Frühförderung und frühe Diagnose Autismus
Diagnose-Erstellung: Autismus:
Von pädagogischer Seite möglich:
- Verdachtsdiagnose
- ggf. Diagnosevermittlung gegenüber Eltern, Kindergarten und ggf. Schule, wenn fachärztlich schon gestellt
Die Diagnose Autismus erfolgt durch den Kinder- und Jugendpsychiater als fachärztliche Diagnose. Diagnostische Instrumentarien z.B. ICD 10 oder DSM IV.
Für uns Frage:
Abgrenzung Geistige Behinderung – Autismus mit höheren kognitiven
Strukturen ohne Ausdrucksmöglichkeit
und dann ggf. sinnvolle Betreuung / Förderung:
- Form der Ansprache
- Ort der Förderung
- Ggf. Kindergarten- oder Schulbegleitungen
Bereiche der Auffälligkeit:
- Kontaktstörung
- Beeinträchtigte Handlungsplanung
- Unterschiedlichste Grade der Abstraktionsfähigkeit möglich
- Beeinträchtigte Wahrnehmungswelt
Kontaktstörung
Kontaktaufnahme und Beziehungsgestaltung erscheinen beeinträchtigt. Erscheinungsbilder von massiver Kontaktverweigerung bis hin zu zunächst scheinbarer Kontaktbereitschaft mit dennoch massiven Grenzen in der Beziehungsgestaltung.
Blickkontakt nur zum Teil eingeschränkt.
Dialogfähigkeit nicht verwechseln mit Kontakten nur oder vorwiegend zu Bedingungen des autistischen Kindes. Dialog setzt wechselnde Anpassungsfähigkeit voraus.
Beachten: Spricht das Kind seine Umgebung an, um diese an seinen Beobachtungen, Erlebnissen, Gefühlen teilnehmen zu lassen oder um diese Teilnahme gegenüber anderen auszudrücken? (Soziales Mitschwingen)
Oder sind seine Äußerungen eher zur Befriedigung eigener Bedürfnisse und Wünsche?
Zum Teil (v.a. auch bei Asperger-Bild):
Kontaktpflege geschieht auch teilweise mit Floskeln der üblichen Konversation (Rituale). Wirkt zunächst unauffällig, aber ohne Überblick über die soziale Situation bzw. flexible soziale Handlungsfähigkeit.
Teilweise aspekthaftes tiefes Erkennen eines Gegenübers (Deuten von Stimmungslagen, Erkennen eines Widerspruchs zwischen Sprache und körperlichem Ausdruck) – ohne Möglichkeit, daraus angemessene Reaktionen abzuleiten: Empathiefähigkeit nicht zu bestreiten! Problem: Situations-Überblick und Einschätzung im situativen Kontext.
Annahme: Soziale Kontakte sind unberechenbar, höchst flexibel – lassen alle Möglichkeiten der Reaktion des Gegenübers offen. Diese Flexibilität überfordert autistische Menschen.
Sie versuchen daher u.a.:
- Kontaktvermeidung
- Kontakt ritualisieren – zu eigenen Bedingungen gestalten – Gegenüber instrumentalisieren (ohne Zugeständnis eines eigenen Willens des Gegenübers).
Unangemessene Formen der Kontaktaufnahme können zur Verzweiflung des Kindes führen, weil die erwarteten Reaktionen ausbleiben. Das Kind erkennt aber nicht, warum sein Kontaktbemühen fehlschlägt.
Am schwierigsten ist oft die Situation
- Nichtsprechender autistischer Kinder / Schüler: Finden keinen Ausdrucksweg (auch nicht auf der Ebene der Gestik oder Gebärde!)
- KontaktbereiterKinder / Schüler, die keine angemessenen Wege finden
Bei anscheinend nicht kontaktinteressierten Kindern:
Frage des Menschenbildes: Soll dem Kind hier eine Alternative vermittelt werden – oft gegen den anfänglichen Widerstand?
Zu 1. Aspekte der Kontaktaufnahme und Beziehungsgestaltung:
Kinder im 2. Lebensjahr (hier sind beide 1 Jahr alt) können schon gemeinsam spielen – ein bevorzugter einzelner Spielpartner darf an die gleiche Spielzeugkiste, man beobachtet und verfolgt sich mit Interesse. Beispielbild |
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Verschiedene
Aspekte:
Nähe und Distanz
Unmittelbare räumliche Nähe wirkt oft verunsichernd.
