Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Literarisches Lernen in der Grundschule
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Literarisches Lernen in der Grundschule


Zur Erweiterung des Begriffs Leseförderung

Leseförderung orientiert sich in den letzten Jahren schwerpunktmäßig an den PISA-Ergebnissen zum Leseverständnis und legt den Schwerpunkt auf das Trainieren von Sinnentnahme, das informationsermittelnde Lesen. Wird dieser Ansatz auf das gesamte Lesen angewandt, verfährt man mit Kinderliteratur genau so wie mit Sachtexten.
Eine Fülle von Material zum Üben von Teilkompetenzen, z.B. Diagonallesen, wichtige Stellen markieren, Beantworten von Fragebogen zum Text wird inzwischen in allen Medienarten angeboten.
Arbeitsblattsammlungen als Kopiervorlagen haben sich zur Erweiterung der Teilkompetenzen etabliert. Angebote im Internet zeigen die Tendenz, mit Hilfe digitaler Medien die Förderung dieser Teilkompetenz zu perfektionieren. Dabei könnte die Arbeit mit diesen Seiten im Unterricht und ergänzend zu Hause wie ein Selbstläufer gehandelt werden: Die Erfahrung der Lehrkräfte sagt, dass die Kinder viel mehr als sonst lesen, die Quantität wird mit Qualität gleichgesetzt – der Anreiz wird durch Vergabe von Punkten und Speicherung der Ergebnisse hoch gehalten. Eine Urkunde bekommt der „Lesekönig“. So kann lediglich eine Informationsentnahme erhoben und bewertet werden, die für das komplexe Verständnis literarischer Texte, Lesevergnügen und daraus resultierender längerfristiger Lesemotivation höchstens eine Basis schaffen kann.
Ohne Frage ist Leseförderung in diesem Sinne wichtig und nötig, denn ohne Basisverständnis eines Textes können auch keine erweiterten Kompetenzen erworben werden.
Insgesamt geht es jedoch darum, den Begriff der Lesekompetenz/Leseförderung zu erweitern (Hurrelmann 2003). Literarischen Kindertexten müssen von Anfang an zusätzliche Übungsfelder eröffnet werden, und diese Arbeit an Texten ist mit der Grundschulzeit nicht abgeschlossen. In Veröffentlichungen z.B. von Prof. Dr. K.H. Spinner wird seit längerer Zeit auf eine Verengung des Begriffs "Lesekompetenz" hingewiesen und zehn Aspekte literarischen Lernens in der Grundschule zusammengestellt.
Darüber hinaus ist zu beobachten, dass in der Lebenswelt der Kinder Printmedien seit geraumer Zeit nicht mehr als Leitmedium zu betrachten sind. Lange vor Schuleintritt spielen Fernsehserien, Hörkassetten/CDs und Videos eine wichtige Rolle. Kinderliteratur ist häufig zunächst als Hörspiel, Film oder Zeichentrickserie bekannt, bevor in der Schule die traditionelle Schriftversion vorgestellt wird.
Im Unterricht könnten gerade die Möglichkeiten der neuen Medien umgekehrt kreative und handlunsorientierte Zugänge zu (Print-)Texten schaffen und so weitere anzustrebende Lesekompetenzen fördern.
Auf den folgenden Seiten wird versucht, den Hinweis auf Leseförderung im Sinne "literarischen Lernens" herauszustellen und bestehende Angebote auf unseren Seiten als Schwerpunkt zu bündeln und zu vernetzen.
Literatur:
Spinner, Kaspar H.: Literarisches Lernen in der Grundschule. In: Kinder-/Jugendliteratur und Medien in Forschung, Schule und Bibliothek, kjl6m 07.3, kopaed München
Waldt, Kathrin: Literarisches Lernen in der Grundschule, Baltmannsweiler 2003
Hurrelmann, Bettina: Leseleistung - Lesekompetenz; in Sonderheft Texte lesen - Texte verstehen, Praxis Deutsch, Seelze 2003
Hurrelmann, Bettina: Lesen als Basiskompetenz in der Mediengesellschaft; in Schüler 2003, Lesen+Schreiben,  Friedrich verlag
Die Grundschulzeitschrift Nr. 197/2006, Kind und Literatur 
Die Grundschulzeitschrift Nr. 204/2007, Lust auf Lesen
Grundschule Deutsch Nr. 17/2008
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