Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.

Bücher des Monats Februar 2017

Marcus Pfister: Kleine Ente du bist stark ( ab 4 - 6 Jahren)

Edith Schreiber- Wicke: Es schnurrt und schnattert, surrt und flattert (ab 4 - 6 Jahren)

Regina Kämper: Amina, Erdal, Njami und die anderen (ab 6 - 9 Jahren)

Ilona Einwohlt: Nonstop online? (ab 11 Jahren)


Marcus Pfister, nach einer Idee von Antonia Schmidhauser: Kleine Ente du bist stark

Verlag: Nord Süd 2016
lllustrator: Marcus Pfister
ISBN - 13: 9783314103353
Gebunden : 40 Seiten
Bilderbuch
Altersempfehlung: ab 4 - 6 Jahren

Weltbekannt wurde der Schweizer Autor Marcus Pfister durch sein Bilderbuch „Der Regenbogenfisch“. Das Vorlese- und Bilderbuch „Kleine Ente du bist stark“ ist sein aktuelles Werk. Hier geht es um eine kleine Ente, die krank ist. Die Idee stammt von Antonia Schmidhauser. Umgesetzt wurde das Vorhaben mit Unterstützung des Schweizer Fördervereins für Kinder mit seltenen Krankheiten.
Die kleine Ente Lina ist alleine Zuhause, während ihre draußen Freunde spielen. Das kennt sie nicht anders, da sie schon immer sehr krank und zu schwach ist, um mit den anderen mitzuhalten. Trotzdem ist sie gut gelaunt und lacht viel. Die Einschränkung der kleinen ente wird nicht dramatisch dargestellt, sondern einfühlsam beschrieben. Lina weckt Mitgefühl bei den Kindern ohne Mitleid zu erheischen. Sie will nicht bedauert werden sondern macht Mut und zeigt, wie wichtig wahre Freundschaften sind. Linas Freund, der Frosch Fredi, besucht die kleine Ente und weist sie auf ihre Stärke hin. Bei den anderen Tierkindern kann sie ihre spezielle Begabung einsetzen. Die kleine Ente freut sich über ihr Können, welches es ihr leichter macht, mit ihrer Krankheit umzugehen.
Die Kinder lernen eine kleine Ente kennen, die ihre Krankheit tapfer annimmt. Die Bilder sind schön gemalt, ansprechend und sehr aussagekräftig. Die kleinen Leserinnen und Leser fühlen mit der kleinen Ente und freuen sich mit ihr über das Ende der Geschichte. Nachdem Lina ihre Stärke entdeckt hat, scheint es der kleinen Ente besser zu gehen.

Die Geschichte eignet sich für Kinder ab 4 Jahren. Hier werden Werte vermittelt, die den Kindern zeigen, dass jede und jeder eine Stärke hat. Besonders die Botschaft, schau auf deine Stärken, auf deine speziellen Fähigkeiten und nicht so sehr auf deine Ängste und Schwächen, wird kindgerecht und berührend dargestellt. Die Anschaffung dieses schönen Buches lohnt sich.



M.S Ideenpool Lesen


Edith Schreiber- Wicke: Es schnurrt und schnattert, surrt und flattert

Untertitel/Originaltitel: Lauter Lautmalereien

Nord-Süd-Verlag 2015
Illustratorin: Carola Holland
ISBN-13: 978 3 522 437943
Gebunden: 32 Seiten
Bilder - und Vorlesebuch
Altersempfehlung: ab 4 - 6 Jahren

Kinder lieben es, Reime zu suchen und lautmalerische Ausdrücke zu finden und auszusprechen. Die Autorin Schreiber-Wicke lädt zusammen mit der Illustratorin Carola Holland in Ihren reizvollen Bilderbüchern zum Selberdichten, Weiterreimen und Entdecken ein.
In ihrem aktuellen Bilderbuch stecken viele Reimgeschichten, mit denen das Jahr lautmalerisch begleitet wird. Für jeden Monat gibt es eine Doppelseite mit einem den Monat repräsentierenden Bild und passenden Reimen, die vielen lautmalerischen Verben sind fett gedruckt. Die Textseiten mit den beiden Vierzeilern, die den jeweiligen Monat durch fantasievolle Verben und Adjektive erfahrbar machen, finden mit einem Zweizeiler am Ende der Seite, bei dem das letzte Reimwort fehlt, ihren Abschluss. Den Kindern, denen dies vorgelesen wird, fällt es sicherlich nicht schwer, das fehlende Wort weiter zu reimen. Die Auflösung der Rätsel findet man auf der letzten Seite. Hier das Gedicht zum Monat Februar:

Wenn kleine Gespenster mit Ketten rasseln
und Krapfen zischend heiß brutzeln und prasseln,
wenn Prinzessinnen schmatzen und mampfen
und Indianer den Stammestanz stampfen…


… das ist die Zeit, wo´s Konfetti regnet,
auch kann es sein, dass E.T. dir begegnet.
Papierschlangen schleichen und kriechen durchs Zimmer
Und Rüpel rülpsen, aber das tun sie ja immer.


