Erstellung eigener Hör-/Sehverstehensübungen

Grundsätze der Erstellung von Hör-/Sehverstehensübungen

Für die Vorbereitung der Lehrkraft empfiehlt es sich, den Hör- oder Hör-/Sehverstehenstext erst einmal anzuhören bzw. anzusehen und sich Notizen zu machen. Nur das, was eine Lehrkraft in diesem ersten Durchgang verstanden hat, sollte Gegenstand der Aufgabe für die Lernenden sein.
Der nächste Schritt der didaktischen Aufbereitung des Hörtextes oder des Videos wird in der Regel in der Aufteilung in Sinnabschnitte bestehen und ggf. in einer Kürzung des Materials.

Das kit pédagogique Enseigner avec l'audiovisuel von RFI, TV5Monde, dem französischen Außenministerium und dem Centre de Liaison de l'Enseignement et des Médias d'Information (CLEMI) (s. unten) empfiehlt für die Bearbeitung von Hörtexten oder Videos im Unterricht generell sechs Schritte:

  1. die mise en route vor der Präsentation des Materials, um Vorkenntnisse zu aktivieren und/oder Interesse zu wecken,
  2. die erste Entdeckung des Dokuments, in der die Lernenden erst einmal nur erkennen, um welche Art von Dokument es sich handelt und durch den Rückgriff auf sprachexterne Faktoren (Hintergundgeräusche, Videospur, ggf. sogar ohne Ton) Hypothesen über den Inhalt aufstellen können,
  3. Fragen zum Globalverständnis, also zur Kommunikationssituation, dem Kontext und den Themen (W-Fragen),
  4. Fragen zum Detailverständnis,
  5. Erarbeitung oder Vertiefung sprachlicher oder pragmatischer Kompetenzen anhand des Dokuments
  6. Aufgaben (z.B. Text- oder Sprachproduktion) zur Anwendung des Erarbeiteten.

Auch wenn sicher nicht bei jeder Hör-/Sehverstehensübung alle diese Schritte genau so ausgeführt werden, ist es wichtig, das Grundprinzip im Hinterkopf zu behalten: Vorbereitende Aktivitäten helfen den Schülerinnen und Schülern beim Verständnis der Hör-/Sehtexte und machen sie mit Strategien für die Auseinandersetzung mit einem unbekannten Dokument vertraut.
Durch den Einsatz einer möglichst großen Vielfalt von Frageformen zum globalen und zum detaillierten Verständnis - sowohl in einem Dokument als auch im Laufe des Schuljahres - werden unterschiedliche Kompetenzen geschult, die für das Hör-/Sehverstehen notwendig sind.

Anregungen für die Erstellung der Übungen

Die vorbereitenden Übungen, die bestehendes Vorwissen und relevante lexikalische Felder aktivieren und inhaltlich motivieren sollen, können von einem Standbilder aus dem Video (s. Hinweise zum Extrahieren und Bearbeiten von Schnappschüssen aus Videos) oder einem Zitat aus dem Hörtext profitieren.

Zur Überprüfung des Globalverständnisses eignen sich an erster Stelle die W-Fragen, es ist jedoch auch möglich, die Lernenden einfach notieren zu lassen, was sie verstanden haben. Dies ermöglicht den schwächeren Schülerinnen und Schülern mit der Identifikation einzelner Begriffe erste Ergebnisse vorzuweisen, während die stärkeren Schülerinnen und Schüler schon erste Zusammenhänge ergänzen können.
Die Erstellung einer Mind Map ermöglicht den Lernenden, erste Verständnisinseln ungeordnet zu notieren und im Nachhinein zu ergänzen. Sie kann aber auch bereits dabei helfen, die Zusammenhänge einzelner Informationen sichtbar zu machen. Gibt die Lehrkraft im Vorfeld bereits Teile der MindMap, etwa einzelne Knoten wie z.B. "la situation de communication" oder "les personnes" vor, kann dies den Lernenden zudem als Werkzeug für die Erschließung des Textes dienen.

