Inszenierung am Berthold-Gymnasium Freiburg 2005
Szene der Inszenierung der Theater-AG des Berthold-Gymnasiums Freiburg
Die Jungfrau von Orléans von Friedrich Schiller
Nachfolgend werden Momentaufnahmen von der Aufführung aus dem Jahre 2005 gezeigt. Die Rollenreflexion der Schülerin als Johanna sowie Anmerkungen eines Schülers aus der Gruppe der Darsteller zur Auseinandersetzung mit dem Text von Schiller sind hinzugesetzt..
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Aufführung 2005 unter der Leitung von Johannes Rietmann und Nina Weiland mit Schülerinnen und Schülern des Berthold-Gymnasiums Freiburg |
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Geständnisse an eine Rolle
Ach Johanna, Jeanne , Jeanette, hohe Jungfrau, heilig Mädchen, wie auch immer man dich nennen mag, was hast du mir schlaflose Nächte bereitet. Denn leicht zu durchschauen bist du wahrlich nicht.Als ich dir zum ersten Mal begegnete, war mir noch nicht bewusst, dass ich durch das Annehmen deiner Rolle einen Teil der Bürde, die du trägst, auf meine eignen Schultern werde laden müssen. Was wäre, hätte ich es geahnt!?
Von Anfang an stand ich dir gespalten gegenüber. Ich bewunderte deinen Mut, deine Kraft zu kämpfen und anzuführen. Wenig konnte ich anfangen mit deiner Frömmigkeit und deinem festen Gottesglauben. Noch sah ich nicht deine innersten Gefühle und auch nicht deine Zerrissenheit.
Erst durch das Spiel und weiteres Rollenstudium wurden zahlreiche Facetten sichtbar, die mir bis dahin verborgen geblieben waren und die es nun erst zu verstehen und schließlich anzunehmen galt.
Doch du machtest es mir durchaus nicht leicht, ebenso wie du es dir selbst nie leicht gemacht hast. Wie wirst du mit dem schweren Gottesauftrag fertig? Warum gibst du deinen Gefühlen nicht nach? Wie rechtfertigst du das Töten deiner Gegner? Diese und viele weitere Fragen versuchte ich zu beantworten, was mir zugegebenermaßen sehr schwer fiel, denn auch du konntest mir nicht immer helfen. Teilweise bleibt mir auch bis heute nur übrig, zu vermuten.
Doch sei ohne Sorge, dein "dunkel tiefes Wesen" brachte mich nicht nur zum Grübeln, sondern verschaffte mir durchaus auch lichthelle Momente. Ich lernte deine Rede in- und auswendig, kam dir mit der Zeit näher und kann mittlerweile sagen, dass ich mich sehr wohl in deiner und nun auch meiner Rolle fühle. Dein Tiefgang, deine Vielfalt, deine Verletzlichkeit, deine Lebendigkeit und nicht zuletzt auch deine Fehler machten dich für mich so liebenswert, wie du es heute bist.
Am meisten aber zolle ich dir Respekt, weil du dir bis zu deinem Ende selbst treu geblieben bist. Auch möchte ich noch sagen, dass ich froh bin, ein Stück meines Weges mit dir gehen zu können. Ich hoffe, ich werde dem gerecht.
Kurz ist der Schmerz und ewig die Freude.
(Gedanken von Anne Siegele, der Hauptdarstellerin)
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Szene zu Johannas Vision am Hofe des Dauphin |
Die Jungfrau unterm Messer
Schillers Jungfrau von Orléans ist in ihrer ursprünglichen Form, d.h. vor allem in ihrem ursprünglichen Umfang, für ein Schultheater nicht aufführbar. Ein dramaturgischer Eingriff war nötig, um Schillers Jungfrau mit den Möglichkeiten einer Schule auf die Bühne bringen zu können.Wir nennen das "Streichen von Textstellen", am Theater ist es die Arbeit des Dramaturgen, doch am treffendsten ist dieser Vorgang wohl mit "operativer Eingriff am Urtext" umschrieben - es ist die Arbeit eines Chirurgen.
Im Fall der Theater-AG des Berthold-Gymnasiums hieß der Patient Die Jungfrau von Orléans. Das Stück litt, wie so viele Klassiker, unter einer gewissen, ich möchte nicht sagen "Fettleibigkeit" - nennen wir es Körperfülle, die dem Zuschauer das Betrachten womöglich unangenehm gemacht hätte. ...
