Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Protokoll Planungstreffen Climate-Net Oktober 2008
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Projekttreffen in Spanien: 17.-22. März 2009

Modell der Alcazaba von Málaga
Modell der Alcazaba von Málaga

Dienstag, 17. März

Früh morgens fliegen Schüler und Lehrer des Schickhardt-Gymnasiums Stuttgart und des Goldberg-Gymnasiums Sindelfingen nach Málaga mit Umsteigen in Düsseldorf (!). Vom Flughafen in Málaga geht es mit einem gecharterten Bus zur Jugendherberge in Málaga, wo von den Schickhardt-Schülern ihre Zimmer bezogen werden.

Erster Programmpunkt ist der Besuch des alten maurischen Palastes des Kadi von Malaga, der Alcazaba. Der Kadi war geistliches Oberhaupt und oberster Richter von Malaga. Drei Lehrer der IES Diego Gaitan führen die Gruppe zuerst durch die äußeren Befestigungsanlagen, die aus dem 11 .Jahrhundert datieren. Immer wieder sieht man Säulen und Kapitelle aus der Römerzeit, die von den Bauherren aus dem antiken Amphitheater direkt vor der Alcazaba zur Verzierung verwendet wurden. Der Weg geht in überraschenden Wendungen nacheinander durch acht Tore: Über den Besuchern zeugen Öffnungen in den Mauern für Bogenschützen von der strategischen Bedeutung dieses gut geschützten Zugangs. Ein kleines gefasstes Bächlein verläuft in der Mitte des Weges, der von Orangenbäumen gesäumt ist. Der Weg öffnet sich immer wieder zu kleinen Plätzen, wo damals die verteidigenden Soldaten sich sammelten und sich den Angreifern entgegen geworfen haben.

Decke im Palast der Alcazaba
Decke im Palast der Alcazaba

Schließlich erblickt man die Außenmauer des eigentlichen Palastes, der aus dem 14. Jahrhundert stammt. Typisch maurische Türbögen, filigrane Säulen und idyllisch anmutende Innenhöfe zeugen von der Kultur der Erbauer. Immer wieder erinnert die Architektur an den natürlich ungleich opulenteren Palast des Kalifen in Granada, die Alhambra.

Der Blick der Schüler ist aber auch schon für biologische Beobachtungen geschärft: Ein umherflatternder Schmetterling, ein Admiral, und eine Mauereidechse werden von den Schülern entdeckt und fotografiert. Eindrucksvoll ist der an Straßen stehenden auch der violett blühende Judasbaum (Arbol de amor=„Liebesbaum“, Cercis siliquastrum) mit herzförmigen Blättern.

Nach dem Besuch der Alcazaba streifen die Schüler des Schickhardt-Gymnasiums noch in Begleitung der Lehrer durch das Zentrum von Málaga, während die Goldberg-Schüler zur Jugendherberge gehen, wo sie von den spanischen Schülern mit ihren Eltern abgeholt und nach Almogía gebracht werden. Abends kommen auch die Lehrer und Schüler der Dronfield School aus England an und beziehen ihre Zimmer in der Jugendherberge.

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Mittwoch, 18. März 2009

Ein Comic über den Klimawandel
Ein Comic über den Klimawandel

Nach dem Frühstück fahren die Schüler und Lehrer mit einem Linienbus nach Almogía, eine knappe Stunde durch hügeliges Land mit Olivenhängen und blühenden Wegrainen mit Echium plantagineum, die unserem Natternkopf ähnelt (Echium vulgare). Auf den Hängen sah man Bauern bei der Suche nach wildem Spargel, der als Würze verwendet wird. In Almogía geht es zu Fuß steil in das Zentrum des Ortes hinunter zur IES Diego Gaitán, wo die Schulleiterin Marilo die Gruppe zusammen mit den spanischen Schülern und denen des Goldberg-Gymnasiums erwartet. In der Halle des Gebäudes sind Plakatwände der Grupo de Desarollo Rural Valle del Guadalhorce mit Informationen über den Klimawandel in Andalusien in Form eines Comics aufgebaut. Superpaco, der Held der Bildergeschichte, erklärt einem kleinen Mädchen die Gründe des Klimawandels, wobei das klimaschädliche CO2 von einer anderen Comicfigur personifiziert wird. Auch Maßnahmen gegen den Klimawandel werden kindgerecht erklärt. Eine Mitarbeiterin von Grupo de Desarollo Rural stellt den Schülern die Inhalte auf spanisch vor, die Übersetzung folgt dann immer direkt auf Deutsch und auf Englisch durch die Lehrer der Gastschulen. Besonders problematisch in Andalusien ist die Verringerung der Niederschläge (z.Zt. ca. 500 mm pro Jahr) bei gleichzeitiger Häufung von Starkregen. Das führt zu schwieriger werdendem Wassermanagement, allgemeinem Wassermangel und Erosion der Erde. Der Wasserstand in den Stauseen bspw. ist von vitaler Bedeutung für das Land.

