Buchtipps, Methoden, Konzepte und Projekte rund ums Lesen und Vorlesen bietet der Ideenpool Lesen gegliedert für alle Schularten und auch für den Elementarbereich.

Unsere Buchempfehlungen im Dezember 2018

Siri Spont: Verzauberte Weihnachtszeit (ab 7 - 11 Jahren)
Verlag: Woow Books

Christian Tielmann: Der Tag, an dem wir Papa umprogrammierten (ab 8 -10 Jahren)
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft

Ben Brooks: Stories for Boys Who Dare to be Different (ab 12 Jahren)
Verlag: Loewe Verlag

 

Siri Spont: Verzauberte Weihnachtszeit

Ein Adventsbuch in 24 Kapiteln

Verlag: Woow Book 2017
Illustrator: Alexander Jansson
Übersetzerin: Katrin Frey
ISBN-13: 978-3-9617-7003-8
Gebunden : 134 Seiten
Altersempfehlung: ab 7 - 11 Jahren
Vorlesebuch

Durch seinen Aufbau eignet sich das Buch in der Adventszeit als Vorlesebuch in der Schule, aber auch für zu Hause. In 24 kurzen Kapiteln, die jeweils durch ein formatfüllendes Bild ansprechend illustriert werden, wird die Geschichte von Martha erzählt.
Zusammen mit ihrem jüngeren Bruder Fadi und ihren Eltern lebt Martha in Schweden. Marthas Vorfreude auf Weihnachten ist groß. Von ihrer Oma haben die Geschwister einen Adventskalender bekommen, in dem sich allerhand merkwürdige Gegenstände wie zum Beispiel ein Kompass und ein Glöckchen befinden. Mit diesen kleinen Überraschungen können die Protagonisten zu Beginn der Geschichte noch nichts anfangen – sie werden sich aber im Verlauf der Geschichte als nützlich erweisen. 
Die Weihnachtsstimmung wird getrübt, als die Geschwister erfahren, dass ihr Cousin Yusuf bei ihnen einziehen wird. Er ist alleine in Schweden, weil seine Eltern noch in einem Land sind, in dem Krieg herrscht. Martha ist wenig begeistert, denn sie muss nun plötzlich zu ihrem kleinen Bruder ins Zimmer ziehen. Als Yusuf in der Familie ankommt, redet er kaum und verhält sich aus Sicht der Kinder seltsam. Erschwerend kommt für Martha hinzu, dass ihre Freundschaft mit Leah und Maja unter der neuen Situation leidet. 
Yusuf und Martha kommen sich erst näher, als Yusuf sie mit in den tief verschneiten Winterwald nimmt. Dort erfährt Martha von einer Aufgabe, die sie nur gemeinsam lösen können. Es ist der Beginn einer verzauberten Weihnachtszeit…
Bis zum Schluss fragt sich die Leserin/der Leser, ob Martha und Yusuf die Aufgabe lösen können, ob die Freundinnen sich wieder versöhnen und was mit Yusufs Eltern ist. Die Spannung wird dadurch bis zum Schluss aufrecht gehalten. 

Im Unterricht bieten sich vielfältige Gesprächsanlässe zu folgenden Themen an:

  • Freundschaft - Streit – Versöhnung
  • Weihnachten in anderen Ländern – Schweden – Luciafest
  • Familie – von geliebten Menschen getrennt sein
  • Flucht – Flüchtlinge

Mit dem zuletzt genannten Thema wird im Buch äußerst sensibel umgegangen, und es werden keine Details genannt. Die Leserin/der Leser erfährt nur, dass Yusuf aus einem Kriegsgebiet kommt und seine Eltern nicht mit nach Schweden kommen konnten. Sind geflüchtete Kinder in der Klasse, ist zu überlegen, ob das Buch sich eignet oder ob es zu dicht an die Geschichte der Kinder heranreicht.

C. S. Ideenpool Lesen


Christian Tielmann: Der Tag, an dem wir Papa umprogrammierten


Verlag: dtv Verlagsgesellschaft
Illustratorin: Markus Spang
ISBN - 13: 978-3-423-76187-1
Gebunden : 132 Seiten
Altersempfehlung: ab 8 -10 Jahren
Kinderroman

Der Roman wird von der Idee getragen, dass der Vater ein verrückter Sicherheitsfanatiker und Bastler ist. Sehr lustig wird beschrieben und gezeichnet, wie er aus den alltäglichsten, schicken „Geräten“ ultrasichere, mit Isolierband verklebte, mit Schaumstoff verkleidete Ungetüme macht, mit denen sich niemand mehr in die Öffentlichkeit traut. Er ist berüchtigt bei den Freunden der Zwillinge, weil er jeden Spaß durch seine übertriebene Vorsicht zunichte macht. Dass er bei dieser Veranlagung die Kinder mit einem Vater-Roboter alleine eine Woche zu Hause lässt, ist ein wenig unglaubwürdig.
Der Humor im Hauptteil des Buches, während der Abwesenheit der Eltern, entsteht dadurch, dass die Programmierungen der Kinder den Sicherheitsabsichten des Vaters widersprechen. Der Vater-Roboter bringt die Kinder in gefährliche Situationen.
Der Roman ist vor allen Dingen unterhaltend und bringt die Leserschaft zum Lachen. Emotional ist er eher oberflächlich: Die Kinder empfinden weniger die gefährliche Erkrankung der Oma als Katastrophe, sondern dass ihr Vater ihre Feier verderben könnte. Genauso bleibt das fragwürdige Vorgehen der Eltern, besonders des Vaters, die Kinder alleine zu lassen, emotional weitgehend unreflektiert.
Der Titel ist recht sperrig, lockt aber zusammen mit dem Cover Kinder an, die computer- und technikinteressiert sind. Besonders Jungen, die eher weniger auf die Beziehungsebene der Figuren achten, könnten sich angesprochen fühlen. Die Handlung wird aus der Sicht von Carlo erzählt.

