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Denn die Zeiten ändern sich … Die 1960er-Jahre in Baden-Württemberg

Sonderausstellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg vom 22. Dezember 2017 bis zum 24. Juni 2018

Ein Jahrzehnt des Aufbruchs

Stuttgart (hdgbw) – Wie laut darf die Musik sein? Wie kurz darf der Rock sein? Wie lang darf Männerhaar sein? Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg widmet sich mit seiner Ausstellung „Denn die Zeiten ändern sich“ einem Jahrzehnt des Aufbruchs, in dem die Lebensentwürfe von Generationen mit Wucht aufeinander prallten: den 1960ern.

„Es waren aufregende Jahre, in denen sich im Land so viel veränderte“, sagte Prof. Dr. Thomas Schnabel, der Leiter des Hauses der Geschichte, in der Pressekonferenz zur Ausstellungseröffnung am 21. Dezember. Die Schau betrachtet die Entwicklungen von den späten 1950ern bis zu den frühen 1970ern. „Die langen Sechziger haben auch die Gesellschaft in Baden-Württemberg grundlegend gewandelt und prägen uns bis heute“, so Schnabel.

Ob E-Gitarre, Antibabypille, Protestbutton oder Minirock: Was inzwischen lange Alltag ist, stand damals für ein neues Lebensgefühl. Die Ausstellung „Denn die Zeiten ändern sich … Die 1960er-Jahre in Baden-Württemberg“ im Haus der Geschichte in Stuttgart zeigt vom 22. Dezember 2017 bis zum 24. Juni 2018, wie Jung und Alt über Musik, Moral, Manieren und Mode stritten.

„Jimi Hendrix in Stuttgart, das Minikleid in Oberkollwangen: Die Ausstellungsstücke fügen sich zum Bild des ersten globalisierten Jahrzehnts zusammen, das die internationalen Trends nicht nur in die Städte, sondern auch in die Winkel der Provinz brachte“, erklärte Ausstellungsleiterin Prof. Dr. Paula Lutum-Lenger. Dort wurden sie begierig von einer neuen Generation aufgesogen. Deren Merkmal war nicht nur die Jugend, sondern auch der vom Wirtschaftswunder geschaffene Wohlstand: „Etliche konnten sich nun den Plattenspieler, die Jeans oder gar den Trip nach London leisten.“

Die Besucherinnen und Besucher können im Haus der Geschichte tief in die 1960er-Jahre eintauchen. Die Ausstellung mit ihren sechs Themenbereichen wird von einer großen medialen Installation der langen 1960er umgeben. Diese audiovisuelle Chronologie bettet die regionalen Objekte ein in das nationale und internationale Zeitgeschehen – mit Meilensteinen wie der hendrixschen Gitarren-Rückkopplungsorgie, Martin Luther Kings Vision „I have a dream“, der Mondlandung oder dem Mauerbau.

„Denn die Zeiten ändern sich“ blickt auf Musik, Geschlechter, Kleidung und Jugendclubs, auf Protest und Eskalation. Mit Rock’n’Roll und Beat, mit den Frisuren und Klamotten der Musiker grenzten sich die Jugendlichen von der Elterngeneration ab. In der Ausstellung zeugen Raritäten wie Aufnahmen vom Hendrix-Konzert in Stuttgart, Singles von Joy and the Hit Kids und Objekte der Caverns oder der Shatters von großen Vorbildern und begeisterten Amateurbands.

Die Zeit schuf ihre Stars: Ein Stuttgarter Musikhändler hielt sogleich den Stuhl in Ehren, auf den sich Jimi Hendrix beim Einkauf in seinem Geschäft gesetzt hatte. Ein Aktivist aus der Stadt behielt die Aktentasche, die der Anführer der Studentenproteste Rudi Dutschke bei ihm vergaß.

Der Krieg in Vietnam, die Notstandsgesetze, die Erschießung von Benno Ohnesorg und das Attentat auf Rudi Dutschke trieben in Freiburg, Konstanz und Tübingen Studenten auf die Straße. Vor allem in Heidelberg eskalierten die Proteste immer wieder. Die Ausstellung berichtet von Blockaden, fliegenden Steinen, Schlagstockeinsätzen und Wasserwerfern.

Konflikte gab es auch, wo sich die junge Generation Räume eroberte: bei der Party zuhause, im Jugendclub, beim Beatkonzert in der Stadthalle, auf der Straße. „Denn die Zeiten ändern sich“ wirft den Blick hinein in politische und unpolitische Clubs. Film- und Tonaufnahmen zeigen, wie in der Cannstatter Diskothek „Conny“ getanzt und gefeiert wurde. Fotos dokumentieren, wie der österreichische Aktionskünstler Otto Muehl bei der Eröffnungsveranstaltung der „Bastion“ in Kirchheim/Teck für einen Skandal sorgte. In den SDR-Nachrichten von 1969 war ein Thema, wie die Polizei den „Roten Turm“ in Karlsruhe räumte.

Die Schau im Haus der Geschichte macht deutlich, was neu war, was sich änderte und was blieb: Für eine vielfältiger werdende Gesellschaft, Bürgerinitiativen oder die Frauen-, Friedens-, Umwelt- und Anti-Atomkraft-Bewegung wurde der Boden in den 1960ern bereitet.

Auch das Begleitprogramm weitet das Thema: Diskussionen mit Zeitzeugen wie Gretchen Dutschke-Klotz zum „Mythos 1968“ und Auftritte von Original-Beatbands wie The Caverns gehören ebenso dazu wie gemeinsame Führungen mit der Staatsgalerie und die Kinderfilme „Pippi Langstrumpf“ und „Die Konferenz der Tiere“ auf Original-Zelluloid. In Kooperation mit der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart entstehen ein Live-Hörspiel sowie ein Programm mit Neuer Musik und ein Jazz-Rock-Konzert, in dem Erfahrung und Jugend gemeinsam jammen.


Informationen zu „Denn die Zeiten ändern sich …“ und zum Begleitprogramm finden sich im Internet unter www.die60er-jahre.de

 

Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Kommunikation

Joachim Rüeck

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