Physlets (vorläufig) weiterhin nutzen - mit Internet Explorer 10.


1) Das Problem der Browserentwicklung.

In der Anfangszeit konnten Internet-Browser relativ wenig: sie konnten nur reine HTML Seiten darstellen - Seiten mit Texten, Bildern und Links.
Deshalb wurden ihre Funktionalität nach und nach mit "Plug-Ins" erweitert - Zusatzfunktionen, die z.B. das Einbinden von Videoformaten, von Visual Basic, Flash Animationen und Java Funktionen ermöglichten. Leider wurden diese Plug-Ins zunehmend auch als Einfallstore für Schadsoftware missbraucht. Die Browser Anbieter sind daher in den letzten Jahren dazu übergegangen diese Einfallstore zu schließen, zunächst mit Zertifikaten, aber zunehmend dadurch, dass möglichst gar keine Plug-Ins und Add-Ons mehr unterstützt wurden und nötige Funktionalitäten in die Browser direkt integriert werden sollten. Dies betraf auch das Java-Plug-In (JRE), das von Chrome seit Version 45 (April 2015) und von Firefox seit Version 52 (April 2017) nicht mehr unterstützt wird, Microsoft Edge brachte eine solche Unterstützung nie mit.


2) Warum betrifft das die Physlets?

Vor gut 10 Jahren, als die Physlets aufkamen und ich mit der Entwicklung eigener Physlets für den Landesbildungsserver begann, war diese Entwicklung noch nicht absehbar und es gab auch keine Alternativen.

Unsere Physlets haben im Kern ein Java-Archiv (physlets.jar), das von Wolfgang Christian und Mario Belloni an der Davidson Universität in den USA entwickelt wurde. Sie schrieben damit einerseits eigene Animationen und nutzten sie für die Ausbildung ihrer Studenten. Sie stellten andererseits das Tool als Open Source Produkt im Internet zur Verfügung, so dass auch andere Physiklehrende damit Physik-Animationen erstellen konnten. Das Java-Tool wird dazu mit Javascript-Anweisungen "gefüttert", die dem Tool sagen, was es darstellen soll.
Mehr dazu und zur o.g. Problematik finden Sie hier: http://webphysics.davidson.edu/applets/

Dadurch, dass nun von den meisten Browsern kein Java-Plug-In mehr unterstützt wird, sind Physlets so auf diesen Browsern leider auch nicht mehr lauffähig.
Daran können wir auch nichts ändern, weil das die jeweiligen Browser betrifft und nicht unser Angebot. Dies ist auch nicht vom Betriebssystem abhängig.


3) Ist dies das "Aus" für die Physlets?

Längerfristig wahrscheinlich ja, im Moment noch nicht unbedingt.

Microsoft hat bei der Entwicklung des neuen Browsers Edge gemerkt, dass viele Firmen, vor allem in den USA, immer noch Java-Unterstützung nutzen und brauchen.
Daher wurde dem neuen Windows 10 auch der Internet-Explorer 10 mitgegeben, der allerdings gut versteckt ist, denn die Nutzer sollen sich ja an Edge gewöhnen!
Der Internet Explorer 10 unterstützt Java zumindest so weit, dass die Physlets damit - noch - funktionieren.


4) Wie finde ich den Internet-Explorer in Windows 10?

Eine Möglichkeit den Internet Explorer im System zu finden, ist ein Klick auf das Microsoft Symbol (ganz unten links) mit der rechten Maustaste und dann in "Suchen" den Begriff "Internet Explorer" einzugeben.

Wahrscheinlich findet man ihn in einer üblichen Windows 10 Standardinstallation unter "C:\" im Verzeichnis "Programme (x86)" - oder "Program Files (x86)" und "Internet Explorer" als "iexplore.exe".
Wenn er nicht installiert ist, lässt er sich möglicherweise auch nachträglich noch aus dem Internet herunterladen und dort einspielen.


5) Physlets mit Internet-Explorer 10.

  • Nachdem die aufgerufene Seite des Landesbildungsservers im Internet Explorer zu laden begonnen hat, bekommen Sie evtl. folgende Meldung:

    Java ist veraltet
    Sie können es mit "einmal ausführen" probieren. Manchmal klappt das.