Stausee bei Almogía
Stausee bei Almogía

Danach wurde ein Trickfilm vorgeführt, der humorvoll den Klimawandel, seine Gründe und Möglichkeiten des Engagements für jeden einzelnen aufzeigte. Für die sich anschließende Gruppenarbeit wurden transnationale Gruppen zusammengestellt, die  in einem Wettbewerb gegen die Zeit Fragen zum Vortrag beantworten mussten. Das führte zu schneller und lebhafter Kommunikation in allen drei Sprachen, gemeinsamen Strategien und schaffte ein Wirgefühl über die Ländergrenzen hinweg. Abschließend mussten die Gruppen noch Abfall in der richtigen Art und Weise sortieren.

Dann stellten die Schüler der Begabten-AG des Schickhardt-Gymnasiums Stuttgart ihre Arbeit in kurzen Vorträgen, jeweils auf deutsch und auf englisch vor . Die Übersetzung ins Spanische steuerte Frau Holzmann vom Goldberg-Gymnasium bei.

●    Biologische Vielfalt von Säugetieren durch die Untersuchung von Gewöllen von Eulen
●    Biologische Vielfalt in Pflanzengallen: Gallwespen und deren Parasiten
●    Die Biologie von Wildbienen
●    Die Nahrungspflanzen von Wildbienen
●    Die Etablierung von Wildbienenpopulationen im Schickhardt-Gymnasium
Almogía ist ein typisches andalusisches Dorf.
Almogía ist ein typisches andalusisches Dorf.

Im Anschluss wurden die Gäste in einem Restaurant im Dorf zum Essen eingeladen. Dort begrüßte sie der Bürgermeister von Almogía und alle ließen sich die Paella schmecken. Da die Zeit fortgeschritten war und der letzte Linienbus um 16.30 Uhr schon Almogía Richtung Málaga verlassen hatte, wurde ein Bus gechartert, der die Schüler und Lehrer des Schickhardt-Gymnasiums und der Dronfield School wieder nach Málaga brachte, während die Schüler des Goldberg-Gymnasiums in den Familien in Almogía blieben.

Abends nach dem Abendessen erkundeten die Schüler noch die Innenstadt von Málaga.

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Donnerstag, 19. März 2009

Schon vor 8.00 Uhr mussten die Schüler von der Jugendherberge zum Bus aufbrechen. Die Fahrt ging über Puerta Torre, wo die spanischen Lehrer zustiegen, nach Almogía, wo die spanischen Schüler und die Schüler des Goldberg-Gymnasiums zustiegen, weiter nach Norden zum Torcal de Antequera, einem hoch aus der Ebene ragenden Felsmassiv und Naturschutzgebiet seit 1927.

Interner Link  Der Torcal de Antequera

Wanderung durch den Torcal
Wanderung durch den Torcal

Eine Geologin führte die Gruppe einen 3 km langen Rundweg (la ruta amarilla) über Felsblöcke durch enge und feuchte Schluchten bis auf hohe Felsplateaus, von denen aus man einen weiten Blick in die Ebene nach Süden hatte. Fossile Abdrücke zeugten davon, dass die Steine ein Meeressediment des Urmeeres Thetys waren. Besonders eindrucksvoll waren auch die Dolinen, Senken, die durch Einbruch von Höhlen im Felsplateau entstanden sind. Insekten waren noch nicht viele unterwegs, da deren Entwicklung durch den außergewöhnlich kalten Winter in diesem Jahr verzögert war. Vier Exemplare der Bergziege konnten von der Gruppe beobachtet und fotografiert werden. In einer großen Doline wurden auch die mitgebrachten Sandwiches verzehrt.