Grenze
oft identisch mit der Weite des Greifraums (unter ca. 60 cm Entfernung
beginnt Verunsicherung):
Spielzeuge oder Gegenstände, die eine distanzierten Dialog zulassen:
- Rohr oder Schlauch
- Angel
- Großer Ball
- Barrieren
Entsprechende Sitzordnung (Blickfeld auf Gegenüber, Abstand durch Plätze bzw. Stühle, Tische oder Sideboards geklärt
Macht und Dominanz
Unterschieden wird oft der Kontakt zwischen verschiedenen Personen:
- Übermächtige Personen (Erwachsene)
- Weniger dominante Personen (Kinder)
Kontaktinteresse des autistischen Kindes gegenüber welcher Art von Kindern / Erwachsenen?
Fremdheit - Vertrautheit
Fremde Personen
- Personen mit Unberechenbarkeit
- Personen, die dem Kind rasch Sicherheit und Berechenbarkeit vermitteln: Im Auftreten, Regeln, Ankündigungen, was sie tun werden.... Grenzen des Kindes erkennen und respektieren
Vertraute Personen:
- Personen mit sicherem Auftreten und Verlässlichkeit
- Personen mit hohem Grand an Unberechenbarkeit fürs Kind
Abwechselnder Spielvollzug
- Zurollen eines Balls hin und her
- Abwechselndes Schieben eines Zuges (Holz-Bahn) – jeder in seinem Teilbereich des Kreises
- Abwechselndes Fahren mit einem Auto: Hin- und her
Teilen von Spielzeug
Gleichzeitiges Benutzen einer Spielzeug- oder Materialkiste mit einem anderen Kind? Jeder darf nehmen. (Z.B. in der Bauecke)
Geben und Nehmen
Kann das Kind Dinge hergeben – die ihm dann wirklich nicht mehr gehören? Kann es Dinge annehmen?
Dinge tauschen
Hergeben von Spielzeug – etwas anderes dafür bekommen
Hergeben von Geld – etwas anderes dafür bekommen
Ausleihen / Verleihen können
Etwas hergeben und erst später wieder bekommen – etwas
ausleihen und wieder zurückgeben müssen: Wird dies verstanden?
(Verstanden
/ akzeptiert ?)
Körperkontakt
Häufig wird von den Kindern Körperkontakt nicht als angenehm empfunden. Nicht immer ist Berührübersensibilität sicher anzunehmen.
Hilfen:
- Die Aufnahme von Körperkontakt ankündigen,
- Körperkontakt kräftig und spürsicher ausführen
Kongruenz des Gegenübers / der Situation (=innere Stimmigkeit)
Die Kinder spüren oder bemerken teilweise deutlich, wenn Stimmung, Tonfall und Inhalt von Äußerungen einer Person nicht zusammenpassen.
Verständnis für Ironie, Spaß
Bei kleineren Kindern ist dies sowieso nicht anzunehmen.
Verständnis für Ironie setzt sicheres soziales / kommunikatives
Regelverständnis voraus.
Spaß und Ironie ist bewusstes Spiel mit dem Regelverstoß. Erst bei
sicherer Regelkenntnis lustig.
Un- /Angemessene Kontaktaufnahme
Teilweise wird Kontaktaufnahme von hinten versucht, z.B. auch
durch Schubsen oder zu heftigen Körperkontakt etc. (Kraftdosierung?).
Ist das Kind hier Beratungsversuchen gegenüber aufgeschlossen ?
Etwa: Hand geben – von vorn
Zu 2. Beeinträchtigte Handlungsplanung:
Im 2. Lebensjahr entsteht ein zunehmend bewusster, gezielter und geordneter Umgang mit Dingen. Hier sind die Tiere ordentlich im Kreis gestellt und schauen sich an. Aus der Sicht Erwachsener vielleicht nicht so ganz geglückt ist der Aufstellungsort Toilettendeckel für Spielzeug und Trinkflasche (situativer Kontext).