Die Fragen zum genaueren Verständnis des Textes, die häufig Textmaterial aus dem Dokument enthalten oder Strukturierungsvorgaben enthalten, spielen eine wichtige Rolle dabei, die Erwartungen und damit das Verständnis der Lernenden zu leiten, und sind somit eine wichtige Hilfestellung bei der Texterschließung.
Folgende Aufgabenformen bieten sich für Hör-/Sehverstehensübungen an:

  • Vrai-Faux- oder Vrai-Faux-Pas dans le texte-Fragen. In einem weiteren Schritt, der ein deutlich eingehenderes Textverständnis fordert, ist es möglich, die falschen Antworten verbessern zu lassen.
  • Multiple-Choice-Fragen ( weitere Tipps zur Erstellung von Multiple-Choice-Aufgaben).
  • das Vervollständigen von Sätzen
  • das Ausfüllen einer Tabelle, die zu ergänzen ist. Hier kann es zu Differenzierungszwecken verschiedene Versionen mit unterschiedlich vielen offenen Felder geben.
    Eine Tabelle als Hörverstehensaufgabe
    Beispiel einer Tabelle als Hörverstehensaufgabe zum "Mot de la semaine" aus dem Journal en français facile du 16/01/2016 - 20h00 - 20h10 (ab Zeitindex 7'26'')
  • Zuordnungsübungen. Informationen können beispielsweise den chronologisch geordneten Sinnabschnitten des Textes, den vorkommenden Personen, verschiedenen Orten oder Zeitebenen zugeordnet werden.

Sehr gut geeignet zum Erstellen von Aufgaben ist das kostenlose Programm Hot Potatoes: Lückentext-Übungen, Quiz, Schüttelübungen, Kreuzworträtsel und Zuordnungsübungen.
Eine eventuell für das Detailverstehen notwendige Verringerung der Abspielgeschwindigkeit ist in die gängigen Player integriert.

Als Aufgaben zur Vertiefung bieten sich neben schriftlichen Textproduktionen Stellungnahmen, Diskussionen oder Rollenspiele an. Auch die Produktion einer eigenen Radiosendung oder eines Videos ist möglich, nimmt aber natürlich viel Zeit in Anspruch. Hinweise (PDF) dazu finden sich in den unten vorgestellten Materialien von TV5Monde.

Weitere Hinweise und Anregungen im Internet

Auf welch vielseitige Art sich Audio-Dateien in der Klasse verwenden lassen, hat die (französischsprachige!) another teacher's website zusammengestellt, wo sich auch viele Tutorials für Multimedia-Programme finden.

Auf dem Lehrerfortbildungsserver der Landesakademie für Fortbildung und Personalentwicklung an Schulen (LFB) gibt es ebenfalls sowohl inhaltliche als auch technische Hinweise dazu, wie Hörverstehensübungen erstellt werden können.

Der Internetauftritt des französischen Fernsehsenders TV5Monde bietet neben verschiedenen Unterrichtsmaterialien auch Hilfen für Lehrende zur Auswahl von audiovisuellen Dokumenten für den Unterricht und zur Erstellung von Hör-/Sehverstehensübungen an.
Das gesamte kit pédagogique Enseigner avec l'audiovisuel , aus dem ein Großteil dieser Materialien stammt und das erarbeitet wurde von RFI, TV5Monde, dem französischen Außenministerium und dem Centre de Liaison de l'Enseignement et des Médias d'Information (CLEMI), das dem Ministère de l'Education nationale unterstellt ist, kann auf den pädagogischen Seiten des CLEMI heruntergeladen werden, die auch eine Reihe anderer Unterrichtsressourcen zum Thema Medien bieten, wie zum Beispiel eine Liste aller französischen Medien, ein Wörterbuch der Presse und der Medien und verschiedene fiches pédagogiques, die Anregungen zum Umgang mit Medien im Unterricht enthalten.