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Buch des Monats Februar 2014

Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren (ab 14 Jahren)


Sarah N. Harvey: Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren

dtv Reihe Hanser, 2013
ISBN: 978-3-423-65001-4
Taschenbuch, 240 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahre
Übersetzung aus dem Englischen: Ulli und Herbert Günther
Ersterscheinung Oktober 2013

Der 16-jährige Royce zieht mit seiner Mutter Nina von der Ostküste an die Westküste von Kanada, da sein 95-jähriger Großvater Arthur sich nach einem Schlaganfall nicht mehr selbst versorgen kann. Royce muss sein bisheriges Leben aufgeben für einen Großvater, den er noch nie getroffen hat. Über 6000 Kilometer trennen Royce nun von seiner vertrauten Umgebung, seinen Freunden und der ersten großen Liebe, und er kann sich nur schwer in seinem neuen Leben einfinden. Mehrere Monate vergehen, ohne dass Royce sich wirklich einlebt: Er sucht keinen Kontakt zu anderen Jugendlichen, und als er am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt und die Schule monatelang nicht mehr besuchen kann, nimmt er dies zum Anlass, sich erst recht zurückzuziehen.

Auch für seine Mutter Nina ist die Situation nicht einfach: Der Zustand des Großvaters verschlechtert sich zusehends und Nina muss sich eingestehen, dass es nicht mehr ausreicht, alle zwei Tage bei Arthur vorbeizuschauen – er braucht tagsüber dringend eine Pflegekraft. Als Royce von seiner Mutter das Angebot bekommt, seinen Großvater für Geld zu pflegen, nimmt er es an. Vielleicht reicht das angesparte Geld für ein Auto, mit dem er abhauen und zurück an die Ostküste fahren kann?

Arthur empfängt seinen Enkel an dessen erstem Arbeitstag alles andere als einladend. Royce hat es nicht leicht mit dem griesgrämigen, unfreundlichen und egoistischen alten Herrn. Einst war Arthur ein weltberühmter Cellist, nun sitzt er bei zugezogenen Vorhängen in seinem Haus, flucht ununterbrochen, sieht den ganzen Tag fern und lässt sich dabei von seinem Enkel bedienen. Royce wird von Arthur ständig schikaniert und kritisiert und nur der Gedanke an das viele Geld, das er verdienen wird, hält ihn bei der Stange. Doch mit der Zeit kommen sich die beiden näher. Dabei spielt der Oldtimer des Großvaters, ein schwarzer Ford Thunderbird Cabrio, eine entscheidende Rolle. Der Großvater öffnet sich immer mehr und beginnt von früher zu erzählen, und auch Royce lebt merklich auf, wird wieder aktiver und fitter und die beiden haben sogar ab und zu Spaß miteinander. Doch erst als Arthur nach einem erneuten Schlaganfall ins Krankenhaus muss, wird deutlich, wie nahe sich die beiden inzwischen stehen.

Der Autorin Sarah N. Harvey gelingt es in ihrem Buch, schwierige Themen wie Alter, Krankheit und Tod mit viel Humor und Leichtigkeit zu behandeln. Die Charaktere werden vielschichtig dargestellt, und so wie Royce und sein Großvater sich aneinander annähern, so schließt auch die Leserin/der Leser die Hauptfiguren mehr und mehr ins Herz. Gleichzeitig fühlt man mit Royce mit, als sein Großvater im Krankenhaus liegt und Royce zwischen Schuldgefühlen und Mitleid schwankt. Er wird nun mit der Frage konfrontiert, wie er seinem Großvater zwischen Leben und Tod am besten beistehen kann. Selbst wenn man bei diesem Buch auf kein gutes Ende im klassischen Sinn hoffen kann, vermittelt das Buch Lebensfreude und lässt die jugendlichen Leserinnen und Leser nachdenklich und gleichzeitig auch erfüllt zurück.

 

(SK, Arbeitskreis Lesen)

Das Cover für " Sarah N. Harvey: Arthur oder Wie ich lernte, den T-Bird zu fahren" wurde uns mit freundlicher Genehmigung von www.dtv.de zur Vefügung gestellt.