Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Foto-Stories im Gemeinschaftskunde-Unterricht
Skip to content

Foto-Stories im Gemeinschaftskunde-Unterricht

Eine Lea - viele Rollen


Jugendliche im Spannungsfeld zwischen persönlicher Unabhängigkeit und Gruppenzugehörigkeit

Wir erstellen eine Foto-Story

 

Vorbemerkung

Im folgenden Beispiel wurde versucht, integriert in den Unterrichtsalltag, handlungsorientiert, fächerverbindend und schülerorientiert an dem Thema: Jugendliche im Spannungsfeld zwischen persönlicher Unabhängigkeit und Gruppenzugehörigkeit zu arbeiten. Schülerinnen und Schüler einer 7. Klasse an der Realschule in Mainhardt erstellten mit Digitalkamera und Computer verschiedene Foto-Stories zu diesem Themenbereich. Beteiligt waren im Wesentlichen die Fächer Gemeinschaftskunde, Bildende Kunst und ITG sowie peripher die Fächer Biologie und Deutsch (s. Abb1).

Nicht selten haben solche Projekte, insbesondere wenn sie völlig losgelöst vom Schulalltag am Ende des Schuljahres platziert werden, den Charakter von Spieltagen. Auch das hier beschriebene Mini-Projekt unterliegt der Gefahr, lediglich als Motivationsvehikel, Belohnungsinstrument oder zur Auflockerung des Unterrichtsalltages eingesetzt zu werden. Um die didaktischen Aspekte der Projektmethode nicht zu "verspielen", musste also darauf geachtet werden, dieses Projekt in die kontinuierliche Lernkonzeption der zusammenarbeitenden Fächer einzubetten (Abb1).

Zum Thema


Leitfach war Gemeinschaftskunde, das die zentralen Lernziele beisteuerte.
  • Die Schülerinnen und Schüler sollten erkennen, dass Gruppen unser Verhalten prägen und sie sollten mit Hilfe des Rollenbegriffs unterschiedliches Handeln des Menschen in unterschiedlichen Situationen erklären können.
  • Sie sollten auch begreifen, dass Rollenerwartungen einen gewissen Spielraum für persönliche Bedürfnisse lassen und dass starke Rollenkonflikte entstehen können, wenn sich jemand ausschließlich in seiner jeweiligen Rolle präsentiert.
Es ging also um die beiden Pole der Sozialisation, nämlich der Integration und Individuation. Integration meint die Akzeptanz von gesellschaftlichen Normen, Individuation bedeutet die Herausbildung einer unverwechselbaren Persönlichkeit und Entwurf eines individuellen Lebensplanes. Diese beiden Aufgaben können in erhebliche Spannungen zueinander treten. Der symbolische Interaktionismus sucht die Möglichkeit, zwischen sozialer Identität und persönlicher Identität zu balancieren. Rollenkonflikte sollen so möglichst vermieden werden und die eigenen Identität gewahrt werden. Die wichtigste Gruppe, in der Schülerinnen und Schüler ein soziales Experimentier- und Erfahrungsfeld im Sinne dieser oben genannten Balance haben, ist die "Peer Group". Innerhalb dieser Gruppen besteht meist eine streng kontrollierte innere Gruppenkonformität, die sich im Konsum von Statussymbolen aus den Bereichen Musik, Mode und Drogen äußert. Die altershomogenen Gruppen sind aber auch wichtige Stützen des Einzelnen bei der Ablösung vom Elternhaus und bieten gleichzeitig Stabilisierung und Sicherheit auf dem Weg zur eigenen, selbstbewussten Persönlichkeit. Außerdem übernehmen sie für die jugendliche Entwicklung sozialer Verhaltensweisen eine wichtige Funktion.

Die Schule darf die Schülerinnen und Schüler in ihrem Umgang mit Gleichaltrigen trotz dieser Feststellungen nicht allein lassen. Sie dürfen nicht preisgegeben werden an diejenigen, die die Gleichaltrigengruppen für ihre Zwecke instrumentalisieren und die Jugendlichen z.B. bestimmten Konsumzwängen aussetzen.

Die besondere Schwierigkeit bestand nun darin, den Schülerinnen und Schülern ihr eigenes Verhalten bewusst zu machen und sie dazu zu bringen, dieses auch kritisch zu hinterfragen.

