Schulversammlung - Zentraler Baustein der Werteerziehung
Freitag Morgen, 10..20 Uhr, 200 Hauptschülerinnen und Hauptschüler der Rosensteinschule in Stuttgart machen sich auf den Weg zur Schulversammlung. In der Turnhalle begrüßt sie die Schulleiterin Ingrid Macher. Sie hat heute etwas sehr Erfreuliches zu verkünden: Einmal sind beim Nordbahnhof-Lauf zugunsten UNICEFs fast EURO 900 zusammengekommen. Mit dem Geld unterstützt UNICEF Schulen in Afrika. Zum Zweiten erhält die Schule für ein Sprachförderprojekt einen Zuschuss der Robert-Bosch-Stiftung. Das Projekt ist bereits angelaufen und die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler erhalten ein besonderes Lob. Nach dem Bericht der Schulleitung bringen die Schülerinnen und Schüler ihre Anliegen vor. Eine Schülerin kritisiert die Regel, dass Mädchen keine bauchfreien Shirts tragen dürfen. Sie wird durch viel Applaus aus den Reihen der Schüler unterstützt. Auf die Gegenrede der Schulleiterin reagieren die Schüler mit weiteren Wortmeldungen. Nach einem Auftritt der Samba-AG beschließt Rosi-TV, das Video-Nachrichtenmagazin der Schule, die Schulversammlung.
Schulversammlungen werden an der Rosensteinschule im Rahmen der sozial wirksamen Schule durchgeführt (nach Werner Hopf, SchulVerwaltung BY Nr. 12/2001, S. 412). Dieses Konzept beruht auf autoritativer Erziehung, d.h. Vermittlung von Wertschätzung geht Hand in Hand mit einer Werteerziehung, welche die großen Erziehungsdefizite der Schülerinnen und Schüler aufarbeitet. Konflikte sollen verbal gelöst werden. Die Schulversammlung ist in diesem Prozess das größte Forum. Weitere Elemente sind Streitschlichter und Klassenrat sowie Benimmtraining Medienerziehung und Trainingsraum.
In der Schulversammlung erfahren die Schülerinnen und Schüler Anerkennung für ihr Tun. Anlässe hierfür bietet der Schulalltag genügend. Sei es der Sieg einer Klasse bei einem Wettbewerb oder die Übergabe der Urkunden für die erfolgreiche Teilnahme an einer Streitschlichterausbildung. Wichtig ist, dass die jungen Menschen erkennen, sie haben etwas Wertvolles geleistet und werden dafür geschätzt.
Die Schulversammlung ist aber auch ein Ort, sich mit gegebenen Regeln auseinander zu setzen. Jeder darf sich zu Wort melden und wird gehört. Dabei zeigen die jungen Menschen Respekt vor der Meinung des anderen und üben sich in einer Streitkultur, die sie von zu Hause oft nicht kennen. Vor 200 Menschen oder mehr zu sprechen, ist eine große Herausforderung. Das Selbstbewusstsein wächst mit jeder Wortmeldung. Auch die Lehrerinnen und Lehrer müssen lernen, sich der Kritik zu stellen.
Seit es in der Rosensteinschule regelmäßig Schulversammlungen gibt, hat sich das Schulklima maßgeblich verbessert. Der Begriff der "Schulgemeinschaft" wird darin mit Leben gefüllt. Für die Schülerinnen und Schüler sind die Versammlungen ein wichtiger Lernort für eine lebendige Demokratie.