Quoi de neuf 1/2017 - "Interkulturelle Projekte"

Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue - 1/2017

Interkulturelle Projekte
Entwicklung und Erprobung deutsch-französischer Schülerprojekte

Interkulturelles Lernen - gegenseitiges Kennenlernen und voneinander lernen - neue Kulturen erforschen sowie innovativ die Eigene vorstellen.

Im Sommersemester 2017 durften wir Studenten/innen- Johanna Rikowski, Tina Christ & Till Ober (TU Dresden) - im Zuge des Seminars "Interkulturelle Projekte planen - durchführen - reflektieren" unter der Leitung von Kristian Raum, an zwei Schulprojekten teilhaben.

Im Seminar wurden zuerst Grundlagen zu Interkulturellem Lernen geschaffen und Ideen entworfen, wie dieses in der Schule umgesetzt werden kann. Für die zwei unterschiedlichen Projekte, das Grundschulfest (4. Klasse, 16. Grundschule "Josephine" Dresden) und der Projektnachmittag (9. Klasse, Romain-Roland-Gymnasium), wurde die Musik zu einem gemeinsamen Nenner der Gruppe. Musik ist ein großer Bestandteil des täglichen Lebens vor allem bei Schülern und Schülerinnen (vgl. JIM Studie 2016) und eignet sich daher auch besonders für interkulturelles Lernen, um "fremde" Kulturen kennenzulernen.

Projekt: Grundschulfest "Bienvenue à la ferme"

Bauernhof
Abbildung: Fototapete Kinderzimmer Tiere Bauernhof Farm
Quelle: https://www.4-haen.de/shop/resources/product_images_raw/15457_gr.jpg

Till Ober: "Mit Musik kann man eigentlich jeden Menschen erreichen. Vor allem Schüler/innen, wenn man mal vom ständigen Paukstoff in der Schule ablenken will. Und für eine Station zu den französischen Tierlauten an einer Grundschule, was liegt da näher, als "Old MacDonald" so zu singen, wie es die Kinder in Frankreich tun?

Bei einer ersten Recherche auf YouTube fand sich nur eine wortwörtliche Übersetzung des Textes. "Le vieux MacDonald" poltert aber ganz schön, wenn man das singen will und es klingt auch irgendwie nicht sehr authentisch. In der englischsprachigen Wikipedia fanden wir dann heraus, dass die französische Version "Dans la ferme de Mathurin" heißt. Es gibt musikalisch und animationstechnisch sehr schön aufbereitete Videos dazu und der Text ist im Internet schnell gefunden (auch unter dem Titel "A la ferme à Mathurin").

Bevor das Lied gesungen werden konnte, lernten die Kinder in der 1. Station verschiedene Tierlaute kennen. Hierfür zeigten wir Bilder von den Tieren und fragten welche Laute sie machen. Im Anschluss daran wurden die französischen Laute vorgespielt und von den Schülern/innen wiederholt. Für die Aufnahmen stellte sich eine französische Fremdsprachenassistentin bereit, wodurch diese sehr authentisch wurden.

Bauernhoftiere
Station 1: Vorspielen verschiedener Tierlaute (8 Tiere), Aufnahmen einer Muttersprachlerin (PPP).
Quellen: Ente: http://entitaet.net/mausEnte.gif - Katze: https://img.clipartfest.com/05d09e8d8b242e6baf859733ffd843a0_katze-clipartclipartfest-katze-clipart-kostenlos_185-160.jpeg - Hund: http://www.tierbildergalerie.com/bild-hund-cartoon-5994.htm

Tierlaute
Station 1: Abspielen der Tierlaute, Kinder sprechen die Laute nach.

Tina Christ: "Es war besonders interessant zu sehen, wie "unbewusst" interkulturelles Lernen stattfinden kann. Die Kinder hatten sichtlich Spaß an dem Nachsprechen der teilweise merkwürdigen Tierlaute. Einige fragten sich auch, warum die französische Kuh den ein anderes Geräusch macht als die Deutsche."

In der 2. Station sollten die Schüler und Schülerinnen die bereits gehörten Laute (Station 1) den passenden Tieren zuordnen. In dieser Aufgabe konnten sie nun das Gehörte mit dem Schriftbild, welches doch teils sehr verschieden ist, verbinden.

Zuordnung
Station 2: Zuordnung der geschriebenen Laute zu den richtigen Tieren. - Foto: Kristian Raum

In der 3. Station wurde nun das Lied "dans la ferme de Mathurin" gemeinsam gesungen und durch Till Ober an der Ukulele begleitet.

Liedtext
Station 3: Liedtext

Zuordnung
Station 3: gemeinsames Singen des Liedes: "Dans la ferme de Mathurin". - Foto: Kristian Raum

Abschluss Grundschulfest:

Grundschulfest
Foto: Kristian Raum

Grundschulfest
Foto: Tina Christ

Zum Abschluss trafen sich nochmals alle Schüler und Schülerinnen der 4. Klasse aus unterschiedlichen Schulen und es wurde gemeinsam gesungen und getanzt.

Tina Christ: "Es war schön anzusehen, wie bereits junge Schüler/innen Freude an der französischen Sprache haben."

2 Projektnachmittag " Moi, ma vie, mon avenir?"

Grundschulfest

Für den Projektnachmittag am Romain-Roland-Gymnasium erarbeiteten wir in der Gruppe eine spannende Einheit rund um das Thema "Ma vie, mon avenir et moi".

