Bücher des Monats April 2017

Thé Tjong-Khing: Die Torte ist weg! ( ab 4 Jahren)

Andrea Beaty: Wie Rosie den Käsekopter erfand (ab 5 Jahren)

Paul Maar: Neben mir ist noch Platz(ab 8 - 11 Jahren)

Mechthild Gläser: Die Buchspringer (ab 12 Jahren)


Thé Tjong-Khing: Die Torte ist weg!

Originaltitel: Shackleton´s Journey

Verlag: Moritz Verlag 2017
llustratorin: Thé Tjong-Khing
ISBN - 10: 3895653330
ISBN - 13: 978-3895653339
Gebunden : 32 Seiten
Bilderbuch
Altersempfehlung: ab 4 Jahren

Thé Tjong-Khing: Kunst mit Torte

So macht die Beschäftigung mit Kunst Spaß: Statt über wichtige Werke der Kunstgeschichte zu belehren, werden sie in eine spannende Geschichte eingebettet. Frau Hund sitzt mit einem Buch über van Gogh in ihrem Sessel und träumt von einer Kunstausstellung, die sie gemeinsam mit ihren Tierfreunden besucht. Neben vielen wichtigen Malern der Kunstgeschichte ist auch ein Gemälde von Frau Hund ausgestellt, das einen Hund mit einer Torte zeigt. Just dieses Bild wird von einem Kunstdieb gestohlen, und nun beginnt eine wilde Jagd, bei der Frau Hund und ihre Freunde den Dieb durch die unterschiedlichsten Kunst-Landschaften verfolgen: Die Tierschar rennt durch die Weizenfelder van Goghs und die Wälder von Max und Beckmann. Während der Verfolgungsjagd passiert die Tiergesellschaft die schmelzenden Uhren von Dalí und erwischt den Dieb schließlich auf einer Hokusai-Welle. Daneben finden sich Zitate aus zahlreichen weiteren Werken: So lassen sich auf einem einzigen Bild u.a. Vorhänge im Keith-Haring-Stil, eine Skulptur von Henry Moore und der Geiger von Marc Chagall entdecken.
Die temporeiche Geschichte kommt ganz ohne Worte aus: Die sehr klaren und ausdrucksstarken Bilder sprechen für sich und animieren Kinder und Erwachsene, die Geschehnisse allein oder gemeinsam mit anderen selbst in Worte zu fassen und so ihre ganz eigene Version zu formulieren. Dabei finden sich bei aufmerksamer Betrachtung und vielfachem Vor- und Zurückblättern neben dem zentralen Handlungsstrang zahlreiche weitere, oft humorvoll dargestellte Nebenstränge, so dass die Geschichte immer wieder neu erzählt werden kann.
Das Buch kann je nach Sprach- und Erzählkompetenz der Kinder auf ganz unterschiedliche Weise genutzt werden: Während sich jüngere Kinder auf das Entdecken und Benennen einzelner Figuren, Gegenstände und Handlungen beschränken, kann mit älteren bereits die Verfolgungsjagd mit ihren verschiedenen Stationen erzählt werden. Ein weiterer Schritt besteht dann darin, auch die Nebenstränge und die zahlreichen Verknüpfungen zwischen den einzelnen Geschehnissen mit einzubeziehen. Beim Erzählen ergeben sich zahlreiche Möglichkeiten für Sprachhandlungen wie Beschreiben, Begründen oder Vermuten, die anspruchsvolle sprachliche Mittel erfordern. So können die Kinder beispielsweise die Unterschiede zwischen den einzelnen Landschaften beschreiben und erklären, warum das Schwein auf einmal einen Verband am Kopf hat. Oder sie spekulieren über die Gefühle des Diebes und philosophieren über das Thema Gerechtigkeit.
„Kunst mit Torte“ eignet sich auch gut für mehrsprachige Kindergruppen: Das Entdecken und Benennen kann in allen den Kindern vertrauten Sprachen stattfinden. Die Namen der Tiere samt Tiergeräuschen in verschiedenen Sprachen zu sammeln, greift die mehrsprachigen Kompetenzen von Kindern und Eltern auf. Selbstverständlich kann auch die gesamte Geschichte in jeder beliebigen Sprache erzählt werden – vielleicht hören die Kinder dabei heraus, wie Schlüsselwörter wie „Torte“, „Bild“ oder „rennen“ in den verschiedenen Sprachen heißen?