Beispielbild
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Aspekte der Handlungsplanung:
- Flexibles Verhalten
- Sichere Verknüpfung von Sprache (Hör- und Denkwelt: Absicht, Plan) und Tun (Spürwelt);
- Bewusstes Verlassen eines Plans – Neuplanung (nicht einfach Plan verlieren)
- Probierverhalten
- Nachahmungsfähigkeit
- Ursache- Wirkung- Erkennen
- Gefahrenbewusstsein
Zu unterscheiden sind demnach z.B:
A. Ritualhaft orientierte Handlungen
(Tätigkeiten)
B. Flexibel orientierte Handlungen
Ritualhaft orientierte Tätigkeiten
- Alltagsverrichtungen mit gleichem Ablauf
- Spiele mit gleichem Ablauf
- Im Malen / Gestalten: Starre Muster: Immer gleiches Bild, Schreibschrift
- Grundrechenarten
- Rechtschreibung
Flexibel orientierte Handlungen
- Sozial handelnde Dialoge
- Probierendes Erkunden neuer Materialien
- Herstellen neuer konstruktiver Problemlösungen
- Malen von neuen Bildern zu fremd gestellten Themen
- Aufsatz schreiben nach fremd gestellten Themen
- Berichtendes Erzählen, Phantasiegeschichten, ....
Aufgaben zu Problemlösungen:
- Lösungen für eigene Bedürfnisse und
dabei Einsatz von Dingen in Bezug zum eigenen Körper
- Sich begehrte Dinge holen mit Hilfe von Personen
- Sich begehrte Dinge holen mit Hilfe von Werkzeug (Tischdecke, Schnur, Stab, Rechen)
- Gebrauch von Löffel, Gabel, Messer
- Stuhl benutzen zum Hochklettern
- Für eigene Bedürfnisse konstruktive Problemlösungen zum Gestalten von Beziehungen zwischen Dingen
- Konstruktive Lösungen beim Bauen, im Spiel
- Häufen und Türmen von Dingen
- Einräumen von Gefäßen, Regalen, Fächern, Schubladen
- Werkzeug gebrauchen zum Musik machen
- Ausprobieren eines Lastwagens mit Verschlussriegeln und Klappen
- mit Lego Duplo
- Brio-Bahn-Kreis schließen
- Bauen mit Konstruktionsproblemen: Z. B: Überbrückungen
- Rekonstruieren von Beziehungen zwischen Dingen:
- Mit Hilfe von Schablonen, Vorlagen, Spürhilfen
- Verwenden von Einlegebrettern
- Stecktürme
- Puzzle wieder herstellen
- Vor der Konstruktion (dem Zusammenbringen von Dingen) steht die Erfahrung mit der Destruktion (dem Trennen von Beziehungen zwischen Dingen)
- Ausräumen
- Fortwerfen
- Abbauen
von Dingen
Erkennen von Ursache und Wirkung:
Antizipation von Geschehnissen:
Gefahrenbewusstsein:
Selbstverletzendes Verhalten:
Tritt selbstverletzendes Verhalten auf ?
Verschiedene Ursachen denkbar: Fehlendes Spüren, fehlendes Vorhersehen
von Folgen / Einschätzen, Spannungsabfuhr etc.
Eine Entscheidung treffen und dies auch meinen. Nicht von den Folgen einer Entscheidung überrascht sein:
- Entscheidungen zwischen 2 Dingen
- Entscheidungen zwischen 2 Personen
- Entscheidungen zwischen 2 möglichen Tätigkeiten
Ambivalentes Verhalten:
Wollen und nicht wollen – hin- und hergerissen sein:
3. Unterschiedlichste Grade und Bereiche des Abstraktionsverständnisses:
Extrem heterogenes Persönlichkeitsprofil möglich.
Handlungsfähigkeit und Ausdrucksfähigkeit z.T. analog dem Bild schwerer geistiger Behinderung, dabei Interessen an Informationsaufnahme und abstrakte Teilinhalten. Differenz zwischen Informationsaufnahme und Reaktionsfähigkeit / Darstellungsmöglichkeit häufig.
Der Generalverdacht eines höheren kognitiven Anspruchsniveaus
/ Anforderungen an eine altersgerechte Ansprache verunsichert uns zum
Teil. Produktiv für GB-Pädagogik!
