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F U S A - Förderung umweltorientierter Schlüsselqualifikationen in der

F U S A - Förderung umweltorientierter Schlüsselqualifikationen in der Landwirtschaft

Schlüsselqualifikationen in der Berufsschule  

Das Projekt FUSA „Förderung umweltorientierten Handelns durch Vermittlung von Schlüsselqualifikationen im agrarwissenschaftlichen Unterricht“ wird seit 1994 im Auftrag des LEU unter Federführung von Prof. Hundsinger an den Haus- und Landwirtschaftlichen Schulen in Offenburg durchgeführt. Speziell zielt das Projekt an der HLS auf Wechselwirkungen zwischen Umwelteinflüssen, Produktion und Standortfaktoren in der Forstwirtschaft, in der Landwirtschaft und beim Weinbau.

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 Haus- und Landwirtschaftliche Schulen Offenburg

 

 

 

 

 

Die jungen Menschen, die heute in den Schulen sind, erleben einen starken Veränderungsprozess in allen Lebensbereichen. Die sich gegenseitig beeinflussenden Entwicklungen der Wissenschaft, der Technologie, der Arbeitswelt, der Sozialstruktur der Weltbevölkerung und der Umwelt verändern Weltbild und Menschenbild, die traditionell Grundlage für das Hineinwachsen junger Menschen in Kultur und Gesellschaft sind.

Das Ziel schulischer Bildung muss deshalb künftig verstärkt darin bestehen, die Schüler unter diesen sich ändernden Rahmenbedingungen in ihrem Umfeld existenzfähig zu machen. Aus diesen Gründen sollen in der Schule neben den aus den Lehrplänen bekannten übergeordneten Bildungs- und Erziehungszielen „Schlüsselqualifikationen“ fächerübergreifend vermittelt werden.

Fächerübergreifender Unterricht der Forstwirte:

Hier die Klasse L1FW4T beim Standortstudium im Rahmen von Fachkunde und Praktischer Fachkunde.

Diese Forderung wird an der HLS speziell auch im Rahmen von FUSA an der Berufsschule verwirklicht. Die Koordination des fächerübergreifenden Unterrichtes wird bei den Forstwirten von Herrn Hummel, bei den Landwirten von Herrn Welsche und bei den Winzern von Herrn Dr. Müller durchgeführt.

Fächerübergreifender Unterricht der Winzer:

Hier die Klasse L3Wi4 im Schulweinberg im Rahmen von Fachkunde, Praktischer Fachkunde, Fachrechnen und Datenverarbeitung bei der Produktion eines Videos über Botrytis cinerea.

Aus der Zielsetzung „FUSA“ ergibt sich zwingend, den Unterricht projektorientiert unter praktischen Bedingungen, auch zum Teil im Freiland, durchzuführen. Insbesondere die zu vermittelten Schlüsselqualifikationen Fachkompetenz in den Qualifikationsbereichen „Fertigkeiten und Kenntnisse“ und Methodenkompetenz lassen sich sehr gut im Schulgarten, im Schulrebberg oder im Forst durchführen.

Formale Fähigkeiten und personale Verhaltensweisen als Schlüsselqualifikationen werden während des gesamten Unterrichtes gezielt in die einzelnen Themenbereiche integriert. Verwirklicht werden sie insbesondere durch entsprechende Unterrichtsorganisation mit Wechsel der Lehrverfahren. Gezielt werden hier Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Sensibilität hinsichtlich Umweltfaktoren gefördert. In Gruppenarbeit und im Klassenverband wird die Fähigkeit zur Kommunikation, Verhalten im Team, Kooperationsfähigkeit und Mitverantwortung entwickelt.

Das Projekt soll nachfolgend am Beispiel der Umsetzung im Weinbau genauer dargestellt werden.

Stoffauswahl - exemplarische und fächerverbindende Bedeutung - didaktische Gestaltung

Hierbei wurden aus dem Lehrplan die Themen Pflanzenernährung und Pflanzenschutz ausgewählt, um Schlüsselqualifikationen zu fördern. Die exemplarische als auch die fächerübergreifende Bedeutung dieser Themen war Kriterium zur Auswahl.