  • Bekommen Sie die Meldung, dass Java nicht mehr aktuell ist, müssen Sie ggf. zunächst die Java-Runtime-Environment aktualisieren, damit der Internet-Explorer überhaupt weiter macht.

    Aufforderung zum Java Update


  • Nun sollte Java im Applet-Fenster der Physikseite laden.
    Java lädt

  • Wenn Sie danach dieses Fenster sehen, klicken Sie auf "Ausführen".

    Fenster Physlets

    Wenn Sie wollen, können Sie auch den Landesbildungsserver (http://www.schule-bw.de) als Ausnahme zulassen, indem Sie in der Checkbox ein Häkchen setzen.


  • Ebenso, wenn Sie anschließend dieses Fenster bekommen, klicken Sie "Zulassen".
    Auch hier können Sie in der Checkbox ein Häkchen setzen, damit das System sich den Landesbildungsserver als Ausnahme merkt.

    Zweite Sicherheitsabfrage


  • Danach tauchen im Applet-Fenster ggf. Linien oder andere Dinge auf. Damit das Applet auch wirklich startet, klicken Sie bitte auf "Applet laden".
    Knopf Applet laden
    Dieser letzte Schritt wurde leider durch das Update unseres Content-Management-Systems notwendig.
    Ein automatisiertes Laden wie in Plone 2 lässt sich bei Plone 5 leider nicht mehr so einfach verwirklichen.
    (Das automatisierte Laden wurde durch ein "onload" im Body-Tag bewirkt, an den wir Autoren so jetzt nicht mehr herankommen).

Dieser "Applet laden" Knopf ist leider noch nicht bei allen Applets implementiert, weil wir beim Relaunch im Mai erst einmal die technischen Möglichkeiten klären wollten.

6) Die Zukunft der Physlets.

Weil die Frage schon von zahlreichen Nutzern gestellt wurde:
Es gibt leider keine Möglichkeit die Physlets einfach mit Hilfe eines Tools auf HTML5 und ausschließlich Javascript umzustellen.
Ich war hierzu auch mit den Entwicklern der Physlet-Tools in Kontakt, um das zu klären.

Javascript (im Gegensatz zu Java) wird auch von allen Browsern weiterhin unterstützt.
Dies ist schon deshalb nötig, weil zahlreiche Funktionalitäten von modernen Webseiten - wie etwa automatische Pull-Down-Menüs - Javascript zwingend erfordern.
Der Landesbildungsserver nutzt dies selbst auch.

Es gibt eine Art "Nachfolger" von Physlets, er nennt sich Easy Java(script) Simulations (EJS oder auch EJsS) und wurde von der Davidson Universität (Wolfgang Christian) in Kooperation mit der spanischen Universität in Murcia (Francisco Esquembre) entwickelt. Dieses Tool kann XML-Seiten mit HTML5 kompatiblen Javascript-Code erzeugen, die dann prinzipiell auf allen Endgeräten laufen - also auch auf Smartphones und Tablets (exemplarisch habe ich das schon probiert).

Wenn Sie sich zu EJsS selber ein Bild machen wollen, finden Sie hier mehr dazu auf den Seiten der Universität Murcia, Spanien (engl.): http://www.um.es/fem/EjsWiki/

Es gibt auf den Seiten der Kooperationspartner auch schon eine ganze Reihe Simulationen, die im Quellcode vorliegen. An diese kommt man online heran, wenn man EJsS installiert. Es ist geplant zumindest einige davon für den Landesbildungsserver zu erschließen.
Wenn Sie selbst Lust haben physikalische Simulationen mit EJsS zu erstellen und uns zur Verfügung zu stellen, wäre das natürlich für die Nutzer dieser Seiten ein echter Glücksfall.

Leider muss jedes einzelne Applet im Physikportal umgeschrieben werden, was einen extremen Zeitaufwand bedeutet, zudem müssen viele Funktionalitäten wie etwa Checkboxen und Pull-Down-Menüs völlig anders gelöst werden.
Auf dem Physikportal des Landesbildungsservers gibt es derzeit etwa 120 Physlets, die über einen Zeitraum von mehr als 10 Jahren entstanden sind.
Diese alle in absehbarer Zeit umzuarbeiten, ist leider eine zeitlich nicht lösbare Aufgabe.


Grüninger, Landesbildungsserver Baden-Württemberg, Januar 2018