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Kooperation und gemeinsame Aufarbeitung 100 Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges

„Zeitenwende 1918/19“ verbindet als Europas größte grenzüberschreitende Ausstellungsreihe Frankreich, Deutschland und die Schweiz - im Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Am 11. November 1918 endete der Erste Weltkrieg. Europa wurde fundamental verändert, zahlreiche neue Staaten entstanden. Wie unterschiedlich das Ereignis aber in den verschiedenen Ländern erinnert wird, zeigt das Projekt „Zeitenwende 1918/19“ am Beispiel von Frankreich, Deutschland und der Schweiz. Mit 30 Ausstellungen ist es Europas größte grenzüberschreitende Ausstellungsreihe zum Kriegsende vor 100 Jahren. Die Große Landesausstellung „Vertrauensfragen. Der Anfang der Demokratie im Südwesten 1918-1924“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg schaut auf die Revolution und der jungen Republik beim Wachsen zu, macht die Anstrengungen, Hoffnungen und Ängste der Frauen und Männer von damals sichtbar – und verdeutlicht, wie aktuell die Themen noch heute sind.
In Frankreich ist die Erinnerung an den Ersten Weltkrieg weit verbreitet. Dies zeigt auch die Bezeichnung „Grande Guerre“, der Große Krieg. Sein Ende am 11. November ist jedes Jahr Feiertag. Anders in Deutschland, wo Viele an diesem Tag eher an den Beginn des Karnevals denken,  oder, ebenso wie in der Schweiz, mit dem Martinstag in Verbindung bringen. „Zeitenwende 1918/19“ versucht nun mit einem gemeinsamen Blick über den eigenen nationalen Tellerrand zu blicken.
4 Jahre lang haben sich die beteiligten Museen am Oberrhein und den benachbarten Regionen regelmäßig im Dreiländereck getroffen und ihre jeweiligen Ausstellungskonzeptionen miteinander ausgetauscht. Bis zum 11. November sind 26 Ausstellungen in den drei Ländern eröffnet, 4 weitere Ausstellungseröffnungen folgen in den kommenden Wochen. Nach hundert Jahren erfolgt dabei auch eine Neubewertung der historischen Ereignisse und ein offener Diskurs, wie er bislang so noch nicht möglich war. 

Die Überblicksausstellung der Reihe zeigt das Dreiländermuseum in Lörrach nahe dem Dreiländereck. Sie bietet mit über 300 Exponaten in inszenierten Räumen einen eindrucksvollen Vergleich der Situation von Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Die übrigen Ausstellungen zeigen spezifische Themen. Auffallend bei den deutschen Ausstellungen ist, dass sie die Weimarer Republik erstmals nicht mehr als eine Zeit der Krise behandeln, die letztlich in den Nationalsozialismus geführt hat. Vielmehr betonen sie jetzt auch die neuen sozialen und politischen Errungenschaften, die mit Ende des Krieges möglich wurden. Beispiele sind die Große Landesausstellung „Vertrauensfragen“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart, die bis zum 11. August 2019 zu sehen ist, oder die Ausstellung zum Frauenwahlrecht im Historischen Museum Frankfurt. Im Elsass wird nicht anfängliche Freude über die Rückkehr zu Frankreich thematisiert: Umfassend werden auch schwierige Themen öffentlich angesprochen wie die massiven Auseinandersetzungen um die Wiedereingliederung in den französischen Staat und die Vertreibung von 120.000 sogenannten Altdeutschen. Dazu werden in Colmar und Straßburg in diesen Tagen Ausstellungen eröffnet. Schweizer Ausstellungen thematisieren erstmals auch die bürgerkriegsähnlichen Verhältnisse während des Landesstreiks, insbesondere im Neuen Museum Biel. Auffallend für die Ausstellungsmacher ist, wie wenig Deutsche und Franzosen diese schwierigen Entwicklungen in der Schweiz kennen.   
Viele weitere Themen greifen die Ausstellungen außerdem auf: Kunst, Kultur und Literatur, das Totengedenken und die Pflege der Schlachtfelder in den Vogesen oder die Entmilitarisierung Badens. Die Ausstellungen haben verschiedene Laufzeiten; viele sind noch über den Winter geöffnet. Spezifische Informationen bietet die Website des Netzwerks Museen unter 
www.netzwerk-museen.eu in deutscher und französischer Sprache.