Gestaltung der schriftlichen Umgebung - Linguistic Landscape

Die Präsenz von Schrift in der Kita ermöglicht Erfahrungen mit der Schriftsprache ebenso wie spannende Erkenntnisse über die Verwendung von Sprache(n) und kann Impulse für die Weiterentwicklung einer Einrichtung geben.

Während Kitas noch vor wenigen Jahren häufig „schriftfreie Räume“ (Ulich 2005, S. 117) waren, ist Schrift inzwischen auf vielfältige Weise präsent. So werden Garderoben, Portfolioordner usw. mit den Namenszügen der Kinder versehen, Konstruktionsräume und -ecken mit Bauanleitungen ausgestattet, für Einkaufsspiele echte Produktverpackungen zur Verfügung gestellt usw. Wortkarten an einzelnen Möbelstücken oder anderen Gegenständen ermöglichen den Kindern zudem eine erste bewusste Auseinandersetzung mit Wörtern. Weitere allgemeine Anregungen zur Ausstattung der Räume geben Füssenich & Geisel (2008) sowie das Kapitel „Förderliche Raumgestaltung“ in Jungmann et al. 2015 und die Rubrik „Ausstattung und Räumlichkeiten“ im Selbstevaluationsbogen LiSKit (Mayr et al., 2012a).

Spannend ist auch die Auseinandersetzung mit der Präsenz einzelner Sprachen in einer Einrichtung in Form von Aushängen, Schildern und sonstigen Beschriftungen, der sogenannten „Linguistic Landscape“ („sprachliche Landschaft“). Der Ansatz „Linguistic Landscape“ geht davon aus, dass die Sichtbarkeit von Sprachen im öffentlichen Raum etwas über Status und Wertschätzung dieser Sprachen aussagt. Diese Sichtbarkeit von Sprachen hat Auswirkungen auf die Sprachverwendung von Kindern und Erwachsenen (Sobczak 2013).

Daher lohnt es sich, sich mit Blick auf die eigene Einrichtung Fragen zu stellen wie: Welche Sprachen und Schriften sind sichtbar, und an welchen Stellen? Welche Sprachen sind durch Größe, Positionierung, farbliche Gestaltung etc. besonders präsent? Durch die Beschäftigung mit der Linguistic Landscape in einer Einrichtung kann „Neues in den Blick kommen und Bekanntes neu gesehen werden, so dass die sprachliche Umgebung auf andere Weise bewusst werden“ (Scarvaglieri & Salem 2015, S. 69). Die Auseinandersetzung mit der sprachlichen Landschaft innerhalb und außerhalb der Kita fördert zudem die sprachliche Bewusstheit ein- und mehrsprachig aufwachsender Kinder (Ricart Brede 2014).

Ein Beispiel aus dem schulischen Bereich ist das Projekt „My Literacies. Schriftlichkeit im Kontext von Multimedialität und Mehrsprachigkeit aus Sicht von Kindern“, in dem Grundschulkinder die literalen Praktiken ihrer Familien und Communities in Fotos, Texten, Bildern und Videos dokumentieren. Einige weitere Anregungen, die teilweise auch in der Arbeit mit Kita-Kindern umgesetzt werden können, finden sich in dem Artikel „Mehrsprachigkeit sichtbar machen – Linguistic Landscaping zur Durchgängigen Sprachbildung nutzen“ (Ricart Brede 2014).