Aber: Weiter anzunehmen: Auch massive kognitive Beeinträchtigungen
möglich. Autismus nicht mit Asperger-Syndrom gleichsetzen.
Zum Teil auch bei Asperger-Syndrom („high function autism“):
Erheblicher Orientierungsbedarf (v.a. in Bezug auf soziale
Zusammenhänge etc.)
Abstrakte Interessen: Sachwissen, lexikalisches Wissen,
Teilfertigkeiten im reinen Rechnen, Rechtschreibung, ........., hohe
Gedächtnisleistungen
Oft gleichzeitig:
- Transferstörungen (! Flexibilität !)
- geringes Erkennen von Ursache– Wirkungs- Zusammenhängen
- geringes Erkennen von situativen Zusammenhängen, Überblick über Situationen (Soziale Situationen, Wirkungs-Zusammenhänge)
Persönlichkeitsbild passt extrem nicht zu irgendeinem Schul- oder Bildungsprofil.
4. Beeinträchtigte Wahrnehmungswelt:
Annahme: Autismus kann in Verbindung mit einer unorganisierten / zerfallenden / bruchstückhaften Wahrnehmungsverarbeitung erklärt werden.
Modell des Wahrnehmungsaufbaus:
- Modale Welt: Die Wahrnehmungskanäle entwickeln unterschiedliche Wahrnehmungswelten; diese sind (zunächst) nicht untereinander verknüpft
- Intermodale Wahrnehmungsverknüpfung: Sehen, Hören und Spüren / Bewegungsvorstellungen kommen zusammen zu einer gemeinsamen Wahrnehmungswelt
- Seriale Wahrnehmungsverknüpfung: Das Verknüpfen zeitlicher Abfolgen geling, zunächst bei hoch regelhaften, ritualhaften Ereignissen. Eigene Tätigkeiten sind auf der Ebene der Selbstnachahmung, bereits bekanntes wird wiederholt. Tätigkeitsschemata sind dabei selten spezifisch oder situativ angepasst; eher unspezifische Aktivitäten mit den Dingen.
- Intentionale Wahrnehmungsverknüpfung: Es können nun planvolle Tätigkeiten durchgeführt werden, gezieltes Probierverhalten und das Anpassen an neue Situationen gelingt.
- Abstraktionsstufe des Symbolgebrauch und Symbolverständnis (Symbolstufe) wird erreicht: Symbolspiel und „so tun als ob“.
Beeinträchtigungen haben zur Folge:
Bei Störungen im Symbolgebrauch:
Eingeschränkter Symbolgebrauch
- Gebrauch und Deuten von Sprache, von Mimik, Gestik beeinträchtigt
- Einschränkungen im Schriftverständnis
- Einschränkungen im Deuten von Zahlen
- Einschränkungen im Deuten von Bildern, Bildzeichen oder Farbzeichen
Bei eingeschränkter Wahrnehmungsverarbeitung auf der Ebene intentionaler Stufe
- Orientierungslosigkeit in ungewohnten Situationen, bei neuen Dingen und Personen
- Eingeschränktes Erkundungs- und Probierverhalten
- Eingeschränkte Fähigkeit zur Nachahmung
- Handlungsplanungsstörungen
Dadurch ergibt sich die Bevorzugung ritualhafter Orientierungen und Tätigkeiten
Bei Beeinträchtigungen auf einer der Verarbeitungsebenen sind
die darunter liegenden Ebenen gründlich zu prüfen.
Allerdings ist die Symbolstufe nicht logischerweise Konsequenz aus dem
Aufbau modaler – serialer – intentionaler Wahrnehmungsverarbeitung.
Seriale Wahrnehmungsverknüpfung:
Leistungen auf dieser Stufe:
Ritualhafte Erwartungen treten auf. Es können in bekannten Abläufen kommende Ereignisse vorhergesehen werden.
Ausgabe / Darstellungs- oder Verhaltensbereich:
Ritualhaftes Tun. Es wird ein immer gleiches
Verhaltensrepertoire angewendet. Dieses wird zufällig gefunden und kann
dann wiederholt werden (Selbstnachahmung)

Typische
Spielzeuge und Aktivitäten (Alter etwa 5 – 9 Monate): Klopfen,
Schütteln, in den Mund stecken, Dinge aus Gefäßen holen usw.
