- Protokoll Französisch-Guayana 17. - 25.11.12
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Projektfahrt nach Französisch-Guayana 17. - 25.11.12

Agouti (Dasyprocta) auf den Iles de Salut
Agouti (Dasyprocta) auf den Iles de Salut
Eintagsfliegenlarve (Ephemeroptera)
Eintagsfliegenlarve (Ephemeroptera)

Vom 17. bis zum 25. November 2012 fand die Projektfahrt der deutschen und der englischen Schule zur Partnerschule in Französisch-Guayana in Südamerika statt.

Samstag, 17.11., und Sonntag, 18.11.2012

Um 16.00 Uhr flog die Gruppe aus 5 Schülerinnen des Schickhardt-Gymnasiums Stuttgart mit Begleitlehrer Martin Rausch und 10 Schülerinnen und Schüler des Goldberg-Gymnasiums Sindelfingen mit den Begleitlehrerinnen Renate Holzmann und Nicole Püpcke von Stuttgart nach Paris. Nach einem langen Bustransfer zum Flughafen Orly wurden die Zimmer im Flughafen-Hotel Ibis bezogen. Da es spät geworden war, wurde am Abend gemeinsam im Hotel zu Abend gegessen und früh sich schlafen gelegt. Am Sonntag gab es schon Frühstück um 7.00 Uhr, um pünktlich 2 Stunden vor dem großen Flug über dem Atlantik nach Cayenne in Französisch Guayana zum Einchecken da zu sein. Um 10.45 Uhr hob schließlich das fast vollständig besetzte Flugzeug ab und 8 ½ Stunden Flug über die Weite des Atlantiks trugen zum Flughafen in Cayenne. Hier war es nach Ortszeit 4 Stunden früher, so dass der Tag versprach, lang zu werden. In der Flughafenhalle warteten schon alle Gastgeberfamilien und der Projektleiter in Französisch-Guayana, Alexandre Vinot. Die französischen Schülerinnen und Schüler, die sich zum Teil schon aus dem Projekttreffen im Juni in Deutschland kannten, und die Ankömmlinge schlossen sich gegenseitig in die Arme. Die Gastgeber nahmen die Gäste mit und die Lehrer mieteten ein Auto und folgten ihnen nach Kourou. Dort bezogen die Lehrer ihre Zimmer in dem einfachen Hotel Ballahou in der Nähe des Strandes. Die englischen Schülerinnen und Schüler mit dem Projektleiter Howard Horsfall und der englischen Schulleiterin Teresa waren schon am Vortag in Französisch Guayana eingetroffen.

Montag, 19.11.

Die schwarze Mangrove (Avicennia germinans)Die schwarze Mangrove (Avicennia germinans) Die schwarze Mangrove scheidet Salzkristalle auf der Blattoberfläche aus.
Die schwarze Mangrove scheidet Salzkristalle auf der Blattoberfläche aus.

Schon um 8.00 Uhr trafen sich alle, Schülerinnen und Schüler aus allen drei Ländern, und die Lehrer im Lycée Gaston Monnerville, wo sie vom Schulleiter Stéphane Czyba, dem Stellvertretenden Schulleiter und der Technischen Direktorin in der Mensa zu einem zweiten Frühstück begrüßt wurden. Nach dem ausführlichen Frühstück ging es in das Medienzentrum, wo Caroline, Leiterin des Medienzentrums, den Schülerinnen und Schülern eine kurze Einführung gab. Nach einer Phase der selbständigen Erkundung der Bücher und, v.a., des Internets an den Internetstationen versammelten sich alle in einem Klassenraum, wo Alexandre Vinot das Thema Wasser an Hand der Gegebenheiten in Französisch-Guayana erklärte.

In der folgenden Pause konnten die Schülerinnen und Schüler zu Hause bei ihren Gastfamilien essen. Um 15.30 Uhr versammelte sich die gesamte Gruppe an der Pointe des Roches direkt an der Mündung des Flusses Le Kourou am Rand von Kourou. Alexandre Vinot erklärte hier am praktischen Beispiel die Veränderungen, der die Küste in Französisch-Guayana laufend unterworfen ist. Die Pointe des Roches ist eine der wenigen Stellen, wo an der Küste Felsen aus dem Sand heraus ragen. Durch die Meeresströmungen wird aber zur Zeit westlich dieser Stelle der Sand abgetragen, so dass hier Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Erosion zu stoppen. Dazu werden riesige lange Stoffsäcke mit Sand gefüllt und quer zum Strand in das Wasser gelegt. Außerdem werden spezielle Gräser gepflanzt, die mit ihren Wurzeln die Winderosion verhindern. Trotzdem ist der Strand an dieser Stelle schon sehr schmal geworden und die Erosion bedroht ein großes Hotel, was hier steht.

