Landesbildungsserver Baden-Württemberg - teacher's remarks.
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Erfahrungen im Projekt und Hinweise.

Englischsprachige Länder sind klassische Einwanderungsländer.
Bei Großbritannien und den USA hat dies vor allem mit ihrer Geschichte zu tun.
Australien, Canada und die USA sind Traumländer für viele Europäer, die sich nach unendlichen Weiten und unverdorbener Natur sehnen. Durch ihre wirtschaftliche Stärke und ihr Entwicklungspotential sind sie vor allem aber das Ziel einer Vielzahl von Menschen aus der dritten Welt, die sich dort bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen erhoffen.

(0) Zielsetzung :

Beim der Behandlung des Lehrplanthemas "immigration" wollte ich daher bewußt über die sonst üblicherweise untersuchten Länder Großbritannien und die USA hinausgehen. Zum Vergleich sollte sich eine Gruppe auch mit der Einwanderung nach Deutschland beschäftigen.
Schülerinnen und Schüler meiner beiden Grundkurse der Jahrgangsstufen 12 und 13 untersuchten - jeweils in Tandems - die Einwanderung in eines dieser Länder. Als Informationsquelle sollte dabei vor allem auf das Internet zurückgegriffen werden. Die Schüler sollten die Quellen zwar nutzen, mit deren Hilfe aber ihre Texte und Vorträge eigenständig formulieren.
Aus diesen Informationen sollte einerseits ein mündlich vorgetragenes Referat hervorgehen, das eine vergleichende Zusammenschau der Länder, aber auch eine Überprüfung der Eingenständigkeit der erbrachten Leistung zuließ. Weiterhin sollten die wichtigsten Erkenntnisse mit einem Textverarbeitungsprogramm (WORD) so aufbereitet werden, dass eine spätere Überarbeitung in Internetseiten leicht möglich ist.

Die gesamte Arbeit wurde wie eine Klausur bewertet, wobei die Anteile für Recherche und Materialauswahl 3-fach, der mündliche Vortrag 4-fach und die schriftliche Version 3-fach gewichtet wurde.

(1) Internet-Recherche :

Bei ihren Recherchen im Internet sollten die Schülerinnen und Schüler in Augenmerk auf verschiedene Informationen lenken:

a) Statistik

  • Wieviele Leute wandern jährlich in das Land ein?
  • Wo kommen diese Leute her und wo gehen sie im Einwanderungsland hin?
  • Hat sich über die letzten Jahre eine Verschiebung bei den Ursprungsländern ergeben
    und woran könnte das jeweils liegen?

b) Motivation für die Einwanderung

  • warum wandern die Leute aus / ein ?
  • welche Gründe gibt es in ihrem Ursprungsland?
  • welche Gründe gibt es im Einwanderungsland?

c) Ermutigung oder Abschreckung

  • wie stellt sich das Einwanderungsland zu den Einwanderern?
  • welche Bedingungen müssen sie erfüllen um einwandern zu dürfen?
  • welche gesetzlichen Regelungen hat das Einwanderungsland getroffen?

Bei der Internet-Recherche hatten die Gruppen mit unterschiedlichen Problemen zu kämpfen:

  • Zu manchen Ländern gibt es derart viel Material, dass die Schüler einfach Schwerpunkte setzen mussten,
    alles Material auch nur zu sichten war kaum möglich.
  • Zur Einwanderung nach Deutschland musste deutschsprachiges Material ins Englische gebracht werden.
  • vor allem zu Großbritannien hatten mehrere Gruppen trotz langer Recherche Schwierigkeiten brauchbares Material zu finden. Hier wird viel in gedruckter Form, jedoch kaum im Internet-Format publiziert. Allein eine Quelle im .pdf Format erwies sich als nützlich. Sie war allerdings sehr schwer zu lesen.

(2) Referate :

Schon bei den Referaten zeigte sich, dass sich die Gruppen sehr unterschiedlich intensiv mit den gefundenen Materialien auseinandergesetzt hatten.

Beim Vortragsstil reichte die Palette dabei von ausgefeilten, mit Power-Point unterstützen Präsentationen, über sehr frei vorgetragene Referate, bis zu "Vorträgen", die mehr oder weniger vom Blatt gelesen wurden.
Eine Gruppe drehte ein kurzes Video, in der eine Reporterin eine "Ausländerin" befragt.

Auf der sprachlichen Seite reichte die Bandbreite von guten Formulierungen, die dennoch durch vereinzelte Fehler Eigenständigkeit erkennen ließen, über zwar eigenständige aber sprachlich schwache Vorträge, bis hin zu Passagen, denen man anmerkte, dass sie so nicht von den Schülern formuliert sein konnten.