Die Materialien werden unspezifisch behandelt – alle gleich mit den
vorhandenen Verhaltensschemata.
Es treten Erwartungshaltungen in Bezug auf Alltagsabläufe und Spiel
auf. Beispiel eines interessanten Spielzeugs auf dieser Ebene:
![]() | Die Kugelbahn ist ein typisches Ritual-Spielzeug mit – in der Regel - immer gleichem Ablauf.
Wir variieren hier gerne die Materialien um wechselnde Erfahrungen zu provozieren. |
Beeinträchtigungen:
Bruchstückhaftes Erfassen
von Abfolgen:
Bevorzugung ritualhafter Abläufe bedeutet nicht, dass
hier die Leistungsstärke des Kindes liegt, vielmehr wird hier schon
eine Grenze erreicht.
In der Aufnahme von Information (visuell oder taktil) ist der
fortlaufende Informationsfluss gestört (Seh-Film, Spür-Film). Um ein
sinnvolles Weltbild zu erhalten, benötigt das Kind oft häufige
Wiederholungen.
Informations- Aufnahme / Verarbeitungsebene
Veränderungen von Alltagsabläufen werden nicht akzeptiert
Ausgabe / Darstellung und Verhalten
Eigenes Tun schematisch, keine Variationen, kein
Probierverhalten oder Erkunden neuer Dinge.
Auffälligkeiten können von Eltern erfragt werden. Wie verhält sich das
Kind bei
- Raumwechsel: Spazieren gehen, Einkaufen gehen, zu Besuch gehen
- Es kommt zuhause Besuch
- Im Urlaub, ggf. nach Umzug
- Wechsel von Zuhause in den Kindergarten / Schule (Tagesablauf)
Ritualhafte Abläufe sind z.B. möglich bei:
Mithilfe
im Haushalt bei
- Tisch decken
- Aufräumen
- Mithilfe beim An- und Auskleiden (Alltagsverrichtungen)
Welche Spiele werden bevorzugt ?
Kurze ritualhafte Spielsequenzen:
- Dinge werfen, klopfen, kreiseln, Spiel am Wasserhahn (Geräusch zudeckend!);
- Ggf Stecken, Einfügen (taktile Orientierung!)
- Bauen und Legen: Türmen, Reihen
Lange ritualhafte
Sequenzen:
(Brett- / Regelspiele / PC-Spiele / )
Flexible Sequenzen:
Rollenspiel, Spiellandschaften aufbauen,
Interaktionsspiele (Gruppenspiele)
Beobachtungsaufgaben oder Fragen:
Ist dem Kind ein Dauerbeobachten / Daueraufmerksamkeit möglich?
Z. B: Vertauschte Dosen beobachten; Zuschauen beim Verstecken, dann Dinge suchen; Zuschauen beim Turmbau – Umstoßen – Spiel;
Fernsehen:
Werden Werbesendungen oder Videoclips mit hohem
Wiedererkennenswert bevorzugt oder verfolgt das Kind Filme bzw.
längeres Geschehen?
Immer wieder wird von Eltern berichtet: Bei Filmen / längeren
Darstellungen kein Interesse des Kindes am Zusehen. Man hat den
Eindruck: Geräusche, Farbigkeit steht im Vordergrund (z. B. bei
Zeichentrick o.ä.)
Ggf. werden Spiele mit einem kurzen Auslösemoment und langer selbstlaufender Spieldauer bevorzugt:
- Mechanisches oder elektronisches Spielzeug, das mit einem Knopf ausgelöst werden kann (vgl: Wie Kreisel !)
- Automatische Abläufe (PC – Spiele)
Zur Intermodalen Wahrnehmungswelt:
Leistungen auf dieser Stufe:
Die Intermodale Wahrnehmungsverknüpfung ist zunächst auch nur als punktuelle Verknüpfung von Informationen aus verschiedenen Wahrnehmungskanälen zu denken. Die zeitliche Abfolge der Wahrnehmungsverknüpfung ist erst mit dem serialen Aspekt der Verknüpfung beschreiben.
