Rechenschwäche
Grundinformation für Lehrerinnen, Lehrer und Eltern
Rechenschwäche ( Dyskalkulie, Arithmasthenie) ist eine Teilleistungsschwäche. In der Literatur wird der Begriff „Teilleistungsschwäche“ jedoch in verschiedener Bedeutung gebraucht. Für manche Autoren impliziert dieser Begriff einen Hinweis auf Ursachen der Rechenschwäche im Sinne von (teilweise) gestörten Basisfunktionen. Dieser Zusammenhang ist wissenschaftlich nicht untermauert ( O. Thiel 2001 ). In einem anderen Sinne bezeichnet der Begriff „Teilleistungsschwäche“ eine Schwäche, die nur „in einem einzelnen Teil des Gesamtspektrums schulischer Leistungen auftreten kann.“ ( O. Thiel, 2001, S. 13).
Nach WHO/ ICD 10 (Internationale Klassifikation psychischer Störungen 1995, S. 277 ) ist die Rechenschwäche folgenderweise beschrieben:
„Rechenstörung: Beeinträchtigung von grundlegenden Rechenfertigkeiten. Diese Störung beinhaltet eine umschriebene Beeinträchtigung von Rechenfertigkeiten, die nicht allein durch eine allgemeine Intelligenzminderung oder eine eindeutig unangemessene Beschulung erklärbar ist. Das Defizit betrifft die Beherrschung grundlegender Rechenfertigkeiten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division, ...“
Es gibt keine von allen akzeptierte Definition der Rechenschwäche. Entsprechend lässt sich nicht festlegen, in welchem Umfang und mit welcher Nachhaltigkeit Rechenschwierigkeiten vorliegen müssen, damit die Diagnose „Rechenschwäche“ gestellt werden darf. Es gibt jedoch Kinder, die in Mathematik „einer Förderung jenseits des Standardunterrichts bedürfen ( Lorenz 1991).“
Bis zur Einschulung haben Kinder bereits wichtige Entwicklungsabschnitte absolviert, die i.d.R. auch Erfahrungen im Sinne früher mathematischer Konzepte einschließen. Wenn dies nicht in ausreichendem Maß geschehen ist, fehlt den Kindern die Verständnisgrundlage für mathematische Lerninhalte ganz oder teilweise. Der Erfolg des Rechenlernprozesses ist von Anfang an gefährdet. Für diese Kinder wäre es notwendig, dass ihre Lernschwierigkeiten erkannt werden, noch ehe sich aufgrund von Misserfolgserlebnissen weitere Fehlentwicklungen manifestieren. Derzeit laufende Forschungsvorhaben beschäftigen sich mit der Früherkennung von Rechenschwäche. Es sind bereits Tests auf dem Markt, mit denen mathematische Fähigkeiten im Schuleingangsbereich erfasst werden können.
Verfasser: Rainer Schreier, Sonderschulrektor, Förderschule Weilheim a.d.T.