Allgemeine Empfehlungen für die Buchauswahl

Qualitativ hochwertige und sprachförderliche Bilderbücher müssen zahlreichen Kriterien genügen. Damit ein Kind sich von einem Bilderbuch angesprochen fühlt, muss es zudem Alter und Interessen des Kindes entsprechen.

„Qualitätskriterien für eine überlegte Bilderbuchauswahl“ nennt Jochen Hering in seinem Buch „Kinder brauchen Bilderbücher“ (Hering 2016, S. 126). Hering analysiert zahlreiche Bilderbücher anhand von Fragen wie

  • „Ist die Geschichte für das Kind bedeutsam? Weckt sie sein Interesse?
  • Hat das Bilderbuch mit seiner äußeren wie inneren Lebenswelt zu tun?
  • Lädt das Buch Kinder mit seiner Offenheit zum Mit-Erzählen ein?
  • Fordern Bilder und Text das Kind dazu heraus, sich eigene Gedanken zu machen?
  • Unterstützt das Bilderbuch mit der eigenständigen Erzählkraft seiner Bilder Neugier, Fantasie und Mit-Leselust?“ (ebd.)

Zudem wird dargestellt, welche „sprachlichen, bildsprachlichen und erzählerischen Anforderungen“ einzelne Bilderbücher stellen und welches Bilderbuch sich somit für welches Kind eignet (ebd., S. 148). Weitere für die Auswahl von Bilderbüchern relevante Kriterien werden in dem Buch „Werkstatt Bilderbuch“ (Hollstein & Sonnenmoser 2010) erläutert.

Eine aktuelle, kommentierte Literaturübersicht bietet der von der Medienpädagogin Sylvia Näger zusammengestellte Empfehlungskatalog „Bildung braucht Bildungsbücher“, der an den aufgeführten Bildungs- und Erziehungsbereichen des baden-württembergischen Orientierungsplans ausgerichtet ist. Die Hefte 1, 2 und 3 der Reihe „Mit Bilderbüchern in die Lesewelt“ enthalten neben Buchempfehlungen auch Anregungen zum sprachförderlichen Einsatz der empfohlenen Bilderbücher.

Bei der Auswahl eines Bilderbuches ist darauf zu achten, dass es für linkshändige Kinder und Kinder mit unklarer Händigkeit ebenso gut geeignet ist wie für rechtshändige Kinder: In „Spielbilderbüchern“ sollten Schiebeleisten, Fenster zum Aufklappen, Drehscheiben etc. mit links ebenso leicht manipuliert werden können wie mit rechts. Fenster müssen daher beispielsweise nach oben oder nach unten zu öffnen sein (Sattler 2016). Zudem lohnt es sich zu überprüfen, inwieweit die Figuren in einem Buch als Links- oder RechtshänderInnen gezeichnet sind (Kisch & Pauli 2018).

Die von linkshändigen Kindern im Allgemeinen bevorzugte Wahrnehmungs- und Verarbeitungsrichtung ist von rechts nach links, also entgegengesetzt zu Lese- und Schreibrichtung der deutschen Schrift (Sattler 2016). Es ist daher nicht ungewöhnlich, dass linkshändige Kinder Bilderbücher von hinten nach vorne durchblättern (Kisch & Pauli 2018). Bücher mit Bildergeschichten, die auf jeder Seite Einzelbilder enthalten, stellen für linkshändige Kinder zunächst eine besondere Herausforderung dar, da sich die Geschichte nur bei Einhaltung einer „Lese-“richtung von links nach rechts erschließt. Das gemeinsame Betrachten und Erzählen unterstützt die Kinder daran, sich an diese Leserichtung zu gewöhnen. Zusätzlich unterstützen kann ein Punkt oder Pfeil am „Zeilen-“anfang (Sattler 2016). Geeignet sind auch Bilderbücher, in denen Nomen durch Bilder ersetzt werden. Der Text dieser Bücher wird durch den oder die Erwachsene vorgelesen, das Kind „liest“ die Bilder vor. Dabei ist es sinnvoll, der Zeile mit dem Zeigefinger in Leserichtung zu folgen (Weber 2014).