Methodisch wurde versucht, durch das Erstellen von Foto-Stories, in denen die Schülerinnen und Schüler ihr Verhalten in der "Peer Group" zum Thema machten, einen Prozess der Selbstreflexion in Gang zu setzen.
 

Zum Ablauf


Vorausgegangen waren zwei GK Stunden, in denen in darbietenden, aber auch handlungs-orientierten Phasen in das Thema eingeführt wurde. Unter anderem wurde hierzu auch ein Arbeitsblatt eingesetzt (AB. 1). Im ITG Unterricht wurden die Schülerinnen und Schüler in das Präsentationsprogramm Power-Point und in das einfache Bildbearbeitungsprogramm "Photo-Editor" eingeführt. Der BK�Unterricht erarbeitete im Vorfeld den Umgang mit der Digitalkamera, Motivgestaltung und Möglichkeiten der Bildkomposition.
 

Beginn der Projektorientierung - Schülerorientierte Planung

Die Schülerorientierung gehört sicherlich neben der Produkt- und Handlungsorientierung und der Interdisziplinarität zu den wesentlichen Merkmalen des Projektunterrichts. Aber auch bei diesem handelt es sich um Unterricht und damit um ein von Lehrplaninhalten bestimmtes Lernen für das der Lehrende die Verantwortung trägt. Orientierung an den Schülerinnen und Schülern und ihren Interessen darf deshalb nicht zu dem Missverständnis führen, dass das Projektthema ausschließlich von diesen initiiert wird. Auch in unserem Beispiel hatte der Lehrende eine nicht zu unterschätzende Anregungsfunktion.
Das Rahmenthema wurde also vom Lehrer vorgegeben:
Zu erstellen war eine Foto-Story zum Themenkomplex: Rolle, Rollenerwartungen, Rollenkonflikt. Verwiesen wurde vom Lehrer auf das Beispiel des Arbeitsblattes (s.u.). Für alle weiteren Planungs- und Entscheidungsprozesse war für die Schülerinnen und Schüler ein genügend großer Freiraum vorhanden. Zu Beginn der Projektphase folgte also ein im Plenum stattfindendes Planungsgespräch, in dem ein für alle Gruppen verbindlicher Zeit- und Arbeitsplan erstellt wurde (Tab.1). In dieser Phase versuchte sich der Lehrer sehr stark zurückzunehmen und nur moderierend in das Planungsgespräch der Schülerinnen und Schüler einzugreifen. Wichtige Eckpunkte der Planung waren z.B. das Vorhandensein von nur zwei Digitalkameras (eine schuleigene und eine von den Eltern zur Verfügung gestellte Digitalkamera) und der Belegungsplan des Computerraums. Vorgegeben war auch der zeitliche Rahmen von 6 Schulstunden.
 

Reflexionsphase

Handlungsorientierte Methode ohne eine intensive Phase der Reflexion, des Nachdenkens über das Tun, wäre unvollständig. Es wurde also bei der abschließenden Präsentationsphase Wert darauf gelegt, dass die Schülerinnen und Schüler über die Foto-Stories ins Gespräch kamen, das Verhalten der spielenden Personen bewerteten und auch mit Hilfe der Fachbegriffe wie z.B. Rollendistanz, Rollenerwartungen und Rollenkonflikt darüber reflektierten.
 

Organisation

Der Zeitaufwand des Projektes betrug 6 Unterrichtsstunden, verteilt über zwei Schulwochen. Die Stunden kamen von den Fächern GK, ITG und BK (eine Doppelstunde BK, jeweils zwei Einzelstunden GK und ITG). Die vorgegeben Zeit reichte für einige Gruppen nicht aus. Diese arbeiteten aber an ihren eigenen Computern zu Hause weiter, so dass alle Gruppen am Ende ein Ergebnis präsentieren konnten. Eine Stundenplanumstellung war nicht notwendig. Erleichtert wurde die Organisation des Projektes durch die hohe Stundenzahl des Klassenlehrers in der eigenen Klasse (12 Wochenstunden) und die Tatsache, dass alle beteiligten Fächer von diesem unterrichtet wurden (GK, BK, ITG). Dieses Projekt ist aber bei entsprechenden kurzen Planungsgesprächen ohne Probleme auch in einem Team umzusetzen.
Autor: Stengelin
Von diesem Server wird auf zahlreiche Seiten anderer Anbieter verwiesen, für die wir nicht verantwortlich sind und nicht haften.