Ein Vogel sitzt in deiner Nähe –
wenn er krächzt, ist es die …. (Krähe)


Das Buch eignet sich zum Einsatz in der ersten oder zweiten Klasse, wenn das Jahr mit seinen Jahreszeiten und den Monaten behandelt wird. Es ist aber auch im letzten Kindergartenjahr von großer Bedeutung und kann zur Schulung der phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinne herangezogen werden. Die Fähigkeiten Reime hören zu können oder selbst Reime zu bilden gelten als Basiskompetenzen im Schriftspracherwerb.
Allerdings stellen die Vielzahl und die große Varietät der Adjektive und Verben eine enorme Herausforderung für Kinder dar, die mehrsprachig aufwachsen oder in einem Elternhaus groß werden, in dem Vorlesen nicht zur alltäglichen Routine gehört. Hier wäre es, auch im Sinne der Nutzung neuer Medien und der Medienerziehung, zielführend, die jeweiligen Wörter durch kurze Videosequenzen oder Fotos zu verdeutlichen.


Blick ins Buch


N.L., C.D. Ideenpool Lesen


Regina Kämper: Amina, Erdal, Njami und die anderen

Untertitel/Originaltitel: Geschichten aus der Deutschstunde

dtv 2016
ISBN-10: 3423640243
ISBN-13: 978-3423640244
Gebunden: 80 Seiten
Altersempfehlung: ab 6 - 9 Jahren
Vorlesebuch

Die Arbeit in Vorbereitungsklassen stellt, selbst für erfahrene Lehrkräfte, eine große Herausforderung dar. In Vorbereitungsklassen zu unterrichten bedeutet, mit verschiedensten Kindern aus unterschiedlichsten Ländern zusammenzuarbeiten, sensibel und einfühlsam auf die speziellen Lebensumstände der Mädchen und Jungen einzugehen und dennoch das Ziel, Deutsch als Zweitsprache zu unterrichten, nicht aus den Augen zu verlieren. Das gelingt am besten mit viel Fingerspitzengefühl, ausreichend Geduld und einer großen Portion Humor.
Wie diese Aufgabe auf anrührende, witzige und handlungsorientierte Weise gelingen kann, ist in Regine Kämpers Buch „Amina, Erdal, Njami und die anderen“ sehr anschaulich dargestellt. Es sind „Geschichten aus der Deutschstunde“, wie der Untertitel lautet, gespickt mit wertvollen und kreativen Hinweisen und Ideen für den Unterricht in Deutsch als Zweitsprache.
Bereits das erste Kapitel verdeutlicht die Atmosphäre, in der dieser Unterricht stattfindet: Jedes Kind wird zunächst mit all seinen Kompetenzen, Besonderheiten und einzigartigen Wesenszügen porträtiert. In den darauf folgenden 28 Kapiteln widmet sich das Buch grammatikalischen Themen des Deutsch als Zweitsprache-Unterrichts. Sensibel, abwechslungsreich und durchwoben mit Selbstreflektionen der Lehrkraft, werden die Unterrichtsgespräche der einzelnen Stundenbilder dargelegt. Sehr unterhaltsam und witzig ist dies u.a. in Kapitel 15 („Tschüss, Puppen!“) geschildert.

Als ein Junge sich offenbar zurückgesetzt fühlt, weil die Lehrerin zuerst die Mädchen begrüßt hat, denkt Regine, die Lehrkraft:

„Jetzt muss ich mir wohl was einfallen lassen“ – und erklärt den Jungen, dass man eigentlich immer die Damen zuerst begrüßt. Das sei höflich! Sie gibt noch mehr Bespiele wie Kavaliere den Damen schwere Sachen abnehmen oder die Türe aufhalten. Am Ende der Stunde, rennt der Jungen zur Tür und hält sie auf – „Ein bisschen hat er offenbar doch verstanden.“, sagt sich Regine.
Herausragend sind die Beschreibungen von Unterrichtssequenzen, in denen sich die Lehrerin auf die Späße der Kinder einlässt und herzlich mit lacht.
Auch die Beschreibung des „Scaffolding“ – einer Methode für den sprachsensiblen Unterricht wird nicht theoretisch vorgenommen sondern entlang des Unterrichtsgeschehens eingeflochten. Die Lehrkraft bietet den Kindern korrekte Sprache an, wenn diese dazu noch nicht in der Lage sind, wie z.B. in Kapitel 8 beim Spiel mit dem Heftpflaster. Jeder darf sich eine Stelle aussuchen, auf die das Pflaster geklebt wird und die anderen müssen raten, was geschehen ist.

