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Fachtagung Lese- und Literaturpädagogik in Mainz

Rund 70 Teilnehmer aus Bibliotheken, Initiativen, Museen, Schulen und Verbänden aus ganz Deutschland nahmen an der ersten Fachtagung Lese- und Literaturpädagogik des Bundesverbands Leseförderung (BVL) in Mainz teil. In ihrem Eröffnungsvortrag erweiterte Kirsten Boie das Tagungsthema „Vielfalt gestalten“, indem sie von ihrem Engagement in Swasiland berichtete.

Ob in Swasiland oder in Deutschland – zum Lesen braucht es nicht viel: Literatur, Motivation und Zeit. Darin unterscheiden sich Kindheiten in Swasiland und Deutschland allerdings. Die Angebotsvielfalt der in Deutschland lieferbaren Kinder- und Jugendliteratur ist phänomenal, in Swasiland gleich null. In Deutschlandtrat anstelle der mündlichen Erzählkultur die Schrift- und Buchkultur, aus der sich eine breit aufgestellte Medienkultur entwickelt hat. In Swasiland folgt der mündlichen Erzählkultur das Dashphone – sofern es ein Stromaggregat, einen vollen Akku oder eine Internetverbindung gibt. Da und dort braucht es Vermittler und Lesevorbilder, die Kinder die Selbstwirksamkeit des Lesens erlebbar machen. Oder wie Stefan Gemmel erzählte, eine Deutschlehrerin, die ihre eigene Begeisterung an ihre Schüler weitergab.
Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass die „Tradition des Vergnügungslesens“ – die es übrigens in Swasiland gar nicht gibt – mehr gepflegt werden und sich auch in der Auswahl der Schullektüre zeigen sollte. Manuela Hantschel, Vorstandsmitglied des BVL, betonte in diesem Zusammenhang die Kompetenz von Lese und Literaturpädagogen. Die arbeiten nicht anstelle von Lehrkräften in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen, sondern ergänzend, um einmalige oder langfristige literaturpädagogische Projektedurchzuführen oder zu beraten. Unterstützend ist auch das Engagement ehrenamtlicher Lesepaten zu verstehen, die familienähnliche Lesesituationen ermöglichen. Ob in Kindertagesstätte, Schule, Bibliothek oder einem anderen Lernort: Alle lesefördernden Maßnahmen und literaturpädagogischen Angebote zur Entwicklung der Lesekompetenz sind zu wichtig, als dass sie dauerhaft unterfinanziert oder ins Ehrenamt verlagert werden können.
„Die Quellen sprudeln lassen für Kunst und Kultur“ lautete eines der Workshop-Themen, die am Nachmittag zur Wahl standen. Christiane Steinmetz führte in die Grundlagen des Fundraisings ein, ohne dessen Erlöse manches Kulturprojekt nicht finanzierbar wäre. Gelingendes Fundraising setzt eine gute Planung und die exakte Formulierung von Zielen voraus, die auch in die Pressearbeit einfließt. Nur wer überzeugendformuliert und regelmäßig informiert, wird wahrgenommen, gab Christiane Franke den Teilnehmern ihres Workshops zu bedenken. Den zweiten Aspekt des Tagungsthemas „Selbstwirksamkeit stärken“ griff Birgit Mehrmann in ihrem Workshop auf, indem sie literaturpädagogisches Arbeiten mit Geflüchteten vorstellte. Komplettiert wurde das Workshop-Programm durch Christian Kortes kurzweilige Informationen über den Umgang mit Bildrechten. Anhand von Beispielsfotos erläuterte er, worauf bei der Veröffentlichung von Fotografien zu achten wäre, was zu regen Nachfragen seitens der Teilnehmer führte. Die Präsenz der Wanderausstellung „1000 Bücher – 1000 Sprachen“ sowie einige Infostände rundeten das Programm der Fachtagung ab, die in Kooperation mit der Eva Pfitzner Leserattenservice GmbH und dem Kulturbüro Rheinland-Pfalz durchgeführt wurde, gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland Pfalz, dem Beltz-Verlag sowie der Waldemar-Bonsels-Stiftung.
Der Bundesverband Leseförderung (BVL) wurde 2009 gegründet. Der Verband ist offen für die Zusammenarbeit mit allen, die sich für Leseförderung stark machen. Zur Qualitätssicherung lesefördernder Maßnahmen wurde die Weiterbildung Lese- und Literaturpädagogik konzipiert. Sie wird von Partnerinstitutionen angeboten. Das Schirm-Duo des Verbands bilden die beiden Kinderbuchautoren Kirsten Boie und Paul Maar.



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