Die Themen „Rebenernährung und Düngung" einerseits und „Pflanzenschutz" andererseits bieten viele Ansatzpunkte, um exemplarisch die Bedeutung einer gezielten Ernährung durch sachgerechte Düngung zu veranschaulichen. Gleichzeitig muss der Einfluss der Düngung auf die Rebengesundheit erarbeitet werden, da richtig ernährte Pflanzen widerstandsfähiger gegen Krankheiten sind. Dies wirkt sich sowohl auf physiologische Krankheiten wie die Stiellähme und Chlorose, als auch auf Pilzkankheiten - insbesondere die Botrytis - aus. Deshalb sollen auch die genannten Krankheiten exemplarisch zur Vertiefung der Zusammenhänge zwischen Umwelteinflüssen, Produktionseinflüssen und Standortfaktoren herangezogen werden.

Die fächerverbindende Bedeutung ergibt sich einerseits schon aus den Lehrplänen der verschiedenen Fächer - Fachkunde, Fachrechnen, Praktische Fachkunde - in denen Rebenernährung und Düngung sowie Pflanzenschutz verbindlicher Inhalt ist. Andererseits lässt sich auch insbesondere die Datenverarbeitung, die als Wahlfach angeboten wird, in idealer Weise in die Thematik einbinden. Die Darstellung der Ergebnisse aus Fachkunde und Fachrechnen durch anschauliche Dokumentation mittels spezieller Präsentationsprogramme, in die auch eigene Fotos, eigene Videos und selbst aufgenommener Sound eingebunden werden können, ist eine Möglichkeit, die Zusammenhänge zu vertiefen. Daneben bieten sich gerade Tabellenkalkulationsprogramme an, um Berechnungen zur Düngung und zum Pflanzenschutz zu erstellen. Die eigene Programmierung solcher „Düngungsrechner" oder „Pflanzenschutzrechner" zwingt die Schüler, sich die Rechenmethoden einerseits und die Fachkenntnisse andererseits zu erarbeiten. Die Einbindung der genannten Themen in zum Beispiel Religion oder Ethik denkbar; in Deutsch wären Sprach- und Ausdrucksschulungen an Fachthemen relevant; Gemeinschaftskunde und Wirtschaftskunde können die sozialen und ökonomischen Teilbereiche ansprechen.

Zur didaktischen Gestaltung eignet sich der Komplex Rebenernährung-Düngemittelbedarf-Düngung besonders, da er in idealer Weise die einzelnen Themenbereiche hinsichtlich Fachkenntnisse in Fachkunde und Fachrechnen vernetzt, daneben werden aber auch das Zusammenwirken der Umweltfaktoren wie Boden, Bodenleben, Bodenbewuchs und Klima auf die Qualität und Quantität des Ertrages ersichtlich. An diesem Beispiel läßt sich unter anderem auch verdeutlichen, dass eine Förderung der Bodenfruchtbarkeit durchaus nach ökologischen und gleichermaßen ökonomischen Gesichtspunkten erfolgen kann und somit das Betriebsergebnis nicht in Frage gestellt werden muss.

Exemplarisch wird hier an den Beispielen Chlorose und Stiellähme der Einfluss des Bodens auf Wachstum und Ertrag der Europäerrebe verdeutlicht. Neben Fachkenntnissen werden hier auch methodische Kenntnisse wie z.B. Nutzung moderner Technologien, Ursachenfindung und Einsatz spezieller Arbeitsgeräte vermittelt. Personale bzw. soziale Kenntnisse lassen sich durch entsprechende Unterrichtsorganisation mit Wechsel der Lehrverfahren erreichen. Gezielt werden hier durch Einzelarbeit Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Sensibilität hinsichtlich Umweltfaktoren gefördert, in Gruppenarbeit und im Klassenverband die Fähigkeit zur Kommunikation, Verhalten im Team, Kooperationsfähigkeit und Mitverantwortung entwickelt.

