Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.

Buchempfehlungen im Oktober 2018

Ciara Flood: Vom Walross, das nicht einschlafen konnte (ab 4- 6 Jahren)
Verlag: Knesebeck

Otfried Preußler: Die Abenteuer des starken Wanja (ab 8 - 12 Jahren)
Verlag: Thienemann Verlag

Karl Olsberg: Boy in a white room(ab 14 Jahren)
Verlag: Loewe-Verlag

Ciara Flood: Vom Walross, das nicht einschlafen konnte

Originaltitel: There's a Walrus in my bed

Verlag: Knesebeck 2018
Übersetzerin: Claudia Max
ISBN - 13: 978-3957281739
Gebunden : 32 Seiten
Vorlesebuch
Altersempfehlung: ab 4 - 6 Jahren

Im Vorlesebuch „Vom Walross das nicht einschlafen konnte“ geht es um ein Flynn, seine Eltern und ein Walross, das einfach nicht müde ist. Flynns Bett wird von der Firma „Wali & Ross Betten" angeliefert. Als Flynn abends ins Bett soll, liegt bereits ein Walross in seinem Bett. So viel Mühe sich der Junge auch gibt, er kann nicht schlafen, bis das Walross ins Bett seiner Eltern umzieht.

Das Buch zeigt auf sehr schöne Weise, dass alles Neue oft für Kinder erst einmal Unsicherheit und ein wenig Angst mit sich bringt. Die Geschichte eignet sich hervorragend, um mit Kindern über Ängste zu sprechen, gerade über die Angst vorm Einschlafen. Durch die wunderschönen Bilder und die lustige Geschichte ist der Inhalt leicht verständlich, sodass sich das Buch schon für kleinere Kinder eignet. Immer wieder entdeckt man neue Details, seien es Gegenstände, Gestiken oder die Mimik der Figuren. Die Kinder tauchen schnell in die Geschichte ein und stellen sich vor, das Walross selbst zu betüddeln. Für ältere Kinder ab etwa 4 Jahren kann die Geschichte weiter gesponnen werden, da das letzte Bild im Buch dazu einlädt. Die Kinder lernen zu formulieren und zu beschreiben, können ihren Wortschatz anwenden und vielleicht ausbauen. Außerdem können die Kinder zu der neuen Geschichte Bilder malen, die im Kamishibai-Theater präsentiert werden.

M.S. Ideenpool Lesen

Otfried Preußler: Die Abenteuer des starken Wanja

Verlag: Thienemann Verlag 2018, erstmals erschienen 1981
ISBN: 3522185013
ISBN-13: 978-3522185011
Gebunden: 192 Seiten
Altersempfehlung: ab 10 - 12 Jahren

Wanja lebt mit seinem Vater, seinen beiden älteren Brüdern und seiner Tante in einem kleinen russischen Dorf. Eines Tages trifft er einen alten, blinden Greis, der ihm verspricht, Zar zu werden, sofern er es schaffe, sieben Jahre faulenzend auf einem Backofen in der bäuerlichen Stube zu verweilen. Nach diesen sieben Jahren werde Wanja so stark sein, dass er das Dach des Hauses anheben könne. Daran erkenne er auch, dass die Zeit um sei. Einzig sieben Säcke Sonnenblumenkerne dürfe er während dieser sieben Jahre zu sich nehmen und betten dürfe er sich nur auf sieben Schaffellen.
Wanja nimmt den Rat des alten Väterchens ernst und begibt sich auf den Ofen, wo er fast ausschließlich schlafend seine gesamte Zeit verbringt. Im Dorf erregt das unerhörte Verhalten Wanjas schon bald die Gemüter, so dass es immer wieder zu einer Probe kommt, um ihn vom Ofen zu locken. Wanja hält stand und als die Zeit um ist, begibt er sich auf eine Abenteuerreise, um einerseits seine neu gewonnene Kraft für die Schwachen einzusetzen und andererseits sich eine Lanze, ein Ross und eine Zarenrüstung zu verdienen, welche er im letzten Kampf um den Zarentitel braucht.
Hier ist besonders hervorzuheben, wie Märchenfiguren mit märchenhaften Fähigkeiten in den Text eingearbeitet werden: Der böse Och, die hinterlistige Hexe Baba-Jaga, der räuberische Schwarze Batur und der steinerne Ritter Foma Drachensohn. Den jeweiligen Gegenspielern nimmt Wanja jeweils ein wichtiges Attribut ab, mit dem er zum Schluss in letzter Minute den Großfürsten Dimitrij besiegt, Zar wird und die schöne Zarentochter Wassilissa gewinnt.

