Kinderoper mit neuem Vermittlungskonzept
Kinderoper - ´Der unglaubliche
Spotz`
Musik von Mike Svoboda / Text (Libretto) von Manfred Weiß
| Diese Kammeroper wurde als Pilotprojekt des Theater
Freiburg in Kooperation mit "indieOper!" und mit Unterstützung der Robert
Bosch Stiftung für Kinder ab 6 Jahren in der Spielzeit 2007/08 in
Freiburg uraufgeführt. |
Form der musiktheaterpädagogischen Vorbereitung auf den
Opernbesuch

Workshop mit J. Fuchs
|
Das eigentlich Besondere an dem Konzept des
Teams von "indie Oper!" liegt darin, dass die Kinder, bevor sie die Oper
zum ersten Mal auf der Bühne erleben, in Workshops selbst Musik machen
und Theater spielen und dass sich simultan zu dem Inszenierungsprozess
des Theaters Freiburg die beteiligten Schulklassen mit einer
eigenen Form von Inszenierung auseinandersetzen. Das bedeutet, dass die
professionellen Theaterschaffenden die Uraufführung wie gewohnt
vorbereiten. |
| So führt die Regisseurin dort
die Proben mit den Sängern durch und überwacht die Arbeiten für die
Ausstattung und Infrastruktur. Zu gleicher Zeit arbeiten die Lehrkräfte
in ihren Klassen mit den Schülerinnen und Schülern an dem Problem des
Königs. Hierzu sind sie zuvor in eigens veranstalteten Workshops mit
Unterrichtsmaterialien ausgestattet und auf die Lehrmethoden eingestimmt
worden. |

Der geräuschempfindliche König |
Zum Ablauf der musiktheaterpädagogischen
Arbeit gehört es, dass die Handlung der Kinderoper den Kindern, die an
dem Projekt beteiligt sind, nur teilweise bekannt ist. Sie erfahren, dass
der König keinerlei Geräusche in seinem Land duldet und alles verbietet,
was auch nur annähernd einen Ton von sich gibt. Auch wissen die Kinder,
dass des Königs Tochter bei der Uraufführung einer Oper die Hauptrolle
übernehmen und singen möchte. Über weitergehende Informationen verfügen
die Kinder jedoch nicht, sondern sie müssen dann in Eigenarbeit eine
eigene Lösung des Problems finden und dieses auch musikalisch
umsetzen. |
| Sie entwickeln sozusagen eine
eigene Version der Oper in der Schule und diese Ausarbeitung hat dann
theatralischen und musiktheatralischen Charakter. Man könnte sagen, dass
sie an einer eigenen Oper mit ähnlichen Figuren und mit Teilen der Musik
von Mike Svoboda arbeiten; sie sind ihre eigenen Sänger, Darsteller,
Bühnenbildner und Regisseure. Es kann aber in der Handlung der Oper durch
die Kinder auch etwas völlig Abweichendes vom ursprünglichen Text
entstehen, denn der Text von Manfred Weiß bietet verschiedene
Möglichkeiten. Das liegt daran, dass es neben dem Komponisten und der
Prinzessin, die die Oper singen wollen, noch eine andere Figur gibt und
diese ist Albert Einstein, der allerdings nicht identisch ist mit dem
berühmten Wissenschaftler Albert Einstein, der aber mindestens genauso
genial ist. Diese drei Personen beraten sich um die Hörstörung des Königs
zu beheben. |

Schülergruppe der 2. und 3. Klasse
|
Kinder verkleiden sich gerne, nehmen Rollen
an, Kinder singen gerne, bewegen sich gerne, machen gerne Musik, spielen
Szenen und tun all die Dinge, die eigentlich eine Oper ausmachen.
Johannes Fuchs, dem Teamleiter und Musiktheaterpädagogen des Teams
"indieOper!" hat in seinen Projekten erlebt, dass Kinder über die Oper
anders denken als Erwachsene. Einen Grund , warum das Medium Oper den
Kindern sehr nahe liegt, sieht er darin, dass sie keine Probleme mit der
Art des Singens, also dem so genannten Operngesang haben. |

Lehrkräfte beim Workshop mit J. Fuchs
|
Die Lehrkräfte, die die Kinder auf den
Opernbesuch vorbereiten, wurden in Lehrerfortbildungen von den
Musiktheaterpädagogen Cecilia Zacconi und Johannes Fuchs von
"indieOper!" mit dem Konzept vertraut und in spielpraktischen Anregungen
für einfach gestaltende Klassenprojekte bekannt gemacht sowie mit
entsprechendem Unterrichtsmaterial ausgestattet. Je nach Bedarf wurden
sie während des Inszenierungsprozesses nicht nur von den
Musiktheaterpädagogen Cecilia Zacconi und Johannes Fuchs von
"indieOper!", sondern auch von dem erfahrenen Theaterpädagogen des
Theater Freiburg, Michael Kaiser, in ihrer Arbeit
unterstützt. |
Szene aus der Kinderoper
|
Zusätzlich erhielten die Lehrerinnen und
Lehrer Material, auch zur Musik an die Hand, das für die Arbeitsphasen in
der Schule Spielvorschläge, theaterpädagogischen Anregungen und
Unterrichtsmaterialien für den Musik- und Deutschunterricht sowie
Ergänzungen für das Fach Bildende Kunst bereitstellte. Mit diesen
Unterlagen wurden die Lehrkräfte selbst zu Multiplikatoren, die somit das
Projekt in ihrer Klasse aufziehen konnten. Außerdem besuchten die
Schulklassen Proben zum Stück im Theater. Die Materialmappe, die Texte,
Spielvorschläge, auch Noten zu den Liedern usw. enthält, wird
freundlicherweise interessierten Lehrkräften kostenlos als PDF-Datei [ PDF Datei, 1,00 MB] zum Herunterladen von den
Mitarbeitern "indieOper!" zur Verfügung gestellt. |
In Ergänzung zur Betreuung durch die Musiktheaterpädagogen
von "indieOper!" und dem am Theater Freiburg tätigen Theaterpädagogen
Michael Kaiser, der insbesondere die Kontakte zu den Lehrkräften pflegte,
kamen die Musiker des Pilotprojekts und die "großen" Künstler aus dem
Theater zu den "kleinen" Künstlern, um sich mit ihnen auszutauschen.
Beteiligt an dem Projekt waren 50 Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler
der Klassen 2 bis 5 von Grundschulen, der Sprachheilschule und
weiterführenden Schulen wie Gymnasien, deren Zahl auf ca. 2000 beteiligte
Kinder und Jugendliche beziffert wird.
Fotos: Maurice Korbel
Informationen in Anlehnung an das Interview von Stephan Hoffmann mit
Johannes Fuchs beim SWR2, "Musik Aktuell" vom 7. Dezember 2007, am
Mikrofon: Stephan Hoffmann.
nach oben
|