(3) Sichtung und Korrektur der schriftlichen Ausarbeitungen :

Das Bild aus den Referaten konnte hier nur bestätigt werden.
Wo der Verdacht nahe lag, dass die Arbeit nicht eigenständig war, musste ich die von den Schülern verwendeten Internet-Quellen - und auch darüber hinaus - sichten. Dies ist eine sehr zeitraubende aber unumgängliche Arbeit. In einem Falle konnte ich den Nachweis führen, dass die "Arbeit" zu 100% wörtlich aus dem Internet übernommen war. Diese Arbeit musste natürlich mit 0 Punkten bewertet werden (Täuschungsversuch). In einem anderen Fall lag der Verdacht ebenfalls nahe, jedoch konnte der Beweis nicht geführt werden, da die zugrundliegende Webseite zur Zeit der Korrektur wegen Überarbeitung nicht verfügbar war.
Diese Bemerkungen sollen nur zeigen, worauf man sich einläßt, wenn man ein solches Projekt durchführt.

Die meisten Arbeiten waren jedoch recht sorgfältig und eigenständig gemacht, dennoch musste eine Fehlerkorrektur der Arbeiten erfolgen, damit die Internet-Version halbwegs fehlerfrei sein konnte.

(4) Aufarbeitung der Referattexte für das Internet :

Aus den Basistexten wurden abschießend Internet-Seiten erstellt. Die Texte wurden in ein reines Textformat gebracht und in einen HTML-Editor importiert. Umbruch und Hervorhebungen mussten danach wiederhergestellt werden.

Schwierigkeiten:

Einige Gruppen hatten ihre Arbeit schon selbständig ins HTML Format gebracht. Dazu wurde meist Microsoft-Frontpage verwendet. Der erzeugte Quelltext wird allerdings von Netscape-Browsern oft nicht entsprechend dargestellt. Eine Überarbeitung der Quelltexte mit dem an der Schule genutzten HTML-Editor HotMetal-Pro war schwierig.

Bei der Erstellung der Seiten muss außerdem das Copyright beachtet werden.

Graphiken und Darstellungen aus dem Internet können die Schüler zwar für die Referate und Textvorlagen nutzen, jedoch ist ihre Verwendung für eigene Publikationen im Internet zumindest rechtlich bedenklich.

Dies führte dazu, dass die "touristischen Seiten" zu Ellis Island und der Statue of Liberty, anders als in der Textvorlage, weitgehend ohne Bilder auskommen müssen. Die Rechte an den Bildern liegen hier größtenteils bei kommerziellen Unternehmen in den USA. Ein Kauf der Rechte für Internet-Publikation wäre einerseits teuer, andererseits schwierig durchführbar gewesen, da die Geschäfte online nur mit Kreditkarten abgewickelt werden konnten.

Bei den Diagrammen zu den Statistiken sieht es ähnlich aus. Das zugrundliegende Zahlenmaterial ist Allgemeingut und nicht urheberrechtlich geschützt, jedoch unterliegen die graphischen Überarbeitungen auf Internetseiten wieder dem Urheberrecht. Die Schüler mussten daher aus den Zahlen mit Hilfe von EXCEL eigene Balken- und Tortendiagramme erstellen, die mit Hilfe der Kopierfunktion (Taste "Druck") in die Zwischenablage gebracht und von dort mit einem Bildbearbeitungsprogramm (Picture Publisher) ins entsprechend Bildformat (.jpg oder .gif) gewandelt, gespeichert und dann in die Seiten montiert wurde.
Das war einerseits viel Arbeit, andererseits haben die Schüler dabei auch einiges gelernt.

Die von uns erstellten Diagramme dürfen von anderen für nicht-kommerzielle Zwecke, insbesondere zum schulischen Gebrauch, genutzt werden, auch für Publikationen - sofern die Quelle angegeben wird.

Zeitlicher Aufwand :

  • Recherche: Zwei Doppelstunden
  • Bearbeitung / Besprechung: eine Doppelstunde
  • Referate / Besprechung der Referate: ca. 5 Unterrichtsstunden
  • Überarbeitung für das Internet: zwei Doppelstunden

Insgesamt benötigte das Projekt also ca. 10 Unterrichtsstunden. Das Projekt begann im November mit der Recherche, die Referate wurden vor bzw. nach den Weihnachtsferien gehalten. Die Überarbeitung für das Internet wurde Ende März abgeschlossen.

Klaus-Dieter Grüninger
März 2002


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