Interkulturelle Öffnung des Unterrichts

Interkulturelles Lernen - Interkulturelle Kompetenz

Zuhause in der Welt
Interkulturelles Lernen mit dem Ziel der interkulturellen Kompetenz erzieht Schülerinnen und Schüler von Anfang an im Kontext einer pluralistischen Gesellschaft. Interkulturelle Kompetenz erzeugt Handlungssicherheit bei Begegnungen mit Menschen aus anderen kulturellen Zusammenhängen in einer sich mehr und mehr globalisierenden Welt. Sie lernen vorurteilsbewusst und produktiv mit kulturellen Unterschieden umzugehen.
 
 

Kulturelle Identität Interkulturelle Öffnung des Unterrichts
Wahrnehmungen, Gefühle und Handlungen sind Produkte kulturell geprägter Wertsysteme und Traditionen. Sie sind aber auch stetigem Wandel unterzogen. Interkulturelles Lernen ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, die eigenen und fremden kulturellen Prägungen zu erkennen, zu reflektieren und zu überprüfen. In der Auseinandersetzung mit ihrem vielfältigen kulturellen Umfeld erproben und entwickeln sie ihre individuelle Position jenseits von einseitigen kulturellen Zuschreibungen. Schule ist neben der Familie (vgl. interkulturelle Elternmitwirkung ) ein wichtiger Ort diesen Prozess der Identitätsarbeit bewusst zu thematisieren und zu begleiten.

 

Personen
Die persönliche Ebene ist hier von zentraler Bedeutung. Die interkulturelle und emotionale Kompetenz der Lehrkräfte ist der Ausgangspunkt der interkulturellen Öffnung von Unterricht:

  • Sie haben Interesse an der interkulturellen Identitätsarbeit mit den Lernenden;
  • Sie integrieren die kulturelle Vielfalt im Klassenzimmer;
  • Sie steuern das Wahrnehmen von Gelegenheiten im Fachunterricht für interkulturelles Lernen;
  • Sie gestalten interkulturelle Lernanlässe.

 

Sprache
Kommunikation ist voller kultureller Fallstricke. Fehlinterpretationen von Wortwahl und vor allem nonverbalen Signalen sind vorprogrammiert, da auch sie kulturell unterschiedliche kodiert sind. (Vgl. Wahrlich 2002).

Im interkulturellen Lernen spielt die interkulturelle Kommunikation eine wichtige Rolle. Differenzen werden angesprochen und ins Bewusstsein gehoben. Die Bemühung um eine Sprache, die Ausgrenzung und Diskriminierung vermeidet, ist das Ziel.

 

Themenarbeit
Der Fachunterricht und seine Themen sind der inhaltliche Kernbereich:

  • Die bewusste und wertschätzende Einbeziehung der unterschiedlichen kulturellen Wurzeln der Lernenden im Unterricht befördert eine höhere Identifikation mit den fachlichen Lernzielen und auch eine soziale Einbindung.
  • Themen, die per se kulturelle Äußerungen wie Artefakte, Handlungen, Werte und Haltungen zum fachlichen Gegenstand haben, werden multiperspektivisch und vorurteilsbewusst reflektiert. Dabei können auch Partner aus dem außerschulischen Bereich hinzugezogen werden.
  • Weitere Themen und Lernziele werden um eine interkulturelle Perspektive erweitert.
  • Alle Fächer und Themen werden als Orte genutzt, wo kulturelle Vielfalt in Erscheinung tritt.

 

Extremismusprävention
Jugendlichen, die sich extremistischen politischen oder religiösen Gruppen anschließen, fehlt häufig soziale Sicherheit und ein alternatives Orientierungsangebot:

  • Schule und Familie widersprechen sich in ihren Aussagen über Werte und Haltungen, ohne dass darüber ein Austausch stattfindet. Bei mehrsprachigen Jugendlichen entsteht das Gefühl zwischen zwei (kulturellen) Stühlen zu sitzen.
  • Fehlende Anerkennung, Beachtung oder sogar Ablehnung der eigenen kulturellen Praktiken in der Schule führt die Kinder und Jugendlichen in die Ausgrenzung.
  • Misserfolgsorientierung und soziale Ausgrenzung erzeugen den Wunsch nach Kompensation. Die Jugendlichen suchen nach körperlicher Stärke und/oder Identifikation mit einer Gruppe, die mit destruktiver Überlegenheit und starker Bindung lockt.

Schule und Familien sind hier in ihrer Kooperation zentral, um die Kinder und Jugendlichen im Gespräch und zu halten und zu begleiten. Ihr Bedürfnis nach Klarheit, Orientierung und Identifikation kann dann im Rahmen der gesellschaftlich liberalen Grundsätze aufgegriffen werden, die die Schule vertritt. (vgl. Passungsarbeit, vgl. Handreichungen des Landesinstituts für Schulentwicklung: Jugendliche im Fokus salafistischer Propaganda, Teilband 1; Teilband 2.1 und Teilband 2.2)