Um die Kunstwerke auf den doppelseitigen Bildern und die eingebetteten Kunstzitate nicht nur als Kulisse für die Jagd zu betrachten, eignen sie sich auch als Grundlage für eine erste Beschäftigung mit Kunstgeschichte. Auf den Umschlagseiten des Buches finden sich kleine, mit den Namen der Maler versehene Bildchen, anhand derer die Maler der zitierten Kunstwerke identifiziert werden können. Und vielleicht bekommen die Kinder auch Lust, selbst Bilder im Stil bestimmter Maler anzufertigen, in der Bibliothek nach Kunstbänden mit den Originalwerken zu suchen oder Bilder dieser Maler im Museum anzusehen? Im Rahmen eines größeren Projektes können die Kinder auch selbst eine ähnliche Geschichte erfinden, Bilder dazu malen und gemeinsam ein Buch gestalten.

 


A.B. Ideenpool Lesen


Andrea Beaty: Wie Rosie den Käsekopter erfand

Titel der englischen Originalausgabe: Rosie Revere, Engineer

Verlag: Knesebeck 2014
Illustrator: David Roberts
Übersetzer: Reinhard Pietsch
ISBN-13: 978-3868737387
Gebunden: 32 Seiten
Bilderbuch
Altersempfehlung: ab 5 Jahren

Die schüchterne und stille Rosie möchte am liebsten Ingenieurin werden. Nachts baut sie heimlich seltsame Apparate zusammen, mit denen sie ihre Verwandtschaft beglücken möchte. Als Rosie ihrem Lieblingsonkel Knut ihre neueste Erfindung, einen Käsehut zur Schlangenabwehr, vorführen und schenken möchte, lacht dieser sie nur aus. Durch dieses Erlebnis völlig entmutigt zieht sie sich zurück – bis ihre Urgroßtante Rose zu Besuch kommt. Urgroßtante Rose erzählt von ihrem Traum, einmal selbst zu fliegen. Rosie baut kurzerhand den von Onkel Knut verschmähten Käsehut zu einem Käsekopter um. Beim ersten Startversuch hebt der Helikopter ab, um gleich darauf abzustürzen. Als ihre Urgroßtante Rose zu lachen beginnt, nimmt Rosie dies zum Anlass, mit der Bastelei aufzuhören und ihren Traumberuf aufzugeben. Doch ihre Tante lehrt sie, dass man nur dann eine wahre Niederlage erleidet, wenn man aufgibt.

Rosie, dies Ingenieurin werden will, bietet vor allem für Mädchen ab fünf Jahren eine Identifikationsfigur, die gängigen Geschlechterklischees entgegensteht. Gleichzeitig zeigt Rosies Geschichte, dass auch schüchterne und stille Kinder an Selbstvertrauen gewinnen, wenn sie ihren Weg finden und verfolgen – wie auch immer ihr Traum aussehen mag. Am Anfang des Buches sitzt Rosie noch verschreckt und still in ihrer Klasse, während alle anderen Kinder mit der Lehrerin singen. Auf der letzten Seite der Geschichte sieht man wieder Rosies Klasse, doch nun ist Rosie genauso mit Spaß bei der Sache wie die anderen Kinder.
Die Illustrationen von David Roberts sind sehr detailreich und man entdeckt immer wieder Neues, vor allem in den Szenen, in denen Rosie ihre verrückten Apparate und Maschinen baut. Die Texte sind gereimt, wobei die deutsche Nachdichtung stellenweise holprig wirkt.
An einigen Stellen wird zugunsten des Reims schwieriger Wortschatz verwendet, den man beim Vorlesen erläutern muss. Auch der Sprachwitz des in sich gereimten englischen Originaltitels „Rosie Revere, Engineer“ ließ sich nicht in den deutschen Titel transportieren.

Alles in allem ist dies ein sehr empfehlenswertes Buch, das Mädchen und auch Jungen zeigt, dass man an seinen Traum Glauben schenken und sich nicht von Rückschlägen entmutigen lassen sollte. Insbesondere für Mädchen enthält das Buch die Botschaft, dass sie sich für die Welt der Technik begeistern und Ingenieurinnen, Erfinderinnen oder Pilotinnen werden können. Das Buch eignet sich als Vorlesebuch im Vorschulbereich und eventuell noch zu Beginn der Grundschule. Als Anschlussaktivität wäre vorstellbar, mit den Kindern selbst etwas aus gesammelten Dingen, die nicht mehr gebraucht werden, zu bauen. Es muss ja nicht gleich ein Helikopter sein…


Leseprobe: http://www.knesebeck-verlag.de/wie_rosie_den_kaesekopter_erfand/t-1/342