Weiter östlich an der Mündung des Flusses Le Kourou konnte man ein Schiff im Fluss liegen sehen, welches den Schlamm in der Fahrrinne laufend ausbaggert, damit der Fluss weiterhin schiffbar für die Versorgung der Raketenabschussrampe der ESA bleibt. Die Ufer des Flusses sind bewachsen von Mangroven verschiedener Alterstadien, was man gut an richtigen Stufen in der Wuchshöhe erkennen konnte. In einigen Jahren werden aber diese Mangrovenwälder wieder verschwunden sein, weil sich der Schlamm weiter bewegt hat. Zurück bleibt ein Waldfriedhof.

An einem gemauerten Steg konnte man nah an einen neu entstehenden Mangrovenwald heran treten. Dort wuchsen graue Mangroven (Paletuvier gris) mit Blättern, die wie Eier auf ihrer Spitze geformt sind, die zum Teil auch blühten. Daneben weiße Mangroven (Paletuvier blanc) mit lang gestreckten Blättern. Auf ihren Blättern konnte man Salzkristalle erkennen, da die Pflanze auf diese Weise überschüssiges Salz ausscheidet.

Die weißen Mangroven sind die Pionierpflanzen, die als erstes neue Schlammflächen besiedeln. Auf sie folgen die grauen Mangroven, die die weißen Mangroven im Endeffekt verdrängen. An einem kleinen Bach etwas vom Strand entfernt konnte man schließlich noch die dritte und letzte Art von Mangroven sehen, die rote Mangrove, die nicht rot ist, aber an ihren langen Stelzwurzeln leicht erkennbar ist. Früher wurde aus der Rinde ein roter Farbstoff hergestellt, daher der Name. An dieser Stelle wuchsen auch große Mengen von Mimosenbüschen, deren Reaktion auf Berührung dann auch ausgiebig getestet wurde.

Anschließend wurden mit Hilfe des geliehenen Minibuses und z.T. auch mit Fahrrädern alle Schülerinnen und Schüler zum Schwimmbad der Fremdenlegion transportiert. Dort unterzogen sich alle einem Schwimmtest (50m Freistil), angeleitet durch Mr. Canu, der am Donnerstag eine Kanufahrt begleiten sollte. Um 19.00 Uhr endete schließlich der Tag und die Schülerinnen und Schüler gingen zurück in ihre Gastfamilien.

Dienstag, 20.11.

Durch den Regenwald zu einem Bach
Durch den Regenwald zu einem Bach
Kröte am Wegesrand: Wer findet sie?
Kröte am Wegesrand: Wer findet sie?

Schon um 7.00 Uhr traf sich die ganze Gruppe an der Schule, zur gleichen Zeit fängt hier allerdings auch der normale Unterricht an. Nach einer kurzen Fahrt im Bus (13 km) auf der Straße nach Sinnamary nach Westen wurde die Gruppe inmitten des Waldes abgesetzt und es ging zu Fuß direkt in die Wildnis. Auf dem Weg durch die dichte Vegetation zeigte Alexandre Vinot bspw. Domatien, das sind Wucherungen von Pflanzen, die von Ameisen bewohnt werden. Und diese Ameisen wiederum beschützen die Pflanzen bspw. vor blätterfressenden Käfern!

Nach einem 45-minütigen Marsch durch den trockenen Wald (allerdings bei 100% Luftfeuchtigkeit!) erreichte man den kleinen Bach, der untersucht werden sollte. Es wurden drei Gruppen gebildet, die an verschiedenen Stellen des Bachs das Gewässer kleine wirbellose Tiere mit Keschern und Pinzetten fingen. Martin Rausch gab eine Einführung und dann wurde der Bach systematisch durchsucht. Nach etwa einer Stunde traten alle den Rückweg an und es dauerte nicht lange, bis man wieder die Straße erreichte, wo der Bus bereits wartete und alle zurück an die Schule brachte.

