Genetische Vielfalt
![]() Junger Schneeleopard in der Wilhelma in Stuttgart: Schneeleoparde werden im Europäischen Erhaltungszucht- programm weitergezüchtet. |
Einführung
Genetische Vielfalt gilt allgemein als Garant für die Robustheit einer Art. Gerade rezessive Allele können so ein Reservoir von noch nicht oder nicht mehr realisierten Merkmalen darstellen. Auch das Phänomen der Präadaption basiert auf der verdeckten Weitergabe von rezessiven Allelen. Verringerte genetische Vielfalt geht mit einer höheren Chance der Entstehung von homozygoten Organismen und damit einer drohenden Inzucht-Depression einher.
Nach neueren Erkenntnissen wird sogar in 5 - 10% der Allele zufällig ein Allel durch die sog. epigenetische Kontrolle ausgeschaltet, also nicht nach der Vorgabe der Dominanz oder Rezessivität. Dieses Phänomen ist wahrscheinlich dafür verantwortlich, dass selbst eineiige Zwillinge nicht völlig identisch sind, selbst wenn sie in der gleichen Umwelt aufgezogen werden.
Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm
Das Europäische Erhaltungszuchtprogramm EEP, die kontrollierte Weiterzucht von gefährdeten Tierarten, achtet durch genaue Planung der Kreuzungen auf möglichst geringe Inzuchtgefahr. Bei diesen gefährdeten Großtierarten wie Nashörnern, Tigern usw. sind die Individuenzahlen auf der Erde aber meist schon so klein, dass nur eine sehr eingeschränkte genetische Vielfalt überhaupt noch zur Verfügung steht. Dadurch werden zufällig bestimmte Allele bevorzugt, also ist hier die Gendrift besonders stark: bottleneck oder Flaschenhalseffekt. Eine solche auffallend verringerte genetische Variabilität hat man bspw. beim Geparden (Acinomyx jubatus) gefunden. Hier ging die Art wahrscheinlich vor 6 000 bis 20 000 Jahren durch solch einen Flaschenhals. Das asiatische Panzernashorn (Rhinoceros unicornis) dagegen verfügt trotz einer sehr kleinen Restindividuenzahl über eine normale genetische Vielfalt, insofern scheinen die Verhältnisse doch komplizierter zu liegen. Gründerpopulationen auf Inseln haben ja nachweislich häufig zu einer sehr schnellen adaptiven Radiation geführt, wie das Beispiel der Darwinfinken zeigt.
Um eine Vorstellung der Populationsgrößen zu geben, hier ein paar Individuenzahlen von Nashornarten (2007):
- Spitzmaulnashorn Diceros bicornis in Afrika: 4 000
- Panzernashorn Rhinoceros unicornis in Indien und Nepal: 2100
- Sumatranashorn Dicerorhinus sumatrensis in Südostasien: 300
- Javanashorn Rhinoceros sondaicus in Südostasien: 60