S.K. Ideenpool Lesen


Paul Maar: Neben mir ist noch Platz

Verlag: dtv 2016 (überarbeitete Neuausgabe)
Illustratorin: Verena Ballhaus
ISBN-13: 978-3-423-71700-7
Taschenbuch: 46 Seiten
Altersempfehlung: ab 8 - 11 Jahren
Geschcihte für Kinder, Vorlesebuch

Die Originalfassung des Klassikers "Neben mir ist noch Platz" wurde von Paul Maar schon 1988 geschrieben. Unter dem Eindruck der Flüchtlingsereignisse in jüngster Zeit hat Maar seine fast 30 Jahre alte Geschichte folgendermaßen abgeändert:
Ein Mädchen aus Syrien wohnt in einer Aufnahmeeinrichtung und trifft in der Schule auf deutsche Kinder. Es entsteht eine Freundschaft zwischen zwei Mädchen. Deren Beziehung wird bestimmt vom Kennenlernen der jeweils anderen Kultur, von Streit und Versöhnung, aber auch Trennung.
Das Buch erzählt die Geschichte von Steffi und Aischa, die aus Syrien kommt und mit ihrer Familie nach Deutschland geflüchtet ist. Die syrische Familie wohnt nun in einem alten Gasthof, der zu einer Flüchtlingsunterkunft umgebaut wurde. Aischa besucht die Klasse von Steffi, die beiden Mädchen freunden sich an und verbringen auch einen großen Teil ihrer Freizeit miteinander. Beide lernen voneinander, dass sie jeweils andere Angewohnheiten und Bräuche haben. Vieles bleibt ihnen auch fremd.

Zum Beispiel darf Aischa das Haus nicht ohne ihren Bruder verlassen und die gebratenen Würstchen vom Grill isst sie auch nicht. Aischa hingegen findet es komisch, dass in Deutschland meist immer die Frauen am Tisch zuerst bedient werden. Wie viel ihnen ihre gemeinsame Freundschaft wert ist, entdecken sie bei einem Streit. Als sie sich wieder versöhnen, weiß Aischa bereits, dass sie und ihre Familie wegen des noch nicht bearbeiteten Asylantrags umziehen müssen. Steffi und Aischa sind darüber sehr traurig und vermissen sich sehr. Als jedoch erneut ein Flüchtlingsmädchen in die Klasse aufgenommen wird, ist Steffi durch ihre Erfahrungen gereift, geht freundlich und offen auf das Kind zu und bietet ihr den Platz neben sich an.

Die Geschichte ist mit ausdrucksstarken und kindgemäßen Zeichnungen in schwarz-weiß illustriert.

Hier finden sich Unterrichtsanregungen und Materialien des Verlages .


C.G. Ideenpool Lesen



Mechthild Gläser: Die Buchspringer

Verlag: Loewe 2015 (Taschenbuch 2016)
ISBN-13: 978-3785585955
Tachenbuch: 384 Seiten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Roman

Mechthild Gläsers „Die Buchspringer“ erschien 2015 im Loewe-Verlag und begeistert von der ersten bis zur letzten Seite. Die Leser und Leserinnen sind überrascht, wie vielschichtig der Roman ist. Er verbindet auf kreative Weise Fantasy-, Kriminal- und Liebesroman, hat aber auch Elemente des Märchens. Vor jedem Kapitel findet sich ein Märchenausschnitt in gotischer Schrift, der zur Auflösung eines Rätsels nötig ist.
Der Leser ist sofort gefangen in einer unheimlichen Welt: Amy erfährt bei einem Besuch ihrer Großmutter, die sie zum ersten Mal sieht, dass sie eine Buchspringerin ist. Sie hat die Gabe, aus der realen Welt in Bücher zu springen und sich dort mit den Figuren frei zu bewegen. Als es zum Mord von Sherlock Holmes kommt und die Ideen der Bücher verschwinden, macht sich Amy mit ihrem Freund Will auf die Suche nach dem Dieb. Dabei begeben sich die beiden immer wieder in die Welt der Bücher, suchen aber auch in der realen Welt nach demjenigen, der die Ideen der Bücher gestohlen und Sherlock Holmes ermordet hat. Sie geraten immer tiefer in die Geschichten hinein und scheinen sich manches Mal in diesen zu verlieren.

Das Buch bietet sich als Freizeitlektüre uneingeschränkt an. Für den Unterricht steht Material mit verschiedenen Ideen und Arbeitsblättern zur Verfügung. Darin wird gezeigt, wie das Buch in den Unterricht eingebunden werden kann, auch wenn nicht das ganze Buch gelesen wird. Geeignet ist der Roman für Jugendliche ab 12 Jahren, wobei sich Mädchen sicher eher als Zielgruppe angesprochen fühlen.



M.S. Ideenpool Lesen