Nach einer längeren Pause, in der die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit hatten, um sich frisch zu machen und um zu Mittag zu essen, trafen sich 14.00 Uhr alle wieder im Biologie-Fachraum. Dort präsentierten Schülerinnen und Schüler des Schickhardt-Gymnasiums Stuttgart und des Goldberg-Gymnasiums vier Themen: „Erneuerbare Energien in Deutschland“, „Atmung unter Wasser“, „Biologische Gewässergütebestimmung“ und „Eintagsfliegen“, alles natürlich auf Englisch.

Anschließend wurden die Fänge aus dem Waldbach bestimmt, zuerst die Großgruppen mit einer französischen Bestimmungshilfe, dann die Familien innerhalb der Eintagsfliegen durch einen englischen Bestimmungsschlüssel, der von einem Spezialisten im Löwentor-Museum in Stuttgart erstellt worden war. Durch die Bestimmung der Eintagsfliegenlarven sollte eine Aussage über die Gewässergüte nach dem Standard SMEG gemacht werden, der erst vor ein paar Jahren von Wissenschaftlern entwickelt wurde und noch in Erprobung ist. Leider waren nur sieben Individuen von Eintagsfliegenlarven gefangen worden, so dass die Aussage nicht gut fundiert werden konnte. Es wurden zwei Eintagsfliegenfamilien gefunden, die nur in sauberen Gewässern vorkommen: die Familie der Euthyplociidae, die eine Gewässergüte von 5 und die Familie der Leptophlebiidae, die eine Gewässergüte von 4 anzeigen. Dazu muss man wissen, dass die Skala des SMEG von 1 = schlechte Qualität bis 6 = gute Qualität reicht. Parallel wurde die chemische Gewässergütebestimmung ausgewertet, die eine Wasserqualität von 1,5 anzeigte. Die deutsche Skala, die hier verwendet wurde, geht von 1 = gute Qualität bis 4 = schlechte Qualität. So stimmten die Ergebnisse beider Untersuchungen dergestalt überein, dass es sich bei dem Waldbach um ein relativ sauberes Gewässer handelt.

Mittwoch, 21.11.

Untersuchung der Bachorganismen mit dem Binokular
Untersuchung der Bachorganismen mit dem Binokular
Wasserschwein (Hydrochoerus hydrochaeris), das größte Nagetier der Welt
Wasserschwein (Hydrochoerus hydrochaeris), größtes Nagetier der Welt

Der Tag begann später (08.30 Uhr), da ein Besuch des Zoologischen Gartens auf dem Programm stand und der Zoo nicht so früh öffnete. Bei Macoura an der Straße zwischen Kourou und Cayenne liegt dieser flächenmäßig große, aber nur auf die Arten Französisch Guayanas beschränkte Tierpark. Die Käfige sind teilweise sehr engmaschig begittert, aber vom Waldhund über alle Arten von Raubkatzen (Jaguar, Puma, Ozelot usw.), alle Arten von Nagetieren (Wasserschwein, Paka usw.) bis hin zu allen Affenarten des Départements bekamen die Schülerinnen und Schüler einen guten Überblick über die Fauna, eine Artenvielfalt, von der man bei den Exkursionen doch relativ wenig mitbekam. Höhepunkt war der Baumwipfelpfad, über den man zwischen den Kronen der Urwaldbäume einen ganz anderen Eindruck der Vegetation bekam. Zurück in der Schule wurde gemeinsam das Mittagessen in der Kantine eingenommen und danach ging es gleich weiter zum Raumfahrtzentrum von Kourou mit den Abschussrampen für die europäischen Trägerraketen Ariane 5 (12 Tonnen Transportkapazität) und Vega (1,5 Tonnen) und die russische Sojus (3 Tonnen). Mit einem Bus ging es durch die ausgedehnte Anlage (700 km²), allerdings mit einer Führung in französischer Sprache, die doch manchen Schüler leicht überforderte. Trotzdem war die Führung eindrucksvoll, besonders natürlich die eigentliche Abschussrampe der Sojus-Rakete mit einem ausbetonierten Trichter mit über 100 m Durchmesser und über 20 m Tiefe für die Verbrennungsgase.

