Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Artensterben
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Artensterben

Der Laubfrosch wird auf der Roten Liste der Tiere Deutschlands als stark gefährdet eingestuft.
Der Laubfrosch wird auf der Roten Liste der Tiere Deutschlands als stark gefährdet eingestuft.

Das Aussterben einer Art

Das Aussterben von Arten lässt sich naturgemäß nicht beweisen, da ein Nicht-mehr-Auffinden natürlich kein Beweis für die Nichtexistenz ist. Ein Fund dagegen beweist, dass die Art nicht ausgestorben ist, ein klassisches Beispiel für den Wert von Falsifizierungen nach dem amerikanischen Wissenschaftsphilosophen Karl Popper.

Das Aussterben von biologischen Arten ist ein natürlicher Vorgang. Die Lebensdauer von biologischen Arten wird heutzutage mit 1 bis 10 Millionen Jahren angesetzt. Für die Gruppe der Vögel und der Säugetiere schätzt man, dass etwa alle 200 - 400 Jahre eine Art endgültig ausstirbt. Die heutige Rate des Aussterbens ist allerdings um den Faktor 100 höher, manche Autoren sprechen sogar von einer 10 000fachen Steigerung.

Gründe für das Aussterben

Die meisten Tiere sind relativ gut an ihren Lebensraum angepasst. Das bedeutet aber auch, dass eine Zerstörung ihres Lebensraums zu ihrem Aussterben führt. Gründe für das Aussterben sind z.Zt.

  • Fragmentierung oder Zerstörung der Lebensräume
  • Umweltverschmutzung
  • Klimaveränderung
  • Zerstörung der Ozonschicht

aber auch

  • Auftreten neuer konkurrenzstärkerer Arten, wie auch der Mensch eine darstellt.

Wenn taxonomische Gruppen nach einem anscheinenden Aussterben wieder "auferstehen" nennt man das den "Lazarus-Effekt".

Rekonstruktion des Kopfes des Dinosauriers Tyrannosaurus rex
Rekonstruktion des Kopfes des Dinosauriers Tyrannosaurus rex

Dokumentation durch den Menschen

Jedes Jahr veröffentlicht die Weltnaturschutzunion eine Liste der bedrohten Arten als IUCN Red List of Threatened Species. So wurden bspw. von 5416 beschriebenen Säugetierarten 4863 Arten auf Gefährdung geprüft. Davon waren 2007 1094 (davon 163 vom Aussterben bedroht) gefährdet, das entspricht 22%. Dagegen wurden bei den Reptilien von 8240 beschriebenen Arten nur 1385 auf Gefährdung untersucht. Davon waren 2007 422 Arten gefährdet, das entspricht 30%. Noch weniger flächendeckend sind die Fische untersucht: von 30 000 beschriebenen Arten wurden 3119 auf Gefährdung geprüft. Davon waren 2007 1201 Arten gefährdet, das sind 39%. Am wenigsten Überblick hat man über das artenreichste Taxon auf dieser Erde, den Insekten: von 950 000 beschriebenen Arten wurden nur 1255 untersucht: das sind nur 0,13%. Von diesen 1255 Arten wurden aber 623 als gefährdet eingestuft: das sind 50%!

Massensterben in der Vergangenheit

5 größere Artensterben sind bekannt:

  1. Am Ende des Ordoviziums
  2. Am Ende des Devon
  3. An der Grenze zwischen dem Erdaltertum, dem Paläozoikum, und dem Erdmittelalter, dem Mesozoikum, also am Ende des Perm bzw. Anfang der Trias
  4. Am Ende der Trias
  5. Zwischen Kreide und Tertiär
Armskelett eines Plesiosauriers
Armskelett eines Plesiosauriers

Am Ende des Perm vor 250 Millionen Jahren starben ca. 50% aller Familien im Meer aus, das entspricht ca. 80-90% aller Arten, da zu dieser Zeit das Meer den Hauptteil der Arten beherbergte. Darunter waren die Trilobiten und die Eurypteriden, zwei Gruppen großer mariner Gliederfüßler. Dieses Artensterben wurde wahrscheinlich durch eine starke rasante Klimaerwärmung hervorgerufen, in der Planktonblüten im Meer zu starker Sauerstoffarmut des Meerwassers führten.

Zwischen Kreide und Tertiär vor 65 Mio. Jahren starben ca. 50% aller Arten auf der Erde aus. Während dieses Massensterbens starben auch die Dinosaurier aus, gefolgt von einer adaptiven Radiation der Säugetiere. Andere Reptiliengruppen, die ausstarben, waren die Plesiosaurier und die Mosasaurier (marine Arten) und die Flugsaurier (Pterosauria). Auch die Ammoniten und die Belemniten (Tintenfisch-Verwandte) starben in diesem Artensterben aus. Das Perlboot Nautilus, ein "lebendes Fossil" ist der einzige heute noch lebende Kopffüßer mit einem spiralig aufgerollten Gehäuse. Interessanterweise überlebten aber fast alle Arten der Amphibien, der Schildkröten, Krokodile und Vögel.

Auswirkungen von Klimaänderungen in der Vorzeit

Im Oktober 2007 hat eine Forschergruppe veröffentlicht, dass die globale Durchschnittstemperatur in direktem Zusammenhang mit der Artenvielfalt auf der Erde steht. Und zwar ist die Biodiversität bei hohen Temperaturen eher niedrig, bei tieferen Temperaturen ist sie hingegen hoch. Die fünf großen Massensterben der vergangenen 500 Millionen Jahre – darunter das am Ende des Erdzeitalters Perm vor 250 Millionen Jahren, bei dem 96 Prozent aller marinen Arten ausstarben und das Massensterben am Ende der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren, bei dem auch die Dinosaurier ausstarben - gingen immer mit hohen Temperaturen einher.

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