Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Kontroverse Ganztagsschule
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Strukturierte Kontroverse -

Unterrichtsbeispiel
Weiterführende Schulen

A) Pro:
Was spricht für eine Ganztagesschule?

Die Vorteile einer Ganztagesschule liegen auf der Hand.
Keine Hausaufgaben mehr, die du zu Hause alleine oder mit Hilfe deiner Eltern machen musst. Entweder die Hausaufgaben entfallen ganz oder ihr könnt sie in der Schule gemeinsam machen und bei Problemen gleich eine Lehrerin oder einen Lehrer fragen. Das bedeutet keinen Streit mehr mit deinen Eltern wegen nicht gemachter Hausaufgaben!
Außerdem kannst du den ganzen Tag mit deinen Freunden zusammen sein und musst dich nicht erst für den Nachmittag mühsam verabreden.
Wenn deine Eltern mittags arbeiten müssen, sind sie froh (du bestimmt auch), wenn du in der Schule etwas Warmes zum Mittagessen bekommst. Zudem sind Kinder berufstätiger Eltern mittags nicht mehr alleine sondern haben am Nachmittag „Freizeit - und Bildungsangebote“ in der Schule. Dies bedeutet, dass am Nachmittag nicht nur zusätzlicher Unterricht stattfinden muss, sondern auch mehr Zeit für gemeinsame Projekte, AGs und vieles mehr ist.
Die Lehrer lernen dich so von einer anderen Seite kennen (du sie auch) und können dich besser in deiner persönlichen Entwicklung unterstützen. Sie haben mehr Zeit, dir etwas zu erklären oder dich bei Problemen zu unterstützen.
Und hier noch ein letztes Argument für eine Ganztagesschule: sie ist gerechter! Bei einer Ganztagesschule ist es nicht wichtig, ob deine Eltern reich sind und dir einen Nachhilfelehrer, die Musikschule und den Sportverein zahlen können. Viele dieser Angebote finden dann in der Schule für alle - reich oder arm - statt.

B) Kontra:
Was spricht gegen eine Ganztagesschule?


Die Nachteile einer Ganztagesschule liegen auf der Hand.
Wer möchte schon den ganzen Tag in der Schule sein? Sicher möchtest du lieber heim zu deiner Mutter oder deinem Vater zum gemeinsamen Mittagessen. Außerdem können deine Eltern dir vielleicht manchmal bei den Hausaufgaben oder bei der Vorbereitung auf Klassenarbeiten helfen. Oder du genießt es einfach, nachmittags tun und lassen zu können, was du willst.
Vielleicht hast du dir bisher am Nachmittag dein Taschengeld aufgebessert, z.B. durch das Austragen von Zeitungen. Solche Nebenjobs sind bei einem ganztägigen Schulbetrieb nicht mehr oder nur noch abends möglich.
Viele Eltern haben Angst, dass sie keine Zeit mehr mit ihren Kindern haben und sie dann auch nicht mehr erziehen können, wenn sie den ganzen Tag in der Schule sind. Außerdem befürchten die Eltern, dass ihre Kinder in Ganztagesschulen keine Zeit mehr für andere Freizeitaktivitäten haben, wie z.B. Spielen mit Freunden, Sport machen, Musizieren,...
Die Lehrer sorgen sich um ihre Zeit, die sie bisher freier einteilen konnten, z.B. morgens Unterricht, nachmittags Zeit für ihre eigenen Kinder, abends Vorbereitung für die Schule.
Ein weiterer großer Nachteil: die Ganztagesschulen kosten mehr Geld. Die Schulen brauchen z.B. eine Küche und Speiseräume zum gemeinsamen Essen, Betreuungsräume, das betreuende Personal (z.B. Lehrer) muss bezahlt werden und die Nebenkosten, wie z.B. Heizkosten steigen.

Ganztagsschule

Lehrerinformationen* zur Folie:
Ganztagesschule

(Programm for International Student Assessment) ist eine internationale Schulleistungsstudie. Sie ist ein Kooperationsprojekt der OECD-Mitgliedstaaten (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung). In den 32 Teilnehmerländer wurden insgesamt 265000 Schülerinnen und Schüler darauf hin getestet, wie gut sie auf die Wissensgesellschaft vorbereitet sind. Ausschlaggebend war hier PISA weniger Faktenwissen, als das Verständnis und die Fähigkeit selbständig zu denken und Schlüsse zu ziehen. Dabei wurden schülerspezifische, familiäre und institutionelle Faktoren erhoben. Untersucht wurden die Bereiche Lesekompetenz (Schwerpunkt 2000), mathematische Grundbildung (Schwerpunkt 2003) und naturwissenschaftliche Grundbildung (Schwerpunkt 2006).
Deutschland hat hier im schlechten Mittelfeld abgeschnitten. Zudem hat sich gezeigt, dass hier das Bildungsniveau stark von der sozialen Herkunft abhängt, Chancengleichheit also nicht gegeben ist.
Seitdem ist eine heiße Diskussion um unser Bildungswesen entbrannt. Alles schaut momentan auf die Länder, die sehr gute Testergebnisse hatten, wie z.B. Finnland oder Kanada, Neuseeland, Schweden. Betrachtet man die Unterschiede, so fällt auf, dass in einigen dieser Länder die Ganztagesschule selbstverständlich ist (z.B. Finnland).
Es stellt sich nun also die Frage, ob unser Schulsystem auch verbessert werden könnte, wenn wir in Deutschland die Zahl der Ganztagesschulen erhöhen würden?
Was ist eigentlich eine Ganztagesschule? Man unterscheidet grob die gebundene und die offene Form, daneben gibt es Mischformen.
Bei der gebundenen Form handelt es sich um einen für alle verpflichtenden Ganztagesunterricht an 3, 4 oder 5 Tagen in der Woche. Alle Schüler solcher Ganztagesschulen essen in der Schule und verbringen eine Mittagfreizeit bis zum Beginn des Nachmittagsunterrichts in der Schule. Wenn die Schüler um 16.00 Uhr oder 17.00 Uhr nach Hause kommen, ist die Schule für sie beendet, Hausaufgaben fallen in der Regel nicht mehr an.
Bei der offenen Form handelt es sich um ein freiwilliges Nachmittagsangebot, zu dem sich die Schüler anmelden können. Auch hier gibt es eine Mittagsverpflegung und verschiedene Nachmittagsangebote, die auch eine Hausaufgabenbetreuung umfassen.

Schüleranweisung: Ihr sollt heute über eine Ganztagesschule diskutieren. PRO: Was spricht dafür? CONTRA: Was spricht dagegen? Dazu arbeiten wir mit der Strukturierten Kontroverse.

* Je nach Altersstufe werden die Informationen nur teilweise an die Schülerinnen und Schüler weiter gegeben und anhand der Folie erklärt (schrittweise Aufdecken)
interner Link  Unterrichtsverlauf
Download Kontroverse "Ganztagsschule" als zip-Datei (1,7MB) Download


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