In der Kommandozentrale wurden dann die genauen Abläufe erklärt:

  • vom Vertragsabschluss mit dem Kunden, der einen Satelliten (90% Kommunikationssatelliten) in eine Umlaufbahn platzieren will,
  • über die genaue Produktion der eigentlichen Trägerrakete mit deren Transport zur Abschussrampen
  • bis hin zum Countdown und dessen eventuellen Abbruch.
Raketenmodelle im Space Center
Raketenmodelle im Space Center
Fast maßstabsgetreues Modell der Ariane-Rakete
Fast maßstabsgetreues Modell der Ariane-Rakete
Abschussrampe für Sojus-Raketen
Abschussrampe für Sojus-Raketen

Donnerstag, 22.11.

Wieder ging es früh um 7.00 Uhr an der Schule los. Dieses Mal sollte es zum Pripri de Yiyi, einem 15 000 ha großen Naturschutzgebiet bei Sinnamary, gehen. Pripri ist creolisch und heißt Feuchtgebiet, Yiyi ist der Name der Gegend. Nach anderthalb Stunden Fahrt im gecharterten Reisebus begrüßte X, die Leiterin des Naturstation, die Gruppe. Die 33 Schülerinnen und Schüler wurden in 3 internationale Kleingruppen (jeweils englische,deutsche und französische Partner) aufgeteilt und jede Gruppe sollte nacheinander die drei vorbereiteten Workshops kennen lernen:

1. Workshop: Das Naturhaus "maison de la nature"  und die Trinkwasseraufbereitung vor Ort
2.Workshop:  Das Ökosystem Savanne in der Umgebung
3. Workshop: Kanufahrt auf dem kleinen Fluss und das aquatische Ökosystem

1. Workshop

Zu Beginn wurde die Sammlung des Naturhauses mit Aquarien und der aquatischen Fauna und Stopfpräparaten usw. präsentiert. Hier beeindruckte ein Aquarium mit "vegetarischen Piranhas", Verwandte zu den "echten" Piranhas, jedoch von Pflanzen lebend. Im Aquarium gab es jedoch auch carnivore Fische, die die Schülergruppe mit selbstgefangenen Heuschrecken füttern durfte. Daneben konnte man ein Terrarium mit Taranteln betrachten, die es in der Savanne direkt vor dem Naturhaus gibt. Auch sie durften gefüttert werden und die Schüler fingen eifrig mit Netzen Heuschrecken und Grillen.  Allerdings waren die Spinnen schnell satt und die Heuschrecken hüpften noch lebend im Terrarium herum, als die Gruppe das Haus am frühen Abend verließ.

Danach wurde die Trinkwasseraufbereitungsanlage besichtigt: die Schülerinnen und Schüler wurden in Zweiergruppen eingeteilt und sollten anhand der offenen Anlage herausfinden, wie dort das Wasser vom Zufluss aus einer Quelle bis zum fertigen Trinkwasser aufbearbeitet wird:
Das Quellwasser floss durch lange Reihen von Sand, die das Wasser filtern , was der mechanischen Klärung entspricht.
Auf dem Wasser sah man eine sehr dünne glänzende Schicht, wobei die Schüler zunächst an Öl dachten. Aber wie sollte Öl ins Quellwasser kommen?

Schwarzer Kaiman (Melanosochus niger)
Schwarzer Kaiman (Melanosochus niger)
Fahrt auf dem Kanu durch das Pripri de Yiyi mit Moucou-moucou-Bestand
Fahrt auf dem Kanu durch das Pripri de Yiyi mit Moucou-moucou-Bestand

Ein Lehrer tauchte vorsichtig die Fingerspitze in die Schicht und - die Schicht schoss blitzartig auseinander. Schlussfolgerung der Schüler: da die Haut in der Regel eine dünne Fettschicht besitzt, musste die Schicht das Gegenteil davon sein, also fettabstoßend und wasserliebend, hydrophil : hier hat sich eine aerobe Bakterienschicht angesiedelt, die mit Hilfe von Sauerstoff organische Stoffe im Quellwasser abbaut. Dies entspricht der biologischen Klärung in den großen Kläranlagen..
Am Schluss sammelt sich das Wasser in einem  Rohr, wo es mit Chlor desinfiziert wird und gelangt von dort aus in den großen Behälter. Dieser wiederum  führt das Wasser direkt in das Naturhaus.
Die Schüler notierten ihre Beobachtungen auf  und skizzierten die Anlage auf  Papier.  
Die englisch-deutsch-französische Lehrergruppe nahm Wasserproben von den verschiedenen Stufen der Wasserreinigung und  führten später in der Schule Wasseranalysen durch. Die Ergebnisse entsprachen exakt den Schlussfolgerungen  der gesamten Gruppe.

2. Workshop

Eine Mitarbeiterin des „Maison de la Nature“ führt die Gruppe durch eine Savanne, auf der die Sonne gnadenlos niederbrennt. Hier sind zum einen die Anpassungen von Pflanzen an die Trockenheit das Thema. Zum anderen konnte man Symbiosen zwischen Tieren und Pflanzen wie die sog. Myrmekodomatien beobachten, das sind Hohlräume, die eine Pflanze Ameisen als Unterschlupf zur Verfügung stellt, wobei sie durch die Anwesenheit der Ameisen vor blattfressenden Phytophagen, z.B. Blattkäfern, geschützt wird.

Die Schülerinnen und Schüler lernen einen französischen Zungenbrecher:
Cèst le Prispris de Yiyi où il ya beacoup beaucoup de moukoumoukou.

Der Weg verläuft auf Holzstegen, da dieser Bereich früher einmal überflutet war, durch einen urwaldartigen Abschnitt bis in das Sumpfgebiet. Dort konnte man von einer Beobachtungshütte aus mit Hilfe von Ferngläsern Wasservögel beobachten. Außerdem sah und hörte man jede Menge Kröten und Frösche im Wasser. Nach einer 1,5 stündigen Wanderung kamen alle verschwitzt am „Maison de la Nature“ wieder an.

3. Workshop

Mit 6 Kanus und unter Aufsicht des Lifeguards Mr. Canu bewegte sich die eine Gruppe durch teilweise schmale Wasserwege hindurch, die sich immer wieder zu einer großen freien Wasserfläche öffneten. Die Ufer waren dicht bewachsen mit Moucou moucou, einer bis zu 4 m hohen Sumpfpflanze mit pfeilförmigen Blättern und dicken, bedornten Stängeln. Diese Pflanze verfügt über eine außergewöhnliche Art der Befruchtung: wenn die Blüten sich öffnen, werden diese warm und eine spezielle Käferart, die dadurch angezogen wird, führt die Begattung in den Blüten durch und bestäubt dadurch die Pflanze. Zwischen diesen großen Pflanzen wachsen eine ganze Reihe von Grasarten der Familien Cyperaceae mit dreikantigen Stängeln und XX mit runden, gerillten Stängeln. Sie bilden immer wieder ausgedehntere Wiesenflächen, deren Wurzeln aber nicht bis auf den 1 – 1,5 m tiefen Seeboden reichen, so dass sich „schwimmende Wiesen“ bilden. Das Wasser ist dicht bewachsen mit der Pflanze Cabomba, eine Wasserpflanze mit zerschlitzten Blättern unterhalb der Wasseroberfläche kleinen ovalen roten Blättern unterhalb der kleinen gelben Blüten, die sich aus dem Wasser erheben. Zwischen den Cabomba-Pflanzen schwommen viele kleine Fische und etliche Libellenarten schossen über die Wasseroberfläche.

An den Ufern stachen immer wieder größere gelbe Blüten hervor, die sich auf blattlosen Stängeln aus dem Wasser erheben. Es handelte sich um den Wasserschlauch, eine fleischfressende Pflanze. Mit kleinen Kapseln im Wasser fängt diese Pflanze kleine planktische Krebse durch Ansaugen mit Unterdruck, Krebse, die in den Kapseln verdaut und deren Reste dann wieder ausgeschieden werden.

Von den Großtieren dieser Art von Feuchgebieten sah man leider nichts. In dem Gebiet kommen Brillenkaimane, Wasserschweine und Wasserschlangen vor.

Nach der letzten Kanufahrt und einem ausgiebigen Picknick ging es wieder zurück mit dem Bus zur Schule. Nach einem Abstecher zur Gastfamilie (mit Dusche) trafen sich alle wieder in der Schule, wo sie vom Schulleiter Czyba zu Saft und kleinen Köstlichkeiten eingeladen wurden. Der Schulleiter kannte die Welt schon aus vielen Arbeitsverhältnissen als Lehrer und später als Schulleiter: Grenoble in Frankreich, Peru, Ecuador und Französisch-Polynesien. Mit den Projektleitern der deutschen und englischen Schulen wurden sofort wieder Pläne geschmiedet für eine Neuauflage eines Comeniusprojekts ab dem Schuljahr 2014/2015...

Freitag, 23.11.

Die Iles de Salut
Die Iles de Salut
Meeresschildkröte (Cheloniidae)
Meeresschildkröte (Cheloniidae)

Um 7.30 Uhr war dieses Mal der kleine Hafen der Treffpunkt, da die Inseln Iles de Salut auf dem Programm standen. Dort bestieg die Gruppe den Katamaran, der alle auf die größte Insel, die Ile Royal, bringen sollte. Ein kräftiger Seegang ließ manchen Schüler erbleichen und zur Plastiktüte greifen. Dort angekommen begrüßten einen gleich mehrere Meeresschildkröten und Iguanas direkt am befestigten Ufer. Zu Fuß ging es um die Insel herum an die Nordseite zu einem von den Sträflingen gebauten Becken im Meer, wo ohne Gefahr von Wellen und Meerestieren die Schülerinnen und Schüler baden konnten. Die Kunstlehrerin Nicole Püpcke hatte Körperfarben mitgebracht. Alle stellten sich im Bikini und in Badehose in eine Reihe Richtung Meer und meditierten zum Geräusch der Wellen. Dann malten sie sich gegenseitig Wellen auf die Bäuche und auf die Rücken das Motto „Comenius Water-Net Guayana“ (ein Buchstabe pro Rücken). Diese Installation wurde dann dokumentiert und mit mehreren La Olas gebührend gefeiert. Im Meeresbecken konnten sich die Schülerinnen und Schüler dann erfrischen (bei 28°C Wassertemperatur!) und die Körperfarben wieder abwaschen.

Danach gab es ein großes Picknick, wobei durch den Essensgeruch Gäste angelockt wurden wie Hähne und Agoutis. Dann standen zwei Stunden zur freien Verfügung und um 16.00 Uhr trafen sich wieder alle an der Bootsanlegestelle und bestiegen den Katamaran, der die Gruppe wieder zurück nach Kourou brachte. Die Rückfahrt verlief glücklicherweise viel ruhiger, so dass es überall nur strahlende Gesichter gab. Am Hafen in Kourou wurden die Schülerinnen und Schüler von den Gastfamilien abgeholt, wobei einige noch planten, zu dem Stadtfest von Kourou zu gehen.

Samstag, 24.11., und Sonntag, 25.11.

Am Samstag trafen sich die Lehrerinnen und Lehrer schon um 8.00 Uhr ohne Schüler, um die Organisation der weiteren Projektarbeit zu besprechen und die chemische Wasseranalyse der Trinkwasseraufbereitung im Maison de la Nature im Pripri de Yiyi durchzuführen. Um 10.00 Uhr kamen dann die Schülerinnen und Schüler dazu und es wurde gemeinsam die Richtlinien der weiteren Zusammenarbeit besprochen. Außerdem wurde die Verteilung der Schüler auf die verschiedenen Teilaktivitäten vorgenommen, wobei wieder multinationale Gruppen gebildet wurden. Schließlich präsentierten noch Schülerinnen und Schüler der Dronfield-School die Technik der Abwasseraufbereitung. Um 12.00 Uhr schließlich trennten sich noch einmal alle für das Mittagessen, um sich wieder zum endgültigen Abschied auf dem Flughafen von Cayenne wieder zu sehen. Der Abschied verlief nicht ganz ohne Tränen und die deutsche Gruppe ging zum Check-In, die französische Gruppe fuhr wieder nach Hause und die englische Gruppe ins Zentrum von Cayenne, da sie erst am folgenden Sonntag den (dann billigeren) Flug zurück nach London gebucht hatte.

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