Quoi de neuf 1/2017 - Deutsch-französisches Jugendcamp "Du hast das Wort - Tu as la parole"

Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue - 1/2017

Deutsch-französisches Jugendcamp
"Du hast das Wort - Tu as la parole"

Vom 15. bis 22. Juli 2017 fand auf dem Gelände des Mediacampus Frankfurt ein deutsch-französisches Jugendcamp zum Thema Meinungsfreiheit unter dem Motto "Du hast das Wort - Tu as la parole" statt. Organisiert wurde das Camp vom deutschen Börsenverein - 29 Jugendliche nahmen teil, 14 Franzosen, 15 Deutsche. Oder, wie einer der Teilnehmer mir sagte: "29 Köpfe mit 29 großen Klappen, die auch noch gefördert werden sollen".

Die Teilnehmer des Jugendcamps
Die Teilnehmer des Jugendcamps "Du hast das Wort - Tu as la parole". - Foto: Clemens Bruckner

Das Camp bestand aus Seminaren, der Begegnung mit Schriftstellerin Tanja Kinkel und Exiljournalist Hayko Bağdat, dem Besuch diverser Institutionen sowie Workshops und Rhetoriktraining. Wir waren bei Arte in Straßburg, im Europarat, im Büro der FAZ, und, und, und...

Empfangen wurde man am Sonntag von Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels; sowie von Judith Hoffman, Clemens Bruckner, Andreas Neuer und Hanna Heuft, die den Mut hatten, die ganze Woche über uns zu wachen.

Die ersten Tage waren gegenseitiges Kennenlernen und Teambuilding; mit Hilfe von Jugendcoach Sebastian Süss wurde aus 29 Unbekannten eine geschlossene Gruppe. Die Voraussetzungen dafür waren ideal: man war sich gleich sympathisch, die Stimmung gehoben, die Gespräche locker und interessiert. Den Abschluss bildete das gemeinsame Anschauen des Films "Monsieur Claude und seine Töchter".

Am Montag fing die Arbeit an - zur Vorbereitung der zwei Workshops, die am Ende der Woche mehrere Artikel zur Meinungsfreiheit für die Website des Deutschen Börsenvereins sowie einen Film zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse hervorbrachten, besuchte man die Frankfurter Paulskirche, die als Symbol für erste Demokratieversuche in Deutschland gilt. Außerdem wurden für die Herstellung des oben genannten Films einige Passanten interviewt und gefilmt. Professionell sah anders aus - langweilig dafür aber auch.

Am nächsten Tag ging es nach Frankreich. Genau genommen, nach Straßburg. Genauer genommen, zum Europarat, wo wir das Innere des Europäischen Systems für Legislatur kennenlernten, sowie später zum Studio des Fernsehsenders Arte, um sich dort das Prinzip des mehrsprachigen Dokumentationsfernsehens erklären zu lassen. Zum Essen gab es traditionelle Elsässer Flammkuchen, dazu laute Begeisterungsrufe.

Kamingespräch
"Kamingespräch" mit Schriftstellerin Tanja Kinkel, Exiljournalist Hayko Bağdat, Alexander Skipis und Jon Steinmark vom Börsenverein. - Foto: Clemens Bruckner

Der nächste Tag gehörte der Rhetorik. Nach einem morgendlichen Rhetoriktraining mit Marcel Hinderer, der bereits mit Jugend Debattiert gearbeitet hatte, wurden wir abends Gäste eines "Kamingesprächs" mit Schriftstellerin Tanja Kinkel, Exiljournalist Hayko Bağdat, Alexander Skipis und Jon Steinmark vom Börsenverein. Selbst nach den zwei Stunden, in denen wir Fragen stellen, Gedanken austauschen und Eindrücke sammeln konnten, waren die meisten nicht zufrieden. Die Gespräche, besonders die mit Hayko Bağdat, gingen noch bis tief in die Nacht.

Den Donnerstag ehrte die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Journalist Alexander Haneke beantwortete alle Fragen, die man über Journalismus hat und haben kann. Abends erwartete uns eine besondere Überraschung: Geschichtenerzähler Naceur Charles Aceval faszinierte uns mit Geschichten und Märchen aus seinem Heimatland Algerien, und legte uns die Wichtigkeit des gesprochenen Wortes nahe.

Freitags neigte sich das Camp auch schon dem Ende zu - nachdem Artikel fertiggestellt und mit Bildern angereichert wurden, sowie Videos geschnitten und überarbeitet, schloss eine Abschiedsfeier diese ereignisreiche Woche nur allzu schnell ab. Einige Tränen wurden vergossen, als am Samstag morgen der Abschied bevorstand - man versprach sich zu schreiben, zu treffen, Freundschaften weiterzuführen. Wir hatten nicht nur neue Leute kennengelernt: im Laufe der Woche waren wir zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen.

Hat diese Woche uns etwas zur Meinungsfreiheit beigebracht? Klare Antwort: ja. "Man merkt gar nicht, wie viel Jugendliche heutzutage eigentlich mitdenken, bis man sieben von ihnen um drei Uhr morgens in eine Debatte über Menschenrechte vertieft auf dem Flur wiederfindet", merkte Marie Heimig, eine der Teilnehmerinnen, an. Generell hat diese Woche uns viele Möglichkeiten gegeben, unseren Horizont zu erweitern, sei es durch die andauernde kognitive Stimulierung, durch die vielen Workshops, die Gastbesuche oder das generelle miteinander reden. Wir haben dazugelernt, uns Gedanken gemacht, eigene Ideen gebildet, und sind zu einem Entschluss gekommen: Meinungsfreiheit ist ein Recht; und zwar eins, für das es sich lohnt, zu kämpfen.

Marie Culik Grandsire

Das diesjährige Gastland der Frankfurter Buchmesse ist Frankreich. Vor diesem Hintergrund fanden in diesem Jahr bereits eine Reihe von Veranstaltungen statt, unter anderem auch das Jugendcamp "Du hast das Wort - Tu as la Parole". Knapp 30 Jugendliche aus Deutschland und Frankreich trafen sich eine Woche in Frankfurt und beschäftigten sich mit Themen wie Meinungsfreheit oder der deutsch-französischen Freundschaft. Als mediales Leitprojekt wurde während der Woche ein Kurzfilm gedreht, der auf der Eröffnungsfeier der Frankfurter Buchmesse zu sehen sein wird.

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