Was ist Biodiversität?
![]() Nest einer Knotenameise: in Mitteleuropa gibt es 130 Ameisenarten. |
Einführung
Das Wort Biodiversität - "biodiversity" ist im Jahr 1985 in den USA geprägt worden und 1986 richtete der American Natural Research Council ein "US National Forum on BioDiversity" ein. Biodiversität bedeutet die Vielfalt der biologischen Arten und die genetische Vielfalt innerhalb der Arten auf dieser Erde, manchmal wird aber auch die Vielfalt der Ökosysteme in diesen Begriff mit eingeschlossen.
Weltweit gibt es wahrscheinlich ca. 10 Millionen biologische Arten, davon sind etwa 1,7 Mio. Arten bereits beschrieben. Jährlich werden etwa 15 000 Arten neu beschrieben. Viele Arten sind noch unbekannt, d.h. sie werden nur vermutet. In der öffentlichen Meinung werden diese deshalb auch als unwichtig empfunden. 16 000 von 40 000 genauer untersuchten Arten werden als gefährdet eingestuft, das sind 40%.
Jedes Land hat ein bestimmtes Kapital: vom Humankapital über Bodenschätze bis hin zu dem Kapital an Naturressourcen, die es nachhaltig zu bewirtschaften hat. Eine Mischung verschiedener Kapitalformen trägt dabei zu einer Stabilisierung des Gesamtwertes bei, genau wie bei der Zusammensetzung eines Bankdepots.
Nutzung durch den Menschen
Biologische Vielfalt wurde schon immer vom Menschen ausgenutzt: von der Nutzung von vielen Hausrindrassen zur Erforschung von medizinischen Wirkungen von Inhaltsstoffen von Meeresschwämmen. Allerdings werden heute gleichzeitig Möglichkeiten gesucht, diese Naturstoffe auf synthetischem Wege aus Erdölprodukten herzustellen: ein historisches Beispiel ist die Grundsubstanz zur Herstellung von ACC (Acetylsalicylsäure), dem Wirkstoff des Schmerzmittels Aspirin. Es handelt sich um die Salizylsäure, die ursprünglich aus der Rinde von Weidenbäumen (Salix) gewonnen, jetzt aber in großem Maßstab synthetisch hergestellt wird. Ca. 7000 Pflanzenarten wurden oder werden vom Menschen genutzt, es ist aber bekannt, dass es 10mal so viele essbare Pflanzenarten gibt.
| Die Gelbbauchunke ist eine gefährdete Amphibienart. |
Nicht unterschätzen sollte man auch den Erholungswert von unberührter Natur, der heutzutage in Westeuropa häufig durch Reisen in tropische Naturparks befriedigt wird.
Größe der Biodiversität
Je höher der Breitengrad, desto kleiner die Biodiversität. Und je größer ein Areal, desto größer ist die Biodiversität. Aber nicht jede Region hat die gleiche Biodiversität pro Fläche. Die US-amerikanische Organisation Conservation International hat nun 34 sog. Hotspots ausgewiesen, das sind Regionen mit besonders hoher Biodiversität und einer großen Anzahl von endemisch vorkommenden Arten und gleichzeitig akuter Bedrohung. In diesen Hotspots mit 2,3% der Erdoberfläche kommen 75 % der am meisten gefährdeten Säugetiere, Vögel und Amphibien vor. Ca. 50% aller Gefäßpflanzen und 42% aller terrestrischen Vertebraten sind hier zu finden.
Für Deutschland ist hier der Mittelmeerraum bedeutsam, da im Rahmen von Studienfahrten seine Biodiversität erkundet werden kann. Hier kommen bspw. 11 700 endemische Gefäßpflanzen vor, das sind 4 mal so viele wie im Rest von Europa. Ein Beispiel ist die bekannte Libanonzeder. Auch die Amphibien- und besonders die Reptilienfauna zeigen eine hohe Biodiversität mit einem hohen Grad von Endemismus, im Gegensatz zu den Säugetieren und den Vögeln.
Biologische Vielfalt in gestörten Ökosystemen
Wenn sich in einem Ökosystem die abiotischen Faktoren ändern, ändert sich auch die Lebensgemeinschaft (Biozönose). Diese ändert sich so lange, bis sich wieder ein ökologisches Gleichgewicht eingestellt hat. Diese Änderung der Biozönose nennt man Sukzession. Wenn bspw. ein Fluss aufgestaut wird, wird ein terrestrisches Ökosystem zu einem aquatischen Ökosystem. Oder wenn eine Wiese umgepflügt wird oder eine neue Insel im Meer durch vulkanische Aktivitäten entsteht.
Die Häufigkeit der biologischen Arten in einer Lebensgemeinschaft zeigt gesetzmäßige Zusammenhänge. Um diese zu visualisieren, erstellt man ein Schaubild:
- Y-Achse: Relative Häufigkeit der Arten
- X-Achse: Reihenfolge der Arten von der am häufigsten vorkommenden bis zur seltensten Art
Nach einer massiven Störung eines Ökosystems, also zu Beginn einer Sukzession, ist die Gesamtanzahl der Arten gering, aber die häufigsten Arten stellen zahlenmäßig den größten Anteil an der Lebensgemeinschaft. Die Artenzahl ist also klein, die Dichte der Arten, besonders der häufigsten, aber sehr groß. Im Verlaufe der Sukzession treten immer mehr Arten auf, die Dichte pro Art der häufigsten Arten nimmt aber ab. Im ökologischen Gleichgewicht ist deshalb die Artenzahl größer, die Dichte der häufigsten Arten aber geringer.
Umgekehrt ist der Trend bei einem Stress, dem das Ökosystem ausgesetzt ist: ein Giftstoff, Temperaturschwankungen usw.: dann nimmt die Artenvielfalt ab und die häufigen Arten nehmen immer mehr überhand.
