Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.

Unsere Buchempfehlungen im Februar 2018

Martin Widmark: Linas Reise ins Glück ( ab 5 Jahren)
Verlag: Ars Edition

Sarah Storm: Der fabelhafte Regenschirm – Das große Ritterturnier (ab 8 - 10 Jahren)
Verlag: Loewe

Alexa Hennig von Lange: Die Welt ist kein Ozean (ab 14 Jahren)
Verlag: cbt


Martin Widmark: Linas Reise ins Glück

Untertitel/Originaltitel: Lilla Sticks i landet Lycka

Verlag: Ars Edition 2017
lllustratorin: Emilia Dziubak
Übersetzerin: Maike Dörries
ISBN - 13: 978-3845822051
Gebunden : 40 Seiten
Bilder- und Vorlesebuch
Altersempfehlung: ab 5 Jahren

Das Buch „Linas Reise ins Land Glück“ von M. Widmark und E. Dziubak aus dem Verlag arsEdition ist ein Vorlese- und Bilderbuch, das die Kinder während des Vorlesens und danach sehr beschäftigt. Man muss betonen, dass dies keine Lektüre ist, die man ohne Gespräche vorlesen kann und sollte. Das „Dialogische Lesen“ ist eine Mischung aus Vorlesen und Erzählen. Anders als beim klassischen Vorlesen, bei dem in der Regel der Erwachsene spricht und die Kinder zuhören, haben beim „Dialogischen Lesen“ vor allem die Kinder etwas zu sagen: Ihre Redebeiträge stehen im Mittelpunkt.

Zum Buch selbst:
Lina ist die Babysitterin von Daniel. Als er eines Abends nicht schlafen kann, erzählt sie ihm eine märchenhafte Geschichte aus ihrer Vergangenheit. Es ist die Geschichte über ihren großen Bruder Leon, der als Kind verschwand. Lina erzählt aus der Ich-Perspektive von dem Verschwinden und dem Leben ohne Leon. Nur die von ihm geschnitzte Flöte ist ihr geblieben. Als sie eines Tages mit ihrem neuen Schlitten zum Schlittenfahren geht, was sie nur den Eltern zuliebe tut, weil alle Leon so sehr vermissen, schlägt sie sich den Kopf an und findet sich im Land Glück wieder. Hier gibt es sprechende Insekten, höfliche Käfer und Fliegen. Lina selbst ist zum Däumling geworden. Sie reitet auf Forellen und fühlt sich das erste Mal seit Leons Verschwinden wieder glücklich. Am nächsten Tag jedoch begegnet sie einer Riesenkrabbe und erfährt, dass sie dem Käfer nicht hätte vertrauen sollen. Der muss der Riesenkrabbe jedes Jahr ein Kind bringen, das mit den anderen Kindern Perlen für sie sammeln muss. Als sie nachts in eine Höhle gesperrt wird, hört sie Leons Flötentöne. Sie findet ihren Bruder wieder, gemeinsam besiegen die böse Krabbe und kehren nach Hause zurück.
Die Themen Trauer, Verlust, Mut, Hoffnung und Zusammenhalt werden sehr passend sowohl im Text als auch in den Illustrationen dargestellt. Das Buch ist wunderschön illustriert und die Bilder bieten viele Gesprächsmöglichkeiten. Das ist bei dieser nicht unproblematischen Thematik wichtig. Denkbar ist, dass Kinder über die Bilder ins Erzählen kommen, auch wenn sie die Geschichte noch nicht kennen. Jede der Illustrationen bietet so viele Anregungen und auch Leerstellen, dass Kinder sowohl über ihre eigenen Gefühle sprechen als auch den Inhalt des Buches vorweg erahnen können. Passend ist zum Beispiel die Ankunft Linas im Land Glück. Die Kinder können sich überlegen, wie das Mädchen so klein wurde wie die Käfer, was sie so glücklich macht und was erlebt. Wie würde es den Kindern gehen, wenn sie ähnliches erlebten?
Gerade sensible Kinder werden sehr mit Lina mitfühlen und unter Umständen auch traurig sein, weil Leon verschwunden ist. Das Ende muss gut vorbereitet eingebracht und im Gespräch in Verbindung mit den kleinen Leserinnen und Lesern gebracht werden. Da die Geschichte für Lina und Leon gut ausgeht, wird das auch traurige Kinder wieder glücklich stimmen. Die kleine Heldin Lina wird von den Kindern für ihren Mut und die Entschlossenheit, die sie zeigt, bewundert werden.


M.S Ideenpool Lesen

Sarah Storm: Der fabelhafte Regenschirm – Das große Ritterturnier

Verlag : Loewe, 18. September 2017
Illustratorin: Naeko Ishida
Übersetzerin: Sandra Margineanu
ISBN-13: 978-3785586761
ISBN - 10: 3785586760
Gebunden: 128 Seiten
Kinderbuch
Altersempfehlung: ab 8 - 10 Jahren

Zu einer aufregenden Reise in unbekannte Welten aufbrechen, neue Abenteuer erleben und spannende Herausforderungen bewältigen – wer will das nicht?
Der im Loewe Verlag erschienene fünfte Band aus der Reihe „Der fabelhafte Regenschirm“ lädt seine jungen Leser und Leserinnen zu einem Ritterabenteuer ein. Schon das ansprechend gestaltete Buchcover mit den von Naeko Ishida liebevoll dargestellten Buchfiguren weckt die Lesereiselust der Kinder und der Buchtitel „Das große Ritterturnier“ verrät nun endgültig, in welches Leseabenteuer man beim Weiterblättern eintauchen darf.