Die Suche nach einem passenden Lied für den Austauschnachmittag am Romain-Roland-Gymnasium führte über einen kleinen Umweg. Die erste Idee war "Avenir" von Louane. Aber eigentlich wollten wir ja den französischen Schülern etwas aus Deutschland mitgeben. Zudem wollten wir das Thema "Zukunft" nicht nur wie Louane auf zwischenmenschliche Beziehungen beschränken. Etwas mehr Spielraum für Interpretation bot "Von hier an blind" von Wir sind Helden. Außerdem lieferte uns das Video ein tolles Motiv für das Plakat.


Video: https://www.youtube.com/watch?v=xyNWUY-wH5g
Liedtext: https://www.lyricsbox.com/wir-sind-helden-von-hier-an-blind-lyrics-lgxl5d7.html

Wäscheleine
Wäscheleine mit Bildsequenzen aus dem Video. - Foto: Kristian Raum

Im Anschluss galt die Aufgabe sich persönlich und kreativ, in Form eines Gedichtes, einer Grafik oder eines Steckbriefes der Zukunft, mit dem Thema zu beschäftigen. Dieses Format beinhaltet die Möglichkeit kritisch und im Hinblick verschiedener Individualitäten zu 'antworten'.

Johanna Rikowski: "Meinem Erachten nach, war diese Erfahrung sehr hilfreich, um bereits theoretisch erlernte Methoden des Fremdsprachenunterrichts, in die Praxis umzusetzen. Insbesondere interkulturelles Lernen war für mich persönlich zuvor ein Bereich, welcher mir nicht allzu vertraut war. Somit eröffnete dies mir die Möglichkeit geeignete Methoden zu erforschen, um SchülerInnen verschiedene Kulturen miteinander vergleichen zu lassen, als auch mit offenen Sinnen diese entdecken zu wollen sowie seine Eigene eventuell auch besser verstehen zu lernen".

Speziell der letzte Teil - die praktisch, individuelle Aufgabe - wurde sehr gut aufgenommen und mit Freude bearbeitet. Es fiel auf, dass die Ideenfindung nicht so leicht war, wie es zunächst schien. Doch wurde sich erst einmal in das künftige Leben und die damit verbundenen Träume, als auch Ängste, hineinversetzt, erfolgte das weitere Vorgehen gelöster sowie ideenreicher.

3 Stationen
3 Stationen/Materialien sind zur Auswahl (PPP)

Klebezettel
Lesen und Anmerkungen zu Ergebnissen (Klebezettel). - Foto: Tina Christ

Ergebnisse
Zwei Ergebnisse der 1. Station mit Anmerkungen von Schülern. - Foto: Tina Christ

Stellungnahme
Anschließende gemeinsame Auswertung / Stellungnahme zu Anmerkungen (Klebezetteln). - Foto: Kristian Raum

Johanna: "Besonders die Auswertung und Reflexion im Anschluss an die Einzelarbeit zeigt noch mehr, wie wichtig hinsichtlich des Themas eine individuelle Bearbeitung ist. Die SchülerInnen hatten die Möglichkeit auf die Fragen und Aussagen, geschrieben auf kleine Zettel von den anderen Teilnehmern, in der Gruppe zu antworten. Hierbei konnte man mehr über jeden einzelnen erfahren und eine spannende Diskussion anregen".

gemeinsames Singen
Abschluss: gemeinsames Singen des Liedes: "Von hier an blind". - Foto: Kristian Raum

Till Ober:
"Nach ein paar Aufgaben Avant, Pendant und Après la Vue fanden wir uns alle gemeinsam singend wieder und waren selbst erstaunt, wie schnell die Gastschüler Zugang zum Text fanden und mit einstimmten. Eine Ukulele ist beim Transport übrigens viel praktischer als eine Gitarre ;-)."

Johanna Rikowski:
"Alles in Allem bestärkte mich das Seminar in meiner Meinung, Fremdsprachenunterricht innovativ zu gestalten. Dabei lernte ich vielerlei Methoden kennen sowie anwenden, um einen Kulturvergleich sowie dessen Analyse, auch hinsichtlich der Charakteristik der eigenen Nation im schulischen Kontext zu integrieren. Insbesondere ist zu erwähnen, dass das Seminarklima sowie die Zusammenarbeit unter uns StudentInnen sowie mit Herrn Raum sehr angenehm waren. Dadurch fiel es nicht schwer, eine gemeinschaftliche Arbeit auf die Beine zu stellen und diese mit Elan durchzuführen."

Schlussendlich möchten wir als Gruppe noch einmal unseren Dank an unseren Seminarleiter Kristian Raum aussprechen, der uns mit Rat und Tat zur Seite stand und wertvolles Feedback gab. Zudem danken wir auch den Schulen, dass eine Kooperation stattfinden konnte und wir mit offenen Armen empfangen wurden.

Johanna Rikowski, Tina Christ und Till Ober, TU Dresden

Zurück zum Inhaltsverzeichnis der Ausgabe 1/2017 von Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue


Den gesamten Newsletter zum Download als PDF-Datei finden Sie hier.

Wenn Sie "Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue" abonnieren wollen, folgen Sie bitte diesem Link.

Hier können Sie frühere Ausgaben von "Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue" online lesen.