600 Jahre Jeanne d'Arc
Unser
Scénario "Jeanne d'Arc"
Am 6. Januar 1412 wurde das Hirtenmädchen Jeanne d'Arc in
Domrémy-la-Pucelle (Vosges) geboren, so die Legende. Himmlische Stimmen geboten ihr während des Hundertjährigen Krieges, Frankreich von der englischen Herrschaft zu befreien, was sie in einem beispiellosen Kampf in ihrem kurzen 19-jährigen Leben auch tat. Sie ließ Charles VII. zum König krönen. Sie wurde als Häretikerin auf dem
Scheiterhaufen 
hingerichtet, doch 1920 wurde sie
heiliggesprochen. Weitere Details s.u., Links.
Es gibt in Frankreich ca. 20 000
Statuen der "pucelle" (Jungfrau), und ständig kommen
neue dazu, es gibt sogar
Playmobil-Figuren von ihr.
Die
Villes Johanniques führen während des ganzen Jahres
Veranstaltungen durch.
Orléans feiert jährlich seine Befreiung durch Jeanne d'Arc mit "fêtes johanniques"; Fotos, Filme und
Pressedossier geben einen Eindruck davon.
Jeanne d'Arc gehört zu den
Gründungsmythen der französischen Nation. Seit dem 19. Jh. wird darum gestritten, wem sie

"
gehört" - die politischen Lager beschworen dabei trotzdem unverdrossen die
nationale Einheit. Nach dem Historiker Nicolas Offenstadt ist sie ein leeres Symbol, ein "fourre-tout", das jede politische Richtung so
interpretiert, wie sie will. Mehrere
Präsidenten erinnerten an sie. In den letzten zwei Jahrzehnten versuchte der extrem rechte
Front National, Jeanne d'Arc, u.a. mit Manifestationen am 1. Mai (Tag der Arbeit), für sich zu vereinnahmen. Er wandelte damit auf den Spuren der
Action française (royalistische extreme Rechte). Heute ist Jeanne d'Arc für den FN eine nationalistisches Symbol des
Kampfs gegen die EU und gegen Fremde.
Zum 600. Geburtstag der "pucelle" wollte Staatspräsident
Sarkozy sie diesem Zugriff entreißen und begab sich in die Vogesen und nach
Vaucouleurs (Meuse), wo sie ihren Feldzug begonnen hatte. Er zelebrierte die christlischen Wurzeln der

"
héroïne patriote populaire" und die

"
nationale Einheit" und weist jeden Vorwurf der Vereinnahmung (
récupération) weit von sich. Offenstadt sieht diesen Versuch im Rahmen des
Konkurrenzkampfs zwischen der Rechten und der extremen Rechten, im Hinblick auf die Präsidentenwahl in ein paar Monaten. Auch
Katholiken und Traditionalisten sollen angesprochen werden. Und Sarkozy versucht, von den
aktuellen Krisen etwas abzulenken. Nur
Eva Joly, Präsidentschaftskandidatin der Grünen (EELV), kritisiert Jeanne d'Arc als ultranationalistisches Symbol, von dem keinerlei Inspiration für die heutige Zeit ausgehen könne.
Sollte allerdings der Regisseur
François Ruggieri recht haben? Nach ihm gab es nie eine Jeanne d'Arc, "sie" war in Wirklichkeit ein illegitimer Halbbruder des Königs Charles VII. namens Philippe (s.
Video mit Interview)!
Empfehlenswerte Links:
Scénario "Jeanne d'Arc"
600 Jahre Jeanne d'Arc können ein Anlass sein, sich im Unterricht der Oberstufe, teils auch in der Mittelstufe, mit ihrer Geschichte und heutigen Bedeutung für die französische Gesellschaft und Politik zu befassen. Anhand von Internet-Materialien - die o.g. empfohlenen Links sind dort eingearbeitet - können Schülerinnen und Schüler weitgehend selbstständig
- historische Tatsachen und Legenden um das Leben Jeanne d'Arcs aufarbeiten und darstellen
- die Geschichte der Interpretationen ihrer Rolle nachvollziehen, diskutieren und bewerten
- offizielle Feierlichkeiten beschreiben (z. B. in Orléans)
- kritisch die aktuellen Interpretationen und Kommentare zu Jeanne d'Arcs Bedeutung erarbeiten und bewerten
- Texte auswerten und diskutieren
- Hör-/Sehverstehensaufgaben machen
- kreative Aufgaben lösen.
Die Schülerinnen und Schüler brauchen dazu entweder eine
HTML-Datei oder ein
Word-Dokument 
in elektronischer Form (also nicht als austeilbares Arbeitsblatt), um den Links zu den Materialien folgen zu können. Für einzelne Teilaufgaben bieten sich Gruppenarbeit und deren Präsentation in unterschiedlichen Formen an.
Arbeitsblätter und Lösungen
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