Dann ging die Fahrt weiter im Bus zur Lagune Fuente Piedra nördlich von Antequera, die berühmt für ihre Flamingokolonie ist. Zum Zeitpunkt der Exkursion hielten sich ca. 10 000 Flamingos dort auf, die ersten begannen gerade mit dem Nestbau.

Mit einer Führerin konnten mit Hilfe von gestellten Spektiven die Flamingos und zahlreiche andere Wasservogelarten von der Aussichtsplattform beobachtet werden. Außerdem wurde der Gruppe der Zugang durch eine private Olivenplantage zur Beobachtung der Inseln mit den Nistplätzen ermöglicht. Außerdem konnten große Ölkäfer (Meloe) mit ihren charakteristischen Ausscheidungen beobachtet und fotografiert werden.

Flamingos durch ein Spektiv fotografiert
Flamingos durch ein Spektiv fotografiert

Interner Link  Die Lagune Fuente Piedra

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Freitag, 20. März 2009

Um 9.00 Uhr kam der Bus mit den Goldberg-Schülern und ihren spanischen Gastgebern in der Jugendherberge an. Nachdem das Gepäck in der Herberge verstaut war, ging es mit  den spanischen Lehrern Ana und José im Bus zur 800m über NN liegenden Aula de la Naturaleza Las Contadores in den Montes de Málaga nördlich von Málaga. Die Aula war jetzt ein halbes Jahr wegen Renovierung geschlossen, kann aber seitdem mit einem ansprechend eingerichtetem Klassenzimmer, einem Speisesaal und im ersten Stock mit insgesamt 60 Betten in mehreren Zimmern aufwarten. Sie wird fast jeden Tag von einer Gruppe, sei es eine Schulklasse oder eine private Gruppe besucht. Vollpension kostet 40 Euro pro Kind.

In der Aula wurde die Gruppe von den Mitarbeitern Moises und Luis empfangen. Moises, studierter Forstwirt, erklärte in einem Klassenzimmer den Naturschutz und die Entwicklung der Vegetation in Spanien.

Wald von Aleppokiefern auf den Montes de Málaga
Wald von Aleppokiefern auf den Montes de Málaga

Interner Link  Die Montes de Málaga

Die sich anschließende Exkursion begann auf einer kreisrunden Dreschfläche vor der Aula. Hier wurde der geerntete Weizen gedroschen und durch Aufwerfen mit großen Holzgabeln wurden die Spelzen durch den Wind entfernt. Vor der Aula stehen einige Zypressen, eine von den Römern als Alleenbaum gepflanzte Baumart. Ihr schlanker aufrechter Wuchs führte zu der religiösen Vorstellung, dass durch sie die Seelen in den Himmel zu den Göttern kommen.

Auf einer kleinen Aleppokiefer wurde ein Nest der giftigen Raupen des Prozessionsspinners vorgeführt. Eine Wiesenweihe (Circus pygargus) flog vorbei. Die Aleppokiefer hat eine starke Harzproduktion, mit der sie sich bei Verletzungen gegen Viren, Bakterien, Pilzen und Insekten schützt. Der Harz wurde früher zur Produktion von Firnis genutzt. Am Wegrand blühten einige Pflanzen wie Zistrosen (Cistus), deren Blätter mit einem silbrigen Flaum von Härchen gegen Überhitzung und damit übermäßigem Wasserverlust geschützt sind. An einer anderen Kiefer sah man einen Hexenbesen (Escoba de brujas), der durch Phytobakterien hervorgerufen wird. Ein großer Weberknecht wurde gefangen und herumgezeigt. Das Gestein in den Montes besteht hauptsächlich aus Schiefer (pizarra), während weiter oben noch Kalkstein darauf liegt. In besonnten Erdwänden sah man eine Menge von Eingängen von Erdnestern von solitären Wildbienen. Auf einer Steineiche (Quercus ilex) waren die Blätter übersät von Pflanzengallen.