Beispielbild:
Es ist dem Kind ab etwa 3-4 Monaten möglich, Dinge gezielt zu ergreifen und sich Geräuschquellen mit dem Blick zuzuwenden. Eine minutenlange Ausrichtung der Aufmerksamkeit gelingt. Ein Wiedererkennen von Personen, Gegenständen und unmittelbar erlebten täglichen Situationen ist möglich. | ![]() |
Beeinträchtigungen
der Wahrnehmungsverarbeitung:
Verarbeitungsebene /
Informationsaufnahme
Es können Wahrnehmungen aus verschiedenen Wegen / Kanälen nicht oder nur ungenügend mit einander koordiniert verarbeitet werden.
Oft kann nur gespürt / getan, nur gehört, nur geschaut werden.
Als Reaktion erfolgt:
- Entweder ein rasches Wechseln der Wahrnehmungskanäle ohne dass sich kontinuierliche Informationen ableiten lassen oder
- Ein nur sehr langsames Wechseln von einem Wahrnehmungskanal zum anderen (was die nötige Gleichzeitigkeit der Informationsverarbeitung beeinträchtigt)
Ausgabe / Darstellung und Verhalten
Im Tun auffällig:
- Zuhören und Tun (= Spürwelt) gleichzeitig fällt schwer oder geht nicht
- Schauen und Zuhören oder Schauen, Tun und Zuhören gleichzeitig fallt schwer oder geht nicht
Einzelne Leistungen:
| Aktivität | Verarbeitung |
| Gezieltes Greifen, gezieltes Loslassen, gezieltes Legen und Stellen | Informationen aus der Spürwelt und dem Sehen werden verknüpft |
Auge – Hand – Koordination in Bewegungen: - Umgang mit Werkzeugen (Bleistift, Farben, Schere, Klebstoff.....) |
Informationen aus der Spürwelt und dem Sehen werden verknüpft |
| Druckschrift | Der Bewegungsfluss wird häufig unterbrochen und erfordert visuelle Kontrolle des Tuns. |
| Schreibschrift | Der Bewegungsfluss kann ggf. auch ohne visuelle Kontrolle recht gut gespürt und gesteuert werden ! |
| Richtungshören und Schauen zu Geräuschquellen | Informationen aus dem Hören und Sehen werden verknüpft |
| Entfernungen visuell beurteilen | Informationen aus dem Sehbild und der Bewegungserfahrung werden verknüpft |
Zur modalen Wahrnehmungswelt:
Im Alter von 7 Tagen ist deutlich
erkennbar: Die Spürwelt, die Welt der Bewegung und des Sehens arbeitet
noch nicht zusammen. | ![]() |
Leistungen auf dieser Stufe:
Auf modaler Wahrnehmungsebene müssen erst die einzelnen
Wahrnehmungsräume / Wahrnehmungswelten des Sehens, des Spürens und
Hörens entwickelt werden.
(Modal: bezogen auf einzelne Wahrnehmungsmodalitäten = Kanäle /
Wahrnehmungswelten)
Verarbeitungsebene / Informationsaufnahme
Verhalten /
Darstellung, Augabe:
Beeinträchtigungen der Wahrnehmungsverarbeitung
auf modaler Stufe der Verarbeitung:
Einzelne Wahrnehmungskanäle:
Taktile Wahrnehmung / Berührqualitäten
Übersensibilität
Berührungen werden als unangenehm, bis hin zu schmerzhaft empfunden. Aber: Angekündigte und eindeutige Berührungen (mit Kraft ohne Grobheit) werden häufig eher geduldet. Streicheln und Schulterklaps ist nicht immer Belohnung!Überempfindlichkeit v.a. bei feuchten, klebrigen Eindrücken stärker (Umgang mit Knet, Klebstoff
Untersensibilität
Es werden heftige Spüreindrücke gesucht. Es werden v.a. Bewegungen gegen Widerstand gesucht (Dinge drücken, klopfen, schieben.... sich in Ecken drücken). Ursache auch für schleudernde Bewegungen.Bruchstückhaft oder verzerrt
Auswirkungen:
Aufgaben allgemein:
- Umgang mit Dingen verschiedener Beschaffenheit / Oberflächenqualität /
- z.B: feuchter Knet, kratzige Lockenwickler, Latextiere, .....
- (Allergien erfragen!)
Taktile Wahrnehmung / Tiefensensibilität (Bewegungswahrnehmung)
Übersensibilität
Untersensibilität
- Klopfen, Hämmern
- Schleudernde Bewegungen der Extremitäten
- Hüpfen
Beschleunigungen oder Widerstand erhöhen das Spüren der Gliedmaßen.
Bruchstückhaft
Unsicheres Bewegungsspüren lässt auch die Bewegungsplanungen unsicher
werden, v.a. auch raumgreifende Bewegungen oder systematische taktile
Suchstrategien sind beeinträchtigt.
Verzerrte Bewegungswahrnehmung
Bewerten und Einordnen von Eindrücken / Vorder- und
Hintergrund unterscheiden
Eine umfassende Bewegungsvorstellung umfasst alle Raumrichtungen und alle Körperteile. Es müssen erfasst werden:
- Bewegungsabläufe in allen Richtungen in allen Gelenken: Vorstellung von der Raumlage des Körpers darauf aufbauend
- Vorstellung von der Größe des eigenen Körpers, der Gliedmaßen, von Körperproportionen (Homunculus – Darstellung!)
- Benachbartsein von Körperregionen muss erfasst sein (Spürzonen in ihrer Abfolge, Lage zueinander: An Oberfläche und in Körpertiefe)
Vorder- und Hintergrund-Reize müssen unterschieden werden. Unwesentliche Eindrücke ausgefiltert (z.B. Juckreiz, Spür-Eindrücke durch gewohnte Kleidung, ....)
Aufgaben:
- Aus- und Anziehen von Ringen über den Arm
- Lösen von Umwicklungen mit einem dickem Strick um den Körper
- Krabbeln unter einem Tisch oder Stuhl durch – durch einen engen Schlitz (erkennen: letzteres geht nicht)
Gleichgewichtsempfinden
Übersensibilität:
Gleichgewichtsverlagerungen - ggf. nur in einer Raumrichtung
– und bestimmte Bewegungen wie Beschleunigungen und heftiges Abstoppen
von Bewegungen (Schaukeln, Rutschbahn) werden vermieden.
Untersensibilität
Beschleunigungen wie oben werden u.U. auch exzessiv
gesucht
Bruchstückhaft
Unkonstantes Verhalten in Bezug auf
Gleichgewichtserhalt.
Unsichere Kraftdosierung
Es kommt zu ungenügendem oder zu hohem Krafteinsatz
(Kontaktaufnahme, Ausdrücken von Zahnpasta- oder Klebstoff-Tuben)
Unsicheres Schmerzempfinden (auch
ggf. unsicheres Temperaturempfinden)
Schmerzschwellen /
Schmerzempfinden ggf. zu hoch oder zu niedrig.
Übersensibilität
Rückzug aus Umgang mit Dingen oder Personen als Folge
Untersensibilität
Fehlendes Gefahrenbewusstsein als Folge möglich, unklares Lokalisieren
von Schmerzen, verspätetes oder fehlendes Erkennen von Verletzungen,
Verbrennungen
Weitere körpereigene Wahrnehmungen
Es ist an Herzschlag, Pulsgeräusche, Atmung, Verdauung
zu denken:
Kinder hören in sich hinein, Aufmerksamkeit irritiert durch ggf.
Übersensibilität hierauf
Geruchs- und Geschmacksempfinden
Übersensibilität
Folge ggf.: Es werden nur wenige Gerüche oder
Geschmacksrichtungen geduldet
Untersensibilität
Es
werden starke Geruchs- und Geschmacksempfindungen gesucht
Bruchstückhaft, Verzerrt
Bewerten und Einordnen von Eindrücken
Ggf. wird dem Geschmacks- und Geruchsempfinden eine höhere als die
übliche Bedeutung zugewiesen. Es kommt zu Kontaktaufnahme oder
Erkundung von Dingen durch Riechen, Belecken etc.
Sehen / visuelle Wahrnehmungsverarbeitung
Seh- und visuelle Wahrnehmungsleistungen stellen bereits
ein komplexes Zusammenwirken verschiedener Teilsysteme dar. Hier nur
einige mögliche Aspekte.
Übersensibilität
Z. B. als erhöhte Lichtempfindlichkeit
Untersensibilität
U.U. Augenbohren zum Erzeugen von
optischen Effekten in den Sehnerven
Bruchstückhaft oder verzerrt
Bruchstückhaft: Seh - Sequenzen werden nur
unvollständig erfasst (Bild statt Film, Film-Bruchstücke)
Verzerrt: „Psychedelik“ – Effekte im Sehen
(Ggf. verändertes Farbensehen)
Einordnen und Bewerten von Einrücken
Vorder- und Hintergrund unterscheiden / Figur- und Grund - Wahrnehmung
Starke Detail-Orientierung ohne Erfassen eines Zusammenhangs:
Bildszenen / visuelle Situationen nur aspekthaft erfasst
„Film“ nur aspekthaft erfasst
Wahrnehmung als Einzelbild – kein „Film“: (Ständige
Unterbrechungen im visuellen Wahrnehmungsfluss):
Ggf. fotografische Gedächtnisphänomene (Blick nur kurz auf Dinge
gerichtet – trotzdem gemerkt).
Auf diese Art können v.a. räumliche Anordnungen und Formen erfasst
werden, nicht aber Abfolgen und Wirkungen.
Spezialitäten wie Teilfähigkeiten bei Puzzle, Rechtschreibung,
Lageerkennen (Kartenlesen) können darauf basieren.
Wenn bruchstückhaft (siehe: seriale Wahrnehmung / keine
Daueraufmerksamkeit): Dann Erfassen von Ursache – Wirkungs – Ketten
erschwert!
Sehen erfordert immer auch die Koordination mit Seh-Motorik, etwa zum Blickfolgen (seitlich, nach oben und unten) sowie Blick folgen in die Raumtiefe (Fixationsfähigkeit).
Hören
Übersensibilität
- Häufiges Zuhalten der Ohren
- Panik-Attacken oder eigenes Schreien bei lauten Geräuschen, Klängen, Stimmen
- Paradoxer Weise suchen Kinder dabei ggf. oft laute Umgebung (Sitzen vor Lautsprecher, selbst laut sein)
Untersensibilität / Hörverluste
Bruchstückhaft
z.B: Hör-Sequenzen werden nicht rasch erfasst:
Akustische Wahrnehmung ist an ein flüchtiges Medium gebunden und
dadurch zeit- und tempoabhängig. Erfordert ein hohes Maß an Anpassung
der Wahrnehmung an die Gegebenheiten.
Ungenügendes Sprachverständnis (beim Befolgen von Aufforderungen, beim
Zuhören beim Vorlesen, Erzählen von Geschichten).
Bei Kindern bzw. eingeschränkter Kontaktfähigkeit ist mit Rückfragen
nicht zu rechnen. Sie verstehen / hören einen Teil der Informationen
nicht, können dies aber nicht ausdrücken.
Bevorzugung von Musik-Hören (immer gleiche Stücke), Hörspiel
(Märchen)-Kassetten, PC mit Sprachausgabe (ritualhafte Aufforderungen):
Gleiche Abläufe von Höreindrücken erhöhen Wiedererkennenswert,
Rekonstruktion und Erfassen erleichtert
Vorder- und Hintergrund unterscheiden beim Hören
Höreindrücke überlagern sich häufig. Durch Konzentration auf das
Wesentliche gelingt uns i.d.R. das Ausblenden unwesentlicher
Hintergrundgeräusche. Dies ist nicht selbstverständlich bei allen
Kindern so.
Vor allem im Kindergarten und in der Schule wirkt sich dies aus.
Sprechen mit betonten Schlüsselwörtern erleichtert Verständnis
Verzerrte Wahrnehmung
Einordnen und Bewerten von Einrücken
- Richtungshören
- Unterscheidung von Vorder- und Hintergrund
- Sprachverständnis
Störungen wirken sich durch hohe Ablenkbarkeit bei Hintergrundsgeräuschen aus.
(Gruppengeschehen im Kindergarten, in Schule!)
Auf dem Hintergrund dieser Aspekte desorganisierter Wahrnehmung entsteht eine pädagogische Aufgabe: Orientierungsgebung und Begleitung.
Dies hat auch die
Frage der Führung zum Inhalt. Wir können uns nicht darauf verlassen,
dass autistische Kinder ihren Weg alleine finden.
Zur Verfügung gestellt von:
Wolfgang Heck, Sonderschulrektor, Heilbronn