Didaktischer Kommentar und Materialien
Als Klassenlektüre für Klasse 4 und 5 geeignet.
Die Geschichte gibt trotz aller Oberflächlichkeit eine Besprechung des Themas Freundschaft her: Das opportunistische Verhalten der Geschwister gegenüber der Schulhof-Clique kann der treuen Freundschaft mit Matze gegenübergestellt werden. (Material „Freunde“)
Auch wie sich Geschwister ihre Rollen suchen und sich darüber identifizieren, kann betrachtet werden. Zum Beispiel könnte man eine Episode als Paralleltext aus der Sicht von Jolanthe darstellen lassen. (Material „Wie sieht das Jolanthe“)
Interessanterweise outet sich Carlo als Pferdebuchfreund und bricht die klassischen Geschlechterrollen in diesem kleinen Detail auf. Das kann als Aufhänger für Selbstreflexion in der Identitätsarbeit genutzt werden. Es kann Bezug genommen werden zur Leitperspektive BTV.
(Material „Mädchen und Jungen“)
Kreativ genutzt werden können der Beruf des Vaters und die Zeichnungen auch fächerübergreifend mit Kunst und Werken (vgl. Bildungsplan 2016, 3.2.3. Werken 3/4, Beispielcurriculum , S. 21f., Jeder kann Designer sein) Zu den erfundenen, verbesserten, selbstgebastelten Geräten kann wiederum eine verrückte Geschichte verfasst werden.

N. S. Ideenpool Lesen

Ben Brooks: Stories for Boys Who Dare to be Different

Originaltitel: Vom Mut anders zu sein

Verlag: Loewe Verlag 2018
ISBN-13: 978-3-7432-0259-7
Gebunden : 208 Seiten
Altersempfehlung: ab 12 Jahren
Biographie

In seinem Bestseller „Stories for Boys who dare to be different“ stellt Ben Brooks die Geschichten von 100 berühmten Männern aus den Bereichen Sport, Kunst, Politik und Wissenschaft vor, die durch ihren Mut, Verstand und mit Kreativität Unglaubliches geleistet haben. Vorgestellt werden Wissenschaftler, ein Paralympicsieger, Politiker, Künstler etc. Alle sind Helden, weil sie ihren Weg gingen, an sich glaubten und sich nicht unterkriegen ließen.
Gerade männlichen Lesern ab etwa 12 Jahren werden in dem Buch Identifikationsfiguren abseits von Gender-Rollen-Debatten und veralteten Geschlechterstereotypen geboten. Die Biographien können unabhängig voneinander gelesen werden, wodurch sich ein Einsatz im Unterricht durchaus lohnt, zumal sich Bezüge zu Wissenschaft, Religion, Kunst, Sport und Geschichte herstellen lassen. Durch die leichte Sprache und die Länge der Texte bietet sich das Buch auch für Wenigleser an. Die großen Illustrationen und die farbliche Gestaltung sind modern und sprechen den Leser an.
Die Jungen können sich eigener Stärken bewusst werden und werden unterstützt, Mut zu haben, sich gegen den Gruppenzwang und Rollenklischees zu wenden sowie einen eigenen Weg zu gehen. Manche Geschichten zeigen das Scheitern eines Mannes. Dass dies aber kein Grund ist, sich entmutigen zu lassen, macht die Geschichte Thomas Edisons deutlich, der meinte, „Ich bin nicht gescheitert. Ich habe bloß zehntausend Methoden entdeckt, die nicht funktionieren.“
Die Zielgruppe des Buches sind in erster Linie Jungen, das Buch bietet sich aber auch für jeden an, der Interesse an Menschen hat, die gewagt haben, anders zu sein, die sich für andere einsetzten oder Dinge entwickelten.

Für Mädchen gibt es das Pendent „Good Night Stories for Rebel Girls“. In diesem Buch werden 100 einzigartige Frauen dargestellt, die die Welt veränderten. Im Unterricht könnten exemplarisch Biographien vorgestellt werden. Thema könnte der Titel sein „Vom Mut anders zu sein“. Da beide Bücher jeweils 100 Biographien anbieten, können die Schülerinnen und Schüler die Persönlichkeit auswählen, die sie anspricht. Dabei sollte es egal sein, für welches Geschlecht die Jugendlichen sich entscheiden. Aufgabe könnte es dann sein, den Text zu lesen und sich mit Hilfe von Arbeitsaufträgen mit der Person zu beschäftigen. Dazu kann das Arbeitsblatt verwendet werden. Anschließen sollte sich ein Unterrichtsgespräch, eventuell gesichert durch einen Tafelanschrieb. Dabei sollte herausgearbeitet werden, dass es lohnt, anders zu sein und es manchmal sogar notwendig ist, anders zu sein oder sich anders zu verhalten.


M.S. Ideenpool Lesen