Männliche Blüten der Steineiche
Männliche Blüten der Steineiche

Moos gibt es nur an den seltenen feuchten Stellen und ist deswegen in Andalusien besonders geschützt. Moos hat keine Wurzeln und kann das Wasser nur über seine Oberfläche aufnehmen, damit ist es gegen austrocknende Sonne nicht geschützt. Für das Schmücken von Krippen verwenden die Spanier große Mengen von Moos, heutzutage darf man aber dafür keines mehr sammeln. Flechten wachsen überall, da in den Montes de Málaga die Luft sehr rein ist.

Die Aula wird durch gefasste unterirdische Wasseradern und große Wasserbehälter mit Wasser versorgt.

An einigen Stellen sah man junge Steineichen (Quercus ilex) und Wilder Olivenbaum (Olea europea var. sylvestris), Bäume, die den ursprünglichen Artenbestand vor der Degradation repräsentieren und die deswegen gern gesehen werden.

In einer großen Pfütze konnte man die typischen handförmigen Abdrücke von Igeln und die Spuren der Hufe von Wildschweinen sehen. Wildschweine suhlen sich gerne im Schlamm, um die Parasiten in ihrem von starren Borsten durchsetzten Pelz los zu werden.

Brandschneise mit Löschteich und Helikopterlandeplatz
Brandschneise mit Löschteich und Helikopterlandeplatz

Zum Schluss wurde der Gruppe von einem Aussichtsplattform noch eine Brandschneise mit Löschteich und einem Helikopterlandeplatz inmitten des Waldes gezeigt. Im Wald wird ein Netz  von solchen Schneisen angelegt, um bei einem Waldbrand zu verhindern, dass sich der Brand ausbreiten kann. Im Hochsommer bei Temperaturen von 40 oder 50°C genügt der lichtsammelnde Effekt einer Glasscherbe, um trockenes Gras zu entzünden.

Von dieser Aussichtsplattform sah man von Osten nach Westen die Sierra de mijas, die Sierra de las Nieves, den Torcal de Antequera und die Sierra de las Cabras.

Bei dieser Aussichtsplattform wurde ein kreisender Schlangenadler, Schwalbenschwänze, Schwärme der Haarmücke Bibio, Rosenkäfer (Cetoniidae) und auf dem Rückweg durch den Wald ein Wollschweber entdeckt.

Zurück in der Aula gab es ein warmes Mittagessen mit einem Gericht aus Fisch (Rosado) und Kartoffeln („En blanco“) und danach gab es Schweinelende mit Pommes frites.

Nach dem Essen haben die Schüler noch 4 Südliche Zürgelbäume (Celtis australis) gepflanzt.

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Toter angeschwemmter Delphin am Strand von Málaga
Toter angeschwemmter Delphin am Strand von Málaga

Samstag, 21. März, und Sonntag, 22. März 2009

Der Himmel hatte sich über Nacht eingetrübt und es war empfindlich kalt geworden. Deswegen wurden nach dem Frühstück in der Jugendherberge alle Protokolle in deutsch, englisch und spanisch in transnationalen Gruppen fertig gestellt und alle Fotos auf einem Rechner vereinigt. Danach besichtigten die Schüler des Schickhardt-Gymnasiums mit ihrem Lehrer den Hafen, die Katedrale und das Picasso-Museum. Die Schüler des Goldberg-Gymnasiums machten einen Strandspaziergang und danach wurde eine Schülerin, die schon Samstag abend zu Hause sein musste, zum Flughafen gebracht. Die englischen Schüler verbrachten mit ihren Lehrern den Tag in dem Einkaufszentrum Eroski.

Am Sonntag machten die Schüler des Schickhardt-Gymnasiums noch einen Strandspaziergang an der Malagueta. Highlight war ein angeschwemmter, toter Delphin von über 1m Länge. Abends ging es im Flugzeug wieder zurück nach Stuttgart.

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