktgenau belichtet (step- Schritt, Schrittmotor).
Die ASML Systeme setzen dabei Optik von Zeiss ein.
Bei den Belichtungsgeräten für die Chip-Produktion hat Zeiss weltweit einen Anteil von 65% und ist damit Weltmarktführer.
Diese Systeme werden bei Carl Zeiss SMT AG in einem neuen Werk in Oberkochen in eigens dafür gebauten Reinräumen produziert.


Hintergrund: Kurzgeschichte der Carl Zeiss AG.

Gegründet von Otto Schott, Ernst Abbe, Carl Zeiss und Roderich Zeiss als "Glastechnisches Laboratorium Schott und Genossen" im Jahre 1883 in Jena.
Nach dem Tod von Carl Zeiss gründet Ernst Abbe die Carl-Zeiss-Stiftung. Sie ist später Alleininhaberin der Carl-Zeiss-Werke und der Glaswerke Jena.

Nach dem verlorenen zweiten Weltkrieg und der Teilung Deutschlands wurden Teile des Jenaer Werkes als Reparationsleistungen demontiert.
Führende Köpfe der Zeiss Werke gingen in den Westen und wagten in Oberkochen einen Neuanfang. Die Glaswerke Schott produzierten zunächst in Zwiesel (Bayerischer Wald). Später wurde der Firmensitz von "Schott und Gen." (später Schott AG) nach Mainz verlegt.

Eine Zeit lang gab es zwei Carl-Zeiss Werke, eines in Oberkochen (BRD) und eines in Jena (DDR). Sitz der Zeiss-Stiftung wurde Heidenheim, allerdings wurde die Zeiss-Stiftung in Bezug auf die Werke im Osten von der DDR enteignet.
Ein langer internationaler Rechtsstreit um die Namensrechte begann, der 1971 mit dem Kompromiss von London beendet wurde:
Zeiss Oberkochen musste seine Produkte im Osten unter anderem Namen verkaufen, Zeiss Jena seine Produkte im Westen ebenfalls unter anderem Namen vertreiben.

Nach der Wende übernahm die Treuhandanstalt die VEB Carl Zeiss Jena, die in Spitzenzeiten 30.000 Beschäftigte hatte, die Carl Zeiss Jena GmbH entsteht.
Am 11.Juni 1991 entscheidet die Treuhand, dass die Carl Zeiss Jena GmbH neu strukturiert und geteilt wird.
Es entsteht die eigenständige Jenoptik GmbH (später Jenoptik AG) und die neue Carl-Zeiss Jena GmbH, die nun vollständig der Zeiss-Stiftung gehört.
Der frühere Ministerpräsident von Baden-Württemberg, Lothar Späth, übernimmt nach seinem Ausscheiden aus der Politik 1991 die Leitung der Jenoptik, die er 2003 abgibt. Sie schreibt schwarze Zahlen, konnte sogar andere Unternehmen zukaufen, hat aber nur noch etwa 2000 Beschäftigte.

Die Carl-Zeiss Jena GmbH, Zeiss AG Oberkochen und Schott AG gehört zu 100% zur Carl-Zeiss-Stiftung.
Die Jenoptik gehört zu 51% Carl Zeiss Oberkochen und zu einem Teil dem Land Thüringen, sowie weiteren Aktionären.

Weitere Informationen zur Unternehmensgeschichte:
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Zeiss_%28Unternehmen%29#Carl_Zeiss_in_Jena


Adresse, Öffnungszeiten und Eintritt.

Anschrift des Museums:
Optisches Museum
Carl-Zeiss-Straße 22
73447 Oberkochen (Ostalbkreis)
Tel.: +49 7364 20-2878
Fax: +49 7364 20-3370

Öffnungszeiten:

Das Museum ist von Montag bis Freitag von 9 - 17 Uhr geöffnet.

Eintritt:

Der Eintritt ist frei.

Auf Wunsch kann eine Führung durch das Museum organisiert werden.
Weiterhin ist auch eine Werksführung möglich.

Anreise:

Über Aalen oder Heidenheim. Von beiden Bahnhöfen aus fahren Regionalbusse nach Oberkochen.
Die Verbindungen sind allerdings nicht sehr gut. Es empfiehlt sich daher ggf. auch eine Anreise mit eigenem Bus oder mit PKW, sofern die Gruppe nicht zu groß ist.


Pädagogische Empfehlung:

Wenn die Lehrkraft nicht selbst in der Lage ist eine Führung zu machen, sollte man eine Führung unbedingt in Anspruch nehmen. Nur so erfahren Schülerinnen und Schüler wirklich genug über die ausgestellten Exponate, die Physik dahinter und die Highlights der Ausstellung.

Auf alle Fälle sollten die wichtigsten optischen Geräte im Unterricht besprochen worden sein.
Das Museum eignet sich auch sehr gut für einen Besuch mit der Sekundarstufe II.
Gerade die älteren Schülerinnen und Schüler werden sich sicher auch für eine Werksführung und die unterschiedlichen Berufsbilder interessieren.
Diese empfiehlt sich daher sehr, vor allem, wenn man aus größerer Entfernung angereist.


Text und alle Fotos: Grüninger, Landesbildungsserver