Didaktischer Kommentar
Das Buch zeichnet sich durch seine plastische, bunte und farbige Sprache aus. Dieses in ein Märchen verpackte Abenteuerbuch ist eine anspruchsvolle und lohnenswerte Lektüre. Kindliche Leserinnen und Leser können durch die akzentuierte Sprache ihren eigenen Wortschatz erweitern und die Wandlung vom faulen zum mutigen Wanja miterleben und sich mit dieser Figur identifizieren.   

Wer sich noch explizit mit der Vita des Autoren Otfried Preußler befassen möchte, dem sei das Buch Otfried Preußler: Ich bin ein Geschichtenerzähler hrsg. von Susanne Preußler-Bitsch und Regine Stigloher (Thienemann Verlag) Stuttgart / Wien 2010 empfohlen.   

 

M.S.S. Ideenpool Lesen

Karl Olsberg: Boy in a white room

Verlag: Loewe Verlag, 2017
ISBN-13: 978-3-7855-8780-5
Klappenbroschüre : 288 Seiten
Altersempfehlung: ab 14 Jahren
Roman

Der 15-jährige Ich-Erzähler Manuel erwacht in einem weißen Raum in Würfelform, die Wände scheinen von allein zu leuchten. Es gibt keine Lichtquelle, keine Fenster oder Türen.  Sein Körper steckt in einem Overall „aus weißem Material“, er hat keinerlei Erinnerungen und Berührungen kann er nicht mehr spüren. Kommunizieren kann Manuel nur mit ALICE, uns aus der realen Welt als „SIRI“ bekannt.
Dieses Szenario ist die Eröffnung zu Karl Olsbergs „Boy in a white room“, einem dystopischen Roman, der für den deutschen Jugendliteraturpreis nominiert ist. Manuel begibt sich gegen die Widerstände seines angeblichen Vaters auf die gefährliche und spannende Suche nach seiner eigenen Geschichte und seinem Ich. Immer wieder wankt er zwischen Lügen und der Suche nach Wahrheit, der Frage, wem er vertrauen kann und wer er überhaupt ist.
Die Leser tauchen ein in eine andere Welt, begegnet Orks und Zwergen aus Tolkins „Herr der Ringe“, neuer und vielleicht zukünftig bedrohlicher Technik und unvorhersehbaren Ereignissen. Im Roman wird gezeigt, wie der Mensch sich über die Schöpfung erhebt, in das Leben eingreift und dabei Maschinen und Technik teilweise unberechenbar werden. Nichts ist so, wie es zuerst erschien, während der Lektüre muss man unweigerlich an moderne Entwicklungen denken und über die Zukunft nachdenken. Descartes Leitsatz „Cogito ergo sum“ erhält in dem Werk eine neue Bedeutung, immer wieder werden ethische und philosophische Fragen aufgeworfen, die zum Nachdenken anregen.

Das Buch eignet sich hervorragend für den schulischen Einsatz in den Klassen 8 bis 11, da es thematisch passend und fesselnd geschrieben ist. Die Lektüre ist sowohl für Mädchen als auch Jungen passend, der Ich-Erzähler bietet Identifikationsmöglichkeiten für Jungen. Das Hörbuch ist ungekürzt und kann sehr gut als Medium für das auditive Verständnis eingesetzt werden. Als Einstieg in die Lektüre bietet sich ein interaktiver Teaser zum Buch an, der auf der Homepage des Autoren aufgerufen werden kann und sich auf den Romananfang stützt. Einen möglichen Stundenverlauf und Unterrichtsideen bietet die Fachredaktion Deutsch des Landesbildungsservers Baden-Württemberg.


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