Der etwa 25 Stunden dauernde Komplex ist folgender maßen aufgebaut:

1. Gruppenarbeit zur Planung der Praxis einer Bodenprobeentnahme und einer Spatenprobe; Aufgabe eine Videosequenz für eine Bodenprobe und eine Spatenprobe als Vorlage zu erarbeiten; zur Bodenprobe Anzahl der Proben pro Parzelle, Entnahmetechnik, Kennzeichnung, Herrichtung zum Versand.

2. Besuch Praxisbetrieb; Boden nach Spatenprobe beurteilen: Krümelstruktur, Durchwurzelung, Bodenleben, Humusanteil im Oberboden und Unterboden, ...;Entnahme einer Bodenprobe zur Bodenuntersuchung entnehmen, Kennzeichnen und zum Versand herrichten, ... ;

3. Einführung in PP durch den DV-Lehrer

4. Arbeit mit dem Präsentationsprogramm Powerpoint (PP) am Computer; Gruppenarbeit zur Bewältigung der Exkursions- - Aufgabe: Erstellung einer Präsentation zum Thema Bodenprobe und alternativ zum Thema Spatenprobe; Capture von Computerbildern aus dem aufgenommenen Videofilm, Übertragung in PP, Farbausdruck;

5. Einführung in die Problematik der Chlorose mittels vorgefertigtem Präsentationsprogramm in PP; die Schüler können in Gemeinschaftsarbeit die Präsentation durchgehen und sich den Themenkreis Chlorose erarbeiten. Im anschließendem Unterricht wird der Zusammenhang Bodenprobe - Düngung und Spatenprobe - Bodenfruchtbarkeit erarbeitet;

6. Grundlagen der Düngungsberechnung an einfachen Beispielen üben.

7. Bearbeitung der Präsentationen in Gruppenarbeit nach Vorgabe der fachlichen Inhalte durch den Fachkundelehrer und Unterstützung bei der Programmiertechnik durch den DV - Lehrer.

8. Beurteilen der mittlerweile fertigen Bodenanalyse; Vergleich mit den Daten der Spatenprobe; Einführung in die Versorgungsstufen mit den entsprechenden Nährstoffgehalten und den Entzugszahlen und Ausnutzungszahlen von Reinnährstoffen; Auswahl von Düngemitteln zur Düngung entsprechend den Ergebnissen der Bodenanalyse.

9. Berechnung der Handelsdüngermengen auf Grund der in FK ermittelten Werte angepasst an die Parzellengröße; Ausrechnung per Hand in Einzelarbeit; anschließend Kontrolle der Ergebnisse mittels Excel-Dünge - Programm speziell für die Düngung im Weinbau nach Entzugszahlen vom Autor erstellt.

10. Bearbeitung der Präsentationen in Gruppenarbeit nach Vorgabe der fachlichen Inhalte durch den Fachkundelehrer und Unterstützung bei der Programmiertechnik durch den DV - Lehrer.

11. Einführung in die Magnesium-Versorgung mittels Computerbilder, Dias und Farbfolien über Symptome von Magnesium-Mangel und Stiellähme; Auftrag in Gruppenarbeit die Krankheit zu diagnostizieren; nach Diagnose Erstellung einer Präsentation über Stiellähme mit Symptomen, Ursachen und Behandlung; Erarbeitung von Vorschlägen zur Düngung und Bodenpflege;

12. Erstellung eines Düngeplanes für eine Parzelle mit Magnesium-Mangelsymptomen und leichtem Stiellähme-Befall im Vorjahr; Berechnung von Mengen verschiedener Magnesium-Handelsdünger;

13. Bearbeitung der Präsentationen in Gruppenarbeit nach Vorgabe der fachlichen Inhalte durch den Fachkundelehrer und Unterstützung bei der Programmiertechnik durch den DV - Lehrer.

Eine weitere etwa 25 Stunden umfassende Unterrichtseinheit zum Pflanzenschutz festigt zeitlich etwa 2 Monate später - auch klimatisch bedingt - die erworbenen Schlüsselqualifikationen.