Regenwetter kann richtig toll sein! Das finden die Kinder Ben, Ella und Paul und ihr Hund Cirrus. Sie spannen gemeinsam den magischen Regenschirm auf und sind neugierig auf den fremden Ort, an den sie der Regenschirm dieses Mal entführen wird. Dort treffen sie auf Juliet, eine geheimnisvolle Reiterin und werden plötzlich Teil einer turbulenten Rittergeschichte. Juliet beschließt im königlichen Wettstreit um den goldenen Handschuh mitzukämpfen; ein Ritterturnier, das nur die Teilnahme der besten Ritter des Landes erlaubt. Juliet ist eine exzellente Reiterin - aber so einfach ist die Teilnahme für ein Mädchen gar nicht, wie die Kinder schnell feststellen!
Juliet braucht Hilfe. Soviel steht fest. Dabei müssen jedoch allerhand Hürden gemeinsam von den Kindern auf lustige Art und Weise gelöst werden. Schließlich haben sie es geschafft und können dem Ausgang der Wettspiele entgegenfiebern.

Die Kinderbuchautorin Sarah Storm erzählt einfühlsam und anschaulich die Geschichte des kleinen Rittermädchens Juliet und den gesellschaftlichen Unterschieden zur heutigen Zeit. Einem Mädchen standen damals nicht alle Türen offen. Die Chance bei einem solchen Turnier als Mädchen teilzunehmen ist auch als exzellente Reiterin gering. Zusammenhalt, Freundschaft und Hilfsbereitschaft sind die zentralen Themen, die Sarah Storm als tragfähiges Gerüst in die Geschichte einbaut. Nur gemeinsam können die Kinder den Stolpersteinen trotzen.

Das Kinderbuch passt sich sprachlich an die Lesergruppe ab 8 Jahren an. Durch eine passende Schriftgröße und einen angemessenen Zeilenabstand ist es auch für lesestarke Kinder der zweiten Klasse schon zu bewältigen. Typische Begriffe aus der Zeit der heldenhaften Kämpfe und Ritterspiele werden unkompliziert durch kleine Illustrationen auf der jeweiligen Seite erklärt, so dass die Erweiterung der Ausdrucksmöglichkeit der jungen Leserinnen du Leser angeregt wird. Auf ein weiteres Glossar am Ende des Buches wird verzichtet.

In seiner Aufmachung erinnert das Buch an die im gleichen Verlag erschienene Reihe „Das magische Baumhaus“. Es ist adressiert an Kinder, die mit den vertrauten Buchfiguren in fremde Welten schlüpfen möchten und Abenteuer unterschiedlichster Art erleben wollen. Ganz nebenbei wird die Neugier für geschichtliche Themen geweckt, die durch historische Sachbücher im Rahmen der Unterrichtsarbeit weiter vertieft werden kann.

Soll das Buch als Klassenlektüre eingesetzt werden, finden Sie hier ein Lesebegleitheft.


S.B. Ideenpool Lesen

Alexa Hennig von Lange: Die Welt ist kein Ozean

Verlag: cbt Verlag 2015
ISBN-10: 3570162966
ISBN-13: 978-3570162965
Taschenbuch: 352 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Roman

Alexa Henning von Lange ist mit ihrem Roman „Die Welt ist kein Ozean“ ein realistisches Bild einer 16-Jährigen gelungen: Franziska, Franzi genannt, ist sehr behütet aufgewachsen. Die Mutter sorgt sich ständig um die Familie, weil ihr Vater Oberstaatsanwalt ist und viele Feinde hat. Als ein Schulpraktikum ansteht, entscheidet sich Franzi für eine Stelle in einer Klinik für psychiatrisch angeschlagene Jugendliche. Franzi sieht das Praktikum als einen Ausbruch aus der perfekten, behüteten Welt, sie fühlt sich von ihrer Mutter erdrückt, weshalb sie auch vorhat, ins Ausland zu gehen.
Als sie in die Klinik kommt, wird ihr eine Regel, die sie nicht missachten darf, mitgeteilt: Sie darf sich mit keinem der Patienten anfreunden, da die Jugendlichen traumatisiert werden könnten, wenn dies geschieht und sie nach zwei Wochen die Klinik wieder verlässt. Gleich am ersten Tag lernt sie den 18-jährigen Tucker kennenlernt, der Mutist ist. Er schweigt, seitdem seine Schwester ertrank und er sie nicht retten konnte. Obwohl er bereits ein Jahr in der Klinik ist, verweigert er jeglichen Kontakt und alle Gespräche. Franzi gelingt es, dass Tucker sich beginnt zu öffnen. Es kommt, wie es kommen muss, die beiden verlieben sich ineinander, einfach wird es nicht. Franzis Auslandsjahr steht auf dem Spiel, die Frage, ob Tucker jemals wieder normal wird leben können, beschäftigen sie und die Ungewissheit, wie es weitergehen wird.

Die Hauptfigur Franzi wird realistisch gezeichnet, es ist ein feinfühliger und tiefgründiger Roman, der für Leserinnen ab 14 Jahre zu empfehlen ist. Das Buch bietet sich für Buchempfehlungen und -vorstellungen an. Franzi geht vorurteilsfrei und voller Vorfreude in die Klinik und begegnet den Jugendlichen mit Offenheit und Hilfsbereitschaft. Die Figuren werden sehr facettenreich und authentisch dargestellt. Interessant ist auch die Beschreibung Tuckers, der durch die fehlende verbale Kommunikation nur nonverbal agiert. Dies bietet für den Unterricht viele Möglichkeiten der Erarbeitung.


M.S. Ideenpool Lesen