Quoi de neuf 1/2017 - "Le Québec à Dresde"

Quoi de neuf - Nouvelles du bilingue - 1/2017

Le Québec à Dresde

Eine Studentengruppe aus Sainte-Hyacinthe bringt Dresdner Schüler*innen und Studierenden Kultur Québecs nahe

Bereits zum dritten Mal besuchte eine Gruppe des CEGEP von Sainte-Hyacinthe Dresden, dieses Mal unter der Leitung von Nadia Lachance und Sandie Laprise. Für die Québecker Studierenden, deren Schwerpunkt die vergleichende Literaturwissenschaft ist, ist die Durchführung einer solchen Exkursion Teil ihres Ausbildungsprogramms. In deren Rahmen ist es ihre zentrale Aufgabe, Literatur und Kultur Québecs an ausgewählten Beispielen Schüler*innen anderer Länder zu vermitteln. Von diesem Auftrag profitierten nun mehrere Klassen des Romain-Rolland-Gymnasiums in Dresden, die einen Einblick in eine bande dessinée von Michel Rabagliati und in zwei Märchen von Fred Pellerin gewannen. Aus meiner Sicht als Lehrer war es wieder einmal besonders interessant zu beobachten, wie die an das Französische Frankreichs gewöhnten Schüler*innen mit Staunen und Neugier auf das Québecois ihrer Gäste reagierten. Deren Offenheit und Fröhlichkeit baute Brücken, auch wenn die Verständigung manchmal etwas schwierig war. Diese Ansicht teilte auch Maryline Chagnard, meine Dresdner Kollegin und französische Muttersprachlerin, die bei der Planung des Tages aktiv mitwirkte.

Studierenden im Schüleratelier
Die Studierenden im Schüleratelier. - Foto: Kristian Raum

Québecker Delegation am Romain-Rolland-Gymnasium
Die Delegation aus Québec am Romain-Rolland-Gymnasium mit Maryline Chagnard (3.v.r.). - Foto: Kristian Raum

Das Rahmenprogramm der Delegation wurde von mehreren engagierten Dresdner Studierenden der Romanistik gestaltet, von denen nun Sebastian Nerger und Lisa Hoschatt mit ihren ganz persönlichen Eindrücken zu Wort kommen sollen

Dresdner Stadtzentrum
Sebastian Nerger (1. v.r.) zeigt den Gästen aus Québec das Dresdner Stadtzentrum. - Foto: Kristian Raum

Sebastian Nerger:

"Wenn wir an Kanada denken, denken wir häufig an den englischen Sprachraum, doch, wenn wir uns das Land genau anschauen, gibt es eine kleine Region, die dem Englischen Widerstand leistet - die französischsprachige Region Québec. Deshalb war es umso spannender im Mai diesen Jahres 13 Studenten aus genau dieser Region in Dresden zu empfangen, vor allem, da ich selbst noch nie Kontakt mit Personen aus Québec hatte. Am Hostel angekommen, empfing ich die Gruppe, die trotz des langen Fluges sehr interessiert war Dresden zu besichtigen. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es auch schon los.

Unsere Route führte uns zunächst über den Altmarkt, über den Neumarkt und schließlich in die Frauenkirche, das Wahrzeichen von Dresden. Schnell wurde mir klar, dass das kanadische Französisch doch einige Unterschiede zu dem europäischen Französisch aufwies. Was anfangs zu Verwirrungen beim Verständnis führte, entwickelte sich jedoch schnell zu einer neuen Herausforderung und so lernte ich einige neue Redewendungen kennen. Gleichzeitig führte ich die Studenten in die deutsche Aussprache ein, indem wir Wörter, wie "Brühlsche Terrasse", "Dresdner Zwinger" oder "Zitronenpresse" (im Volksmund für die Kuppel der Kunstakademie) wiederholten. Wir amüsierten uns sehr. Die Tour entwickelte sich zu einem kulturellen Austausch und ich lernte meine Stadt, in der ich bereits seit 22 Jahren wohne, von einer völlig anderen Seite kennen. Bevor es für mich wieder in die Universität ging, probierten wir noch von der Original Dresdner Eierschecke, um die Besichtigung des historischen Dresdens abzurunden.

Der gesamte Vormittag war eine große Bereicherung für mich. Ich machte nette Bekanntschaften mit Personen von einem völlig anderen Ort der Erde und dennoch merkte ich, wie schön es war, die gleiche Sprache zu sprechen."

Eierschecke
Unsere Gäste probieren die Dresdner Eierschecke. - Foto: Kristian Raum

Québecker Literatur
Die Studierenden entdecken Literatur aus Québec in der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. - Foto: Kristian Raum

Lisa Hoschatt:

"Immer wenn ich erzähle, ich hätte ein Auslandsjahr in Québec absolviert, sehen mich viele fragend an, weil sie nicht wissen, wo sie mein Gastland geographisch einordnen sollen. Auch ich hatte, bevor ich damals in Montréal landete, wenig Ahnung, wie genau die nächsten Monate aussehen würden, denn verband ich bisher nur Céline Dion und ihren besonderen Dialekt, der mir in ihren Interviews aufgefallen war, mit dieser wunderschönen kanadischen Provinz. Allerdings empfinde ich mittlerweile nicht mehr das landschaftliche Umfeld als die Besonderheit von Québec, sondern vor allem die offenherzige, gastfreundliche und stets fröhliche Art seiner Bewohner als das Einzigartige. Umso erfreuter war ich, als mein Dozent, Herr Raum, uns mitteilte, dass Studenten aus Québec zu Gast in Dresden seien. Ich war voller Vorfreude mit ihnen und meiner Kommilitonin Julika gemeinsam durch die Dresdner Neustadt zu schlendern und dabei zu plaudern. Julika hatte eine Besichtigungsrunde geplant, die uns u.a. an die Martin-Luther-Kirche und Pfund's Molkerei führte. Dann setzten wir uns gemütlich in die Schokoladenbar und konnten dort in Ruhe bei einer Tasse Kaffee bzw. Kakao quatschen. Es war ein wirklich schöner Nachmittag, der viel zu schnell und etwas hektisch zuende ging, weil die Zeit unserer Gäste leider sehr knapp war. Ich habe ich mich in jedem Fall sehr gefreut, dass ich die Möglichkeit hatte mit ihnen durch die Stadt zu spazieren, denn durch ihre fröhliche Art haben nicht nur sie, sondern auch ich Dresden an diesem Tag auf eine ganz neue Weise entdecken dürfen."

Wenzel Prager Bierstuben
Nadia Lachance (l.) und Sandie Laprise (r.) beim geselligen Ausklang in Wenzel Prager Bierstuben. - Foto: Kristian Raum

Aus dem Dankschreiben der Kolleginnen aus Québec:

"En notre nom et en celui des treize étudiants de l'option Littérature et création du Cégep de Saint-Hyacinthe ayant participé au stage en Allemagne en mai dernier, nous tenons par la présente à vous remercier de l'accueil chaleureux que vous nous avez réservé. Nous tenons à souligner la qualité du travail et la grande écoute de l'équipe de professeurs qui nous ont accueillis dans leurs classes."

Gruppenfoto
Gruppenfoto am Luther-Standbild vor der Dresdner Frauenkirche. - Foto: Kristian Raum

Kristian Raum kristian.raum@tu-dresden.de, Zentrum für Lehrerbildung, Schul- und Berufsbildungsforschung (ZLSB)/Institut für Romanistik der TU Dresden

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