Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Neurodermitis
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Krankheitsbilder und pädagogische Konsequenzen

Neurodermitis

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          Definition:

Neurodermitis ist eine chronische beziehungsweise chronisch immer wiederkehrende entzündliche Hauterkrankung.

 

 

Neurodermitis

- ist nicht ansteckend!

- ist oft allergisch bedingt

- ist mit einem starken, quälenden Juckreiz verbunden.

- tritt häufig zusammen mit Heuschnupfen und/oder Asthma auf

- zeigt sich häufig an Arm. und Kniebeugen, am Hals und im Gesicht.

 

 

Übrigens:

Neurodermitis ist noch nicht heilbar, aber meist gut behandelbar!

 

Die genetische Veranlagung spielt für die Manifestation der Erkrankung eine entscheidente Rolle(sogenannte "atopische Reaktionsbereitschaft").

 

Therapie:

- Vermeidung der Auslösefaktoren (Allergene, übermäßiger Stress, Reizstoffe...)

- Medikamentöse Maßnahmen ( antiallergische Arzneimittel, Salben, Cremes, Lotionen)

- UV-Therapie

- Klimatherapie

 

Auswirkungen auf den Unterricht:

Durch den Juckreiz in der Nacht sind die Kinder oft unausgeschlafen. Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit sind demzufolge eingeschränkt. Komplikationen, wie Infektionen der Haut - unter Umständen verbunden mit Fieber - können zu Fehlzeiten führen. Auch unter einer optimalen Therapie kann es in Schüben zur Verschlechterung des Hautzustandes kommen. Eine Schubauslösung durch psychische Belastungen ( Prüfungen, Streit mit Klassenkameraden) ist ein häufig zu beobachtendes Phänomen.
Aus den genannten Gründen ist gegebenenfalls ein Nachteilsausgleich bei Leistungsbewertungen zu berücksichtigen.
Durch die Sichtbarkeit der Krankheitssymptome ist das Selbstwertgefühl häufig herabgesetzt. Dies kann zu Besonderheiten der emotionalen Entwicklung führen (Ängste, Aggressivität, Schuldgefühle, Hilflosigkeit...). Wecken Sie Verständnis bei den Mitschülern und den Kollegen! Bei Bedarf sollte das Krankheitsbild Neurodermitis zum Unterrichtsthema gemacht werden. Die Haut ist ein wichtiges emotionales Kontaktorgan! Kinder mit Neurodermitis leiden unter den Einschränkungen, die sich aus ihrer Erkrankung ergeben. Nehmen Sie diese Schüler ruhig öfter mal in den Arm. Neurodermitis ist nicht ansteckend!
Tägliche, intensive Hautpflege mit fettenden oder befeuchtenden Cremes/Emulsionen beziehungsweise auch cortison- oder teerhaltigen Salben ist notwendig.
Zur Sicherstellung des Therapieerfolges ist die regelmäßige Pflege der Haut u.U. auch während des Unterrichts erforderlich (vor allem beim Sportunterricht nach dem Duschen).
Maßnahmen bei übermäßigem Juckreiz:

- Stress-/Belastungsfaktoren überprüfen (Konflikte mit Freunden, Familie und Schule, Reizüberflutung, Zeit- und Leistungsdruck)
- Kratzstopptechniken anbieten:
o eincremen
o kühlen (pusten, mit Wasser benetzen)
o schonende Kratztechniken einüben (mit Handrücken oder flacher Hand, Stoff- oder Knautschball reiben)
o ablenken durch Beschäftigen der Hände (malen, Therapieknete nutzen, mit Gegenständen spielen)
o etwas tun, das der Spannungsabfuhr dient (ablenken), körperliche und sportliche Bewegung fördern
o entspannen (vorlesen, Phantasiereisen)

Übrigens: Manchmal ist es sinnvoller, das Kratzen zu ignorieren als darauf einzugehen.
Lob und Anerkennung helfen!

Berufswahl:

Jeder Fall ist einzigartig!
Für die Berufsfindung müssen neben den Neigungen und Fähigkeiten des Betreffenden und den Empfehlungen des Berufsberaters auch die Einschätzungen des behandelnden Arztes/Allergologen berücksichtigt werden.

Sport und ausserunterrichtliche Aktivitäten:

Ein dem individuellen Leistungsvermögen angepasster Sport ist in der Regel für den Hautzustand unschädlich und verbessert zugleich die psychische und emotionale Befindlichkeit.
Gerade auch durch den Schulsport kann der drohenden Isolation des betroffenen Schülers entgegengewirkt werden. Sport kann Selbstvertrauen stärken, die Stimmung heben und bewirkt so auch die Reduktion angstbesetzter, psychosozialer Hemmungen.
Nach neuesten Erkenntnissen scheint auch das vermehrte Schwitzen im Sportunterricht - im Gegensatz zu früheren Untersuchungen - nicht schädlich.
Dem Schüler muss aber nach der Sportstunde (bei Bedarf auch während der Stunde) Gelegenheit zu Hautpflegemaßnahmen eingeräumt werden:
- 3 - 4 Minuten lauwarmes Duschen
- leichtes Abtrocknen (Abtupfen) nicht Abreiben der Haut
- Auftragen einer feuchtigkeitsspendenden Salbe
- 10 Minuten Liegen in Ruhe bei leichter Bekleidung
Gegebenenfalls müssen mit dem nachfolgenden Fachlehrer entsprechende Absprachen getroffen werden.
Es ist darauf zu achten, dass der betreffende Schüler zu seiner Sportkleidung auch zusätzlich frische Unterwäsche, Handtuch, einen feuchten Waschlappen und die notwendigen Cremes bereithält.
Bei manchen Kindern stellen Allergene einen wichtigen Provokationsfaktor dar (z.B. Gräser- und Baumpollen). In der entsprechenden Blütezeit sollte dann kein Sport im Freien stattfinden.
Schwimmen:

Auch Schwimmen ist für die meisten Patienten erlaubt. Eine Hautverschlechterung tritt in der Regel nicht auf, wenn das Chlorwasser sorgfältig vor den o.g. Hautpflegemaßnahmen abgeduscht wird.

Grundsätzlich können die betroffenen Schüler an Wandertagen und Schullandheimaufenthalten (nach Absprache mit dem Erziehungsberechtigten) teilnehmen .

Wenn Sie Hilfe und Unterstützung für die Betreuung eines Schüler-Patienten der an Neurodermitis erkrankt ist benötigen, wenden Sie sich an die nachfolgenden Kontaktadressen:

Kontakt: Die Arbeitsstellen Kooperation an den staatlichen Schulämtern und den Regierungspräsidien in Baden-Württemberg und die sonderpädagogischen Dienste.


Dorit Ehmann
Schule für Kranke am Olgahospital
Bismarkstr. 8
70176 Stuttgart
Tel: 0711 / 992 38 50
Fax: 0711 / 992 38 95
E-Mail: d.ehmann@schule-fuer-kranke-stuttgart.de

 


Weitere Informationen unter:

www.pina-infoline.de Extern-Icon
www.allergieklinik.ch Extern-Icon
www.dsdavos.ch Extern-Icon

 

 

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