Exemplarisch wird hier an den Beispielen Peronospora und Botrytis der Einfluss der Düngung, Kulturmaßnahmen und Pflanzenschutzmaßnahmen auf Wachstum, Ertrag und Gesundheit der Europäerrebe verdeutlicht. Neben Fachkenntnissen werden hier auch methodische Kenntnisse wie z.B. Nutzung moderner Technologien, Ursachenfindung, Einsatz spezieller Arbeitsgeräte vermittelt. Personale bzw. soziale Kenntnisse lassen sich durch entsprechende Unterrichtsorganisation mit Wechsel der Lehrverfahren erreichen. Gezielt werden hier durch Einzelarbeit Selbständigkeit, Eigenverantwortung und Sensibilität hinsichtlich Umweltfaktoren gefördert, in Gruppenarbeit und im Klassenverband die Fähigkeit zur Kommunikation, Verhalten im Team, Kooperationsfähigkeit und Mitverantwortung entwickelt.

1. Rebbegehung, Erfassung von Schäden, Videokurzspot über Peronospora erstellen,

2. Peronosporaeinführung, Bilder, Dias, Erarbeiten von Schadbild und Schaden an Blättern, Trauben und Stock, Mikroskopieren von Peronospora mittels Fernsehmikroskop, Prognosemodelle,

3. Bearbeitung von Pflanzenschutz - Präsentationen in Gruppenarbeit nach Vorgabe der fachlichen Inhalte durch den Fachkundelehrer und Unterstützung bei der Programmiertechnik durch den DV - Lehrer.

4. Fertigstellung der Präsentationen in Gruppenarbeit nach Vorgabe der fachlichen Inhalte durch den Fachkundelehrer und Unterstützung bei der Programmiertechnik durch den DV - Lehrer.

5. Gruppenarbeit zur Planung der Praxis umweltschonender Traubenerzeugung in BW;

6. Berechnung der Ausbringungsmenge von Mittel gegen Peronospora

7. Gruppenarbeit (Artikel in BW, Mittelverzeichnis) zur Peronospora, mit den Themen „Bekämpungsmassnahmen, Kulturmaßnahmen, Integrierter Pflanzenschutz, Umweltrichtlinie BW"

8. Berechnung der Ausbringungsmenge von Mittel gegen Peronospora

9. Rebbegehung, Erfassung von Schäden, Applikation,

10. Botrytiseinführung, Befallene Blätter, Trauben, altes Holz, Bilder, Dias, Erarbeiten von Schadbild und Schaden an Blättern, Trauben und Holz, Edelfäule, Mikroskopieren von Botrytis mittels Fernsehmikroskop,

11. Rebbegehung, Erfassung von Schäden,

12. Berechnung der Ausbringungsmenge von Mittel gegen Peronospora im Vergleich: systemische Mittel : Kontaktmittel und Spritzen im Vergleich zu Sprühen

13. Gruppenarbeit (Artikel in BW, Mittelverzeichnis) zur Botrytis, mit den Themen „Bekämpungsmaßnahmen, Kulturmaßnahmen, Integrierter Pflanzenschutz, Umweltrichtlinie BW"

14. Berechnung der Ausbringungsmenge von Mittel gegen Botrytis

15. Rebbegehung, Erfassung von Schäden, Applikation, Videokurzspot über Botrytis erstellen,

Ausführliche Dokumentation

Zur Umsetzung des Unterrichts und der einfacheren Handhabung auch im Unterricht wurde im Rahmen dieses Projektes ein Lehrerhandbuch sowie ein Schülerhandbuch, das den Schülern vorab ausgeteilt wird erstellt. In speziellen Vorbemerkungen sowie speziell erstellten fächerübergreifenden Lehrplanbezügen, werden die Themen sowie deren didaktische Gestaltung dargestellt. Das Schülerhandbuch kann auch individuell gestaltet werden, da alle Daten über Textverarbeitung zugänglich sind. Von daher kann diese Unterrichtseinheit auch von anderen Schulen übernommen werden.

Die Materialien, die daneben auch umfangreiche Bilder, Videos und Multimediapräsentationen enthalten, können auf CD über das LS unter der Nr. LEU - H97/09 bezogen werden. Beigefügt sind hier auch diverse Shareware und Freeware Programme mit denen die Texte, Bilder, Videos und Präsentationen betrachtet werden können.

Dr. F.-M. Müller

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