Bildquelle: Liebert, Eduard v. (1850-1934) Wikipedia; Fotografie aus dem Bildbestand der Deutschen Kolonialgesellschaft in der Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main


Reisebericht vom Kilimandscharo (1910)

Kolonialismus als unausgesprochene Selbstverständlichkeit

Selbst ernannter Herrenmensch
Der Autor des Reiseberichts, Eduard von Liebert (1850-1934), ist mit seiner Biografie ein Beispiel für eine damalige Tendenz, sich selbst als biologisch begründete Elite zu verstehen. Lieberts Bericht ist vom imperialistischen Dünkel der vorletzten Jahrhundertwende geprägt. So preist er "das Reisen mit Trägern", d. h. "mit Bett, Langstuhl, Badewanne", als "denkbar angenehm [...]", beteuert aber, er "habe die Träger nie geschont", und wirkt wie die Karikatur des aggressiven Deutschen.

Liebert, Eduard v. (1850-1934), vormaliger Gouverneur der deutschen Kolonie in Deutsch-Ostafrika

Rassismus
Eine rassistische Rechtfertigung dieser Rollenverteilung deutet der Autor an, indem er einen weltgewandten afrikanischen Reiseführer als Ausnahme darstellt und beklagt, dass den Einheimischen "die Intelligenz [...] so spärlich zugeteilt" sei. Im Gegensatz zu v. Liebert nimmt Albert Schweitzer Afrikaner als Mitmenschen wahr. Hier liegt ein direkter Vergleich nahe.

Adressatenbezug!
Wenn Lernende (s. u. Aufgabe) eine Passage aus Lieberts Text interkulturell kompetent so abfassen, dass er für den Korrespondenten annehmbar wird, referieren sie Kolonialismus und Rassismus nicht nur, sondern bezeichnen sie ausdrücklich als solche. Erst diese Unterscheidung distanziert die jugendlichen Mittelnden vom Zynismus des Gemittelten.

Quelle
Der Text ist online verfügbar. Die ausgewählte Stelle findet sich etwa in der Mitte. Sie beginnt mit "In Mhonda meldete..." und endet mit "... so selten antrifft!".


Sprachmittlung eines kolonialistischen Reiseberichts

Sprachmittlung eines kolonialistischen Reiseberichts