Das Pflaster klebt z. B. auf dem Ellbogen.
„Umfall - Inliner“, vermutet Antonia.
„Ja, Antonia,“ sage ich. „Der Njami hat einen Unfall gehabt. Und jetzt hat er sich verletzt. Am Ellbogen“.
„Ich nicht Inliner“, sagt Njami. „Ich Roller gefallt“.
„So jetzt wissen wir´s“, sage ich. „Der Njami ist nicht mit den Inlinern gefallen. Er ist Roller gefahren. Und da kam eine Bordsteinkante. Und da ist er gefallen. Und jetzt hat er einen verletzten Ellbogen“.

Dieses vergnügliche Didaktik-Büchlein ist schnell gelesen und inspiriert große und kleine Leserinnen und Leser, mit viel Spaß am Sprachenlernen beteiligt zu bleiben.


C.D. Ideenpool Lesen



Ilona Einwohlt: Nonstop online?

Untertitel/Originaltitel: Grenzenlos digital unterwegs

Arena 2016
ISBN-13: 978-3-401-50847-4
Klappenbroschüre: 176 Seiten
Altersempfehlung: ab 11 Jahren
Jugendbuch

Das Jugendbuch Ilona Einwohlts „Nonstop online?“, das sich für den Einsatz in den Klassen 6 und 7 eignet, greift ein aktuelles Thema auf: das Leben in der digitalen Welt. Die Hauptfigur Johanna, von ihren Freundinnen Jenny genannt, kommt aus einer reichen Familie, ist hochbegabt, gleichzeitig aber todunglücklich, obwohl sie alles bekommt, was sie sich wünscht. Ihre Eltern legen viel Wert auf Anstand, Prestigeobjekte und den guten Umgang ihrer Tochter, weshalb sie in einer Ganztagesklasse ist, in der nur Kinder aus gutem Haus sind. Viele Mitschüler und Mitschülerinnen sind auf Jenny neidisch, obwohl auch sie gut situiert sind.
Jenny fühlt sich oft alleine und flüchtet schließlich in ihre digitale Welt. Für Freunde ist nun kaum noch Platz. In einem Chatroom, in dem sich Jenny regelmäßig aufhält, fühlt sie sich frei. Eingeschlossen in der virtuellen Welt, läuft sie Gefahr sich in dieser zu verlieren. Sie macht sehr negative Erfahrungen im Chatroom und verabredet sich schließlich sogar zu einem Blind Date. Als sie sich langsam aus der digitalen Welt befreit, ist es fast zu spät.
Der Roman ist als Klassenlektüre geeignet. Er spricht dabei wohl eher Mädchen an, da die Hauptfigur und meisten Nebenfiguren weiblich sind. Für Jungen ist die Lektüre aber auch denkbar, da das Thema „Virtuelle Welt“ sehr präsent ist. Die Figuren sprechen Jugendsprache, wodurch sich die Jugendlichen leicht mit diesen identifizieren können. Im Unterricht sehr gut ansprechbar sind die Gefahren des Internets, die im Roman sehr anschaulich und ohne erhobenen Zeigefinger aufgegriffen werden. Ziel sollte es sein, diese mit den Schülerinnen und Schülern zu erarbeiten und darauf einzugehen, wie man sich im Internet verhalten sollte. Auch der Bereich Rechte und was der Einzelne tun darf, zum Beispiel hinsichtlich der Bildnutzung und -verbreitung sollte ernsthaft benannt werden.
Im Anhang des Buches finden sich weiterführende Tipps zum Umgang mit den digitalen Medien. Sachtexte zu den Themen Cybermobbing, Verhalten im Netz, Urheberrecht, das Recht am Bild werden durch einen Fragebogen, mit dem man testen kann, ob man selbst mediensüchtig ist, ergänzt. Das Material kann während des Unterrichts sehr gut eingebunden werden, ohne dass die Lernenden im Internet oder Handbüchern nachschlagen müssen.
Ergänzend heranziehen kann man die Unterrichtsidee von Microsoft Deutschland „Sicherheit macht Schule“, in der es um digitale Identitäten geht. Das Unterrichtsmaterial der EU-Initiative „klicksafe.de“ zum Thema „Jugendliche im Internet – die neue Generation Sorglos?“ ist passend. Hieri wird auch auf YouNow eingegangen, die sehr beliebte und kostenlose Live-Videostreaming-Plattform.


M.S. Ideenpool Lesen