Landesbildungsserver Baden-Württemberg - Die französische 'laïcité' vor dem Ende?
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Die französische "laïcité" vor dem Ende?

La séparation de l'église et de l'Etat
     Source :  ACPMJ
Der Artikel 1 der  französischen Verfassung von 1958 erklärt Frankreich zu einer République (...) laïque. Zwar wird immer über deren Ausgestaltung diskutiert, aber seit Präsident Sakozy als Ehrendomherr ( chanoine d'honneur) in San Giovanni in Laterano Ende 2007 eine  Grundsatzrede (s.  Auszüge der Rede;  Wortlaut ) gehalten hat, ist das Thema wieder virulent geworden: Frankreich habe "christliche Wurzeln", das Gesetz von 1905 habe dem Klerus "Leiden" zugefügt, gute Politik müsse sich auf "Transzendenz" beziehen, mehr Gläubige lägen im Interesse der Republik, eine laizistische Moral neige zu Fanatismus, weshalb er sich für eine angeblich fehlende "laïcité positive", eine wirksame Anerkennung der spirituellen Strömungen ausspricht. Kurz darauf sprach Sarkozy in seiner  Neujahrsansprache und in Riad ( Wortlaut) davon, dass Gott im Herzen eines jeden und alle Moral religiösen Ursprungs sei. Gegner nehmen ihm das nicht unbedingt ab (Sarkozy, qui ne croit fondamentalement pas à grand-chose d'autre qu'aux cotes de popularité et aux rapports de force, est sincèrement bouleversé par ceux qui croient.  A. Guiral) oder sehen darin eine unzulässige Verquickung einer Privatmeinung mit der unparteiischen Schiedsrichterrolle des Präsidenten einer laizistischen Republik, einen  Angriff auf den Laizismus und, so Jean Baubérot, Inhaber des einzigen französischen Lehrstuhls für Laizismus, eine rückwärtsgewandte und ideologische Darstellung der französischen  Geschichte. Auch  Konservative und  Katholiken blieben skeptisch; 71% der Franzosen wollen am Gesetz nichts ändern ( Umfrage Juni 2008).
Bald folgten konkrete  Vorschläge zur Änderung des Gesetzes von 1905: konfessionelle Bereiche auf Friedhöfen (carrés confessionnels),  Subventionen für religiöse Vereinigungen, z. B. für Kirchen- und Moschee-Bau, die aber noch nicht umgesetzt sind.
Zwei Millionen Google-Treffer allein für das Wort "laïcité" sind natürlich nie auszuwerten, hier erhalten Sie also nur eine schmale Auswahl an Hinweisen auf Internetquellen zur Behandlung der "laïcité" im Unterricht. Dabei ist nicht an eine ausführliche historische Betrachtung gedacht. Auch auf das Verbot "ostentativer" religiöser Zeichen in den Schulen wird nicht ausführlich eingegangen. Einige der Texte sind für die Hand der Lehrkraft gedacht, da sprachlich zu komplex. Die Grafiken eignen sich gut als Illustration und Impuls für das Klassengespräch.

Geschichte

  • Eine sehr plastische  Karikatur bei "L'Histoire par l'image" aus dem Musée Jean Jaurès in Castres kann als Einstieg in eine historische Erklärung der Trennung von Kirche und Staat im Jahre 1905 verwendet werden; dort wird die Karikatur analysiert und interpretiert sowie der historische Kontext erläutert.
  • La  loi de séparation du 9 décembre 1905 et sa mise en ½uvre
  • Eine kurze  historische Übersicht, eine Darstellung der heutigen Situation und einen Vergleich mit anderen Ländern liefert memo
  • "La laïcité, un long combat", kurze  Zeittafel ab 1789
  • "Aux origines des controverses sur la laïcité",  historische Einordnung
  • Wortlaut des  Gesetzes vom 9.12.1905, bei der Assemblée nationale

Laïcité heute

  • Um einen Eindruck zu bekommen, wie präsent die Laïcité im öffentlichen Bewusstsein vieler Franzosen ist, braucht man sich nur einmal die umfangreichen Aktivitäten der Gemeinde Pons (Charente-Maritime) anzusehen, die 2005 anlässlich des 100jährigen Bestehens des Gesetzes abgehalten wurden, z. B. der  Vortrag von M. Barthélémy, "Les représentations de la laïcité chez les Français". Aus Pons stammt der Verfechter des Gesetzes, Regierungschef  Émile Combes (1835-1921).

Konkrete Beispiele

Dossiers

  • La laïcité :  débats 100 ans après la loi de 1905: Prinzipien, Laïcité und Schule, Reform, Chronologie, Sonderstellung Alsace-Moselle, Links; bei La Documentation française
  •  Le centenaire de la loi 1905, ein dossier explicatif der katholischen Zeitung La Croix
  •  "Un siècle de laïcité", Bericht des Conseil d'Etat 2004 (Zusammenfassung); s. auch  vollständige Fassung ); sehr detaillierte Analyse mit Reformvorschlägen
  • Artikel  "Laïcité" bei Wikipédia

Die Positionen des französischen Präsidenten

Gegner einer Änderung des Gesetzes von 1905

  •  Appel laïque: Sauvegardons la laïcité de la République, Appell zur Erhaltung des Gesetzes von 1905
  • "La religion n'est pas un service public",  Verteidigung der Laïcité
  • "L'ordre néolibéral a trouvé son empereur", Auseinandersetzung mit den  Grundannahmen der Reden Sarkozys
  • "L'histoire revue et corrigée",  "déformation du passé" durch Sarkozy
  • "Les régimes fascistes étaient-ils « sans Dieu » ?", Kritik der Vorstellung, die laizistische sei der religiösen  Moral unterlegen;  Sarkozy stritt später ab, das gesagt zu haben.

Grafiken und Bilder

Linksamlungen


Bemerkung zur Orthografie:

Die Schreibung des Nomens und des Adjektivs im Maskulinum ist in den Dokumenten und Wörterbüchern nicht einheitlich. Meist stehen, wie vom  Le Trésor de la Langue Française informatisé, laïc und laïque als maskuline Form gleichberechtigt nebeneinander, oder es wird nur betrachtet, ob eine Form häufiger verwendet wird als die andere, wie im ehrwürdigen  Académie-Wörterbuch. Für den Petit Robert ist laïc nur das maskuline Nomen: So sieht es auch  Langue Française, doch on oppose généralement le clerc (ordonné prêtre) au laïc (non clerc), mais les partisans de la laïcité (de l'État et de l'École) utilisent la forme laïque même au masculin singulier... graphie parfois ignorée par les médias. Weniger normativ ist M. Grevisse (Le bon usage): Laïque est parfois remplacé par laïc (plus fréquent comme nom), und Le masc. laïque est constant pour le sens « partisan de la laïcité ». Für die Korrektur von Schülerarbeiten wird man wohl tolerant sein und für beide Schreibungen des Maskulinums als richtig bewerten.
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