Biodiversität
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Klimawandel und Vögel
Milde Winter sind der Grund dafür, dass viele Vogelarten ihr Zugverhalten teilweise aufgeben wie bspw. Hausrotschwanz (Phoenicurus ochruros), Sommergoldhähnchen (Regulus ignicapillus) und Stieglitz (Carduelis carduelis). Der Bienenfresser (Merops apiaster), eine wärmeliebende Vogelart aus Südeuropa, brütet mittlerweile am Kaiserstuhl, unweit von Lahr/Schwarzwald in der südlichen Ortenau und im Saalekreis (Sachsen-Anhalt). Die Gelbkopfamazone (Amazona oratrix) kommt wild bspw. in Stuttgart in der Wilhelma und im Rosensteinpark vor, der Halsbandsittich (Psittacula krameri) kommt im Rheintal (Wiesbaden, Worms, Mannheim und Schwetzingen) und in den Tälern der Zuflüsse (z.B. im Neckartal) vor.
Am Bodensee wurden die Bestände von Vögeln zwischen 1980 und 2002 kartiert. In diesem Zeitraum stieg die durchschnittliche Temperatur am See im Winter um 2,7, die im Frühjahr um 2,1 °C an. Mediterrane Arten wanderten in das Bodenseegebiet ein: die Felsenschwalbe, die Zippammer und der Orpheusspötter. Bisherige Bewohner wie Uferschnepfe und Gelbspötter zogen dagegen nach Norden. Es gab aber weniger nach Norden abwandernde Arten als von Süden her zuwandernde Arten, deswegen erhöhte sich die Gesamtzahl der Arten von 141 auf 154.
Allgemein wurde in Baden-Württemberg in den letzten Jahren vermehrt die Einwanderung und Neuansiedlung von Vogelarten festgestellt, deren Verbreitungsschwerpunkt südlich von Deutschland liegt: Kolbenente, Orpheusspötter, Bienenfresser, Schlangenadler, Zwergohreule und Orpheusgrasmücke.
Der Zeitpunkt der Rückkunft von Zugvögeln liegt alle 10 Jahre etwa drei Tage früher, z.B. bei Blaumeise, Mehlschwalbe, Mauersegler, Hausrotschwanz und Zilpzalp. Das kommt wahrscheinlich daher, dass auch die Überwinterungsgebiete immer weiter nördlich liegen. Bei einigen Kurzstreckenziehern wie Hausrotschwanz, Singdrossel, Mönchsgrasmücke und Zilpzalp wurden schon überwinternde Individuen im Januar nachgewiesen. Entsprechend liegt auch der Legebeginn der Eier bei vielen Vögeln jedes Jahr etwas früher. Folgen hat das auch für den Kuckuck: Dieser Zugvogel hat sein Verhalten noch nicht umgestellt und findet deshalb immer schwieriger geeignete Nester, da die Bruten schon weiter fortgeschritten sind als noch vor einigen Jahren.
Verlierer des Klimawandels sind häufig Langstreckenzieher, die sich nicht schnell genug umstellen. Ein Beispiel ist der Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus), der südlich der Sahara überwintert. Wenn er zurückkehrt, ist die Entwicklung der Insektenwelt durch den Klimawandel schon weiter fortgeschritten als früher und die guten Brutplätze schon vielfach vergeben. Ähnliches gilt für den Trauerschnäpper (Ficedula hypoleuca), der in der Liste der gefährdeten Vogelarten der IUCN firmiert.