So wie ein Chirurg vor der Operation sich tunlichst dem Studium der Anatomie befasst haben sollte, so ist es auch für den gemeinen Dramaturgen unabdingbar, sich zunächst intensiv mit dem Text zu beschäftigen. Mehrmaliges Lesen der Aufführungsbeteiligten ist vonnöten, um ausreichende Kenntnis über Handlungsverläufe, Personenkonstellationen und inszenatorische wertvolle Effekte zu erlangen.
Den Bleistift, das Skalpell des Dramaturgen, fest in der Hand beginnt in gemeinsamer Runde die Debatte der Theatergruppe um einzelne Formulierungen und Worte, Verse und teils ganze Szenen. Jeder der Teilnehmer hat das Stück inzwischen durch mehrmaliges Lesen ausreichend gut kennen gelernt, um eigene Sympathien, Vorlieben und Vorstellungen entwickelt zu haben. Und genau daran entzünden sich gesunde, aber bisweilen auch hitzige Diskussionen. Niemand möchte seinen Lieblingsvers von "blutrünstigen Banausen" grobschlächtig aus dem Leibe des Werks geschnitten sehen, schon gar nicht unter dem vorgeschobenen Argument der Redundanz. Händeringend sucht der Betroffene nach Belegen, die diesem Vers das Leben retten könnten, das Fortbestehen im Text. Der Betroffene verzweifelt bisweilen so sehr, dass er oder sie sich die Argumente wie "poetische Logik" aus den Fingern saugt, nur um diese Textzeile vor dem tödlichen Strich des Bleistifts zu bewahren...
Aber die eigentliche Arbeit besteht darin, wohlbedacht den Bleistift zu führen. Exakt wie ein Schnitt mit dem Skalpell gilt es redundante Stellen und Passagen aus dem Text zu trennen, ohne dabei umliegende Handlungsstränge und Charaktere zu verletzen. Behutsam muss die Bedeutung eines jeden Verses abgewogen werden, um Kunstfehler so gut es geht zu vermeiden. Um der Bildung von Narben vorzubeugen, werden bei der Operation entstandene Wunden anschließend mit viel Fingerspitzengefühl mit dem so genannten roten Faden zugenäht. Schon nach wenigen Proben sind beinahe alle Wunden verheilt und die "plastischen Chirurgen" dürfen sich gratulieren, dass der Eingriff geglückt ist: Johanna sieht nun frischer aus; aus dem behäbigen und teilweise umständlichen Werk, ist ein straffer und stringenter Text geworden.
(Kasimir Jörg, der Spieler des Karl VII. (Dauphin von Frankreich), nimmt Stellung zum Produktionsprozess der Inszenierung unter J. Rietmann.)
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Szene mit der Hauptdarstellerin während der Mannheimer
Schultheaterwoche 2005 |
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Die Figur des Schiller erweist der toten Johanna
Ehrerbietung. |
Das Stück beginnt mit einem Prolog.
Im ersten Teil des Prologs findet eine Hommage an den Dichter Schiller statt. Er steht stumm als Denkmal auf der Bühne. Zwei Bauarbeiter wollen die Statue entfernen; jedoch wehren Schauspieler sich gegen diesen Vorgang mit Versen und vertreiben die "Kulturfeinde" in einem choreografierten Tanz von der Bühne.Im letzten Akt tritt Schiller wieder auf die Bühne um sich vor Johanna zu verneigen.
Im zweiten Teil des Prologs besprechen Vater Thibaut und Johannas Freier
Raimond die Lage um die Stadt Orléans. Thibauts Raisonnement und ein
Kriegsbericht von der Front werden unterbrochen von der Stimme, die Johanna
wie ein Blitz trifft und sie als Retterin Frankreichs in den Krieg gegen
England schickt. Sie nimmt den Auftrag gequält an und verabschiedet sich von
ihrem bisherigen Leben als Schäferin und von ihrer Heimat.
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Szene mit der Hauptdarstellerin während der Mannheimer
Schultheaterwoche 2005 |
Fotos mit freundlicher Genehmigung der Teilnehmer des Jahrgangs 2005 des Berthold-Gymnasiums Freiburg unter